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Klassiker gibt's auch zum TeilenZahl der Oldtimer erreicht neuen Rekordwert

04.03.2026, 17:28 Uhr
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Der Mercedes W124 ist in der Youngtimer-Szene als solider Dauerläufer gefragt. (Foto: Mercedes-Benz)

Ob alter Käfer, Bulli oder Kadett: Historische Autos werden immer beliebter, bald könnten eine Million Klassiker auf den Straßen fahren - Kritiker warnen schon vor einer "Schwemme". Wem ein eigener Oldtimer zu teuer ist und zu viel Arbeit macht: Ein Unternehmen bietet nun eine günstigere und einfachere Möglichkeit.

Der Oldtimer-Boom in Deutschland hält weiter an. 923.538 historische Fahrzeuge waren Anfang 2026 zugelassen - vier Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Damit hat sich der Oldtimer-Bestand auf den Straßen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Kritiker warnen schon von der "Oldtimer-Schwemme", die jetzt drohe. Das H-Kennzeichen wurde 1997 eingeführt, um rare Modelle als automobiles Kulturgut zu schützen. Die Privilegien sind eine auf 191 Euro gedeckelte Kfz-Steuer sowie freie Fahrt in die Umweltzonen der Städte. Doch zuletzt kamen zunehmend Massenmodelle der 1990er Jahre ins H-Kennzeichen-Alter - von VW Golf und Opel Astra über BMW 5er (E39) und Mercedes E-Klasse (W210) bis zum Volvo V70. Etliche davon werden heute noch als Alltagsauto genutzt. Kann man da noch von schützenswerten Oldtimern sprechen?

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Ebenfalls beliebt bei Youngtimer-Freunden ist der Volvo 850 Kombi. (Foto: Volvo)

Viele ohne H-Kennzeichen

Tatsache ist allerdings auch: Viele dieser Veteranen tragen gar kein H-Kennzeichen mehr. Oldtimer-Pkw der 1990er Jahre verfügten bereits häufig über "moderne Abgasreinigungssysteme" und erfüllten damit regulär die Anforderungen zum Erhalt einer grünen Umweltplakette, erklärt der ADAC. Damit fallen sie automatisch in eine günstigere Kfz-Besteuerung und das mitunter höher besteuerte Oldtimer-Kennzeichen hat keine Vorteile mehr gegenüber einer normalen Zulassung. So verzichten Oldtimer-Besitzer zunehmend auf die Sondernummer. Zuletzt lag die H-Kennzeichen-Quote laut ADAC bei 54 Prozent mit weiter fallender Tendenz.

Einen Dämpfer erlitten etliche Klassiker indes bei Image und Preis. Zwischenzeitlich als "Garagengold" angepriesen, brachen die Marktwerte für Modelle aus den 50er bis 70er Jahren teilweise ein. Beim BMW "Barockengel" etwa sank der Marktwert gegenüber 2019 um fast 20 Prozent, stellte der Marktbeobachter Classic Data aus Bochum fest. Beim einstigen Luxusauto Glas 2600 V8 waren es 21 Prozent, beim Jaguar XK 140 OTS, einem Roadster aus den 50er Jahren, gar knapp 24 Prozent. Der Grund: Die Zahl derer, die einen persönlichen Bezug zu einem Barockengel oder einer längst untergegangenen Automarke wie Glas haben, nimmt rapide ab.

Im Trend sind dagegen junge Oldtimer und Youngtimer. Sie sind nicht nur oft günstig, sondern auch von hoher Qualität. Die Zeit um 1990 gilt als goldene Ära des Automobilbaus. Der Rostschutz wurde damals deutlich verbessert, Technik und Motoren wurden langlebiger. Gut gepflegt, können ein Audi A6 (C4), ein BMW 5er (E39) oder ein VW Bus (T4) aus dieser Zeit praktisch ewig halten - ob mit oder ohne H-Kennzeichen.

Autoklassiker zum Teilen

Wem der eigene Autoklassiker zu teuer ist, kann in Berlin nun ein neuartiges Sharing-Modell nutzen. Der Car Owners Club setzt nicht auf Kauf oder Kurzzeitmiete, sondern auf das gemeinsame Nutzen geteilten Eigentums: Kunden erwerben einen Anteil am Fahrzeug, können es dann im Wechsel mit den Miteigentümern zeitweise nutzen. Die Reservierung erfolgt per App, rechnerisch steht das Fahrzeug jedem Besitzer rund sieben Wochen im Jahr zur Verfügung.

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Im Car Owners Club kann man einen Eigentumsanteil an älteren Modellen der Baureihe Porsche 911 erwerben. (Foto: Screenshot Car Owners Club/sp-x)

Der Anbieter will den organisatorischen Aufwand für die Mitglieder gering halten, übernimmt unter anderem Versicherung, Kfz-Steuern, Wartungen und den Garagenstellplatz. Darüber hinaus verspricht ein Concierge-Team Unterstützung bei Fahrzeugbereitstellung, Reiseplanung und Sonderwünschen. Aktuell bietet das Berliner Unternehmen auf seiner Website Interessenten unter anderem das Miteigentum an einem Porsche 911 Targa 2.7 von 1975 an. Für einen Sechstel-Anteil nennt die Seite einen Kaufpreis von 15.750 Euro. Hinzu kommt eine monatliche Pauschale für Betrieb, Wartung und Service.

Das Angebot richtet sich an Kunden, die einen Klassiker nicht allein besitzen, ihn aber auch nicht nur stundenweise mieten wollen. Der "Club" positioniert sich entsprechend als Mischform aus Eigentum, Rundum-Betreuung und organisiertem Teilen. Interessenten müssen mindestens 25 Jahre alt sein, zudem erwarten die Anbieter einen respektvollen Umgang mit dem Fahrzeug ("Gentleman Driver") sowie ein ausgeprägtes Werterhaltungsinteresse. Stationiert sind die Autos aktuell allesamt in einem Parkhaus in Berlin, das auch als zentraler Ort für Abholung und Rückgabe fungiert.

Quelle: ntv.de, abe/sp-x

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