Ziemlich praktisches neues SUVMercedes GLB - kantig, geräumig, langstreckentauglich

Um die Elektromobilität in die Breite zu tragen, braucht es Volumenmodelle. Was wäre dafür besser geeignet als ein kompaktes SUV mit richtig viel Platz? Da kommt der Mercedes GLB gelegen. Erste Runden mit dem Multitalent.
Um mit einer Automobilplattform Geld zu verdienen, bedarf es einer möglichst breiten Skalierung. So passiert es gerade auch mit der neuen "Mercedes Modular Architecture", kurz "MMA" genannt. Nach CLA in verschiedenen Varianten ist nun also das SUV an der Reihe. Gestartet wird mit dem formal noch kompakten GLB, wobei der in Wahrheit längst nicht mehr kompakt ist. Mit 4,73 Metern Außenlänge ist im Grunde schon das Segment der Mittelklasse erreicht. Demnach ist der GLB nicht nur einfach ein großes Auto, sondern von seinem optischen Zuschnitt her - kantig und raumeffizient - der glatte Gegenentwurf zum CLA Shooting Brake.
Gegenüber dem wuchs bei gleicher Außenlänge aber der Radstand um 10 Zentimeter auf 2,89 Meter. Und natürlich spricht er eine deutlich andere Zielgruppe an. Das merkt man außerdem sofort am Kofferraumvolumen, hier passt nämlich Gepäck im Äquivalent von 1.715 Litern hinein - das ist schon eine Ansage. Demnach nimmt dieser Schwabe den Nutzwert tatsächlich noch ernst. Viel Raum gibt es aber nicht nur für das Gepäck.
Betont luftiges Raumgefühl
Im Fond zeigt der Mercedes sehr schnell, worin seine eigentliche Stärke liegt. Die zweite Sitzreihe fällt für diese Klasse bemerkenswert großzügig aus. Selbst groß gewachsene Personen reisen hier nicht nur akzeptabel, sondern entspannt. Beinfreiheit ist fast in überbordenden Dimensionen vorhanden, auch das betont luftige Raumgefühl überzeugt. Insgesamt bietet der GLB hinten ein Platzangebot, das man in diesem Segment keineswegs selbstverständlich bekommt. Wer also häufig mit viel Ladung, großem Reisegepäck oder beruflichem Equipment unterwegs ist, dürfte sich genau an dieser Stelle sehr schnell mit dem Konzept anfreunden.
Im Interieur gibt es übrigens das bekannte Mercedes-Bild der Gegenwart. Die Gestaltung wirkt modern, aufgeräumt und hochwertig, ohne die Benutzer mit unnötigem Rätselraten zu traktieren. Schön bei Mercedes ist ja seit einiger Zeit, dass man sich selbst als Neueinsteiger erstaunlich schnell zurechtfindet auf dem Riesen-Screen, der sich auch hier über die gesamte Breite erstreckt - wenngleich nicht so schön nahtlos wie beispielsweise im neuen GLC. Die wichtigsten Funktionen liegen jedoch dort, wo man sie vermutet, und das ist im Alltag sehr viel wert.
Nicht zu digital für konservative Kundschaft
Ohnehin schafft es der GLB, einen Spagat zu meistern: Er wirkt digital genug, um modern zu erscheinen, aber keineswegs so verspielt, als dass die konservative Klientel verschreckt würde. Und ruhig mal die weiter verbesserte Sprachbedienung ausprobieren - wenn das System den Sprecher versteht (was nicht immer vorkommt), dann produziert das KI-unterstützte System lustige Antworten auf alle möglichen Fragen. Einen Schuss Lifestyle hat der GLB aller Sachlichkeit zum Trotz übrigens doch: Das große Panoramadach mit Sternen aus dem CLA bekommt er ebenfalls.
Ebenso eine Leihgabe aus dem zierlichen Bruder sind die Antriebe. Denn die fallen exakt so aus wie beim CLA - und das ist durchaus eine gute Nachricht. Schließlich bedeutet das, dass auch der GLB beim Thema Effizienz und Langstreckentauglichkeit ordentlich punktet. Hier kommen also auch Außendienstler und Langstreckenfahrer auf ihre Kosten. Echte Reisetugenden stehen an erster Stelle.
Vorzügliche Effizienz
Die Effizienz fällt nicht zuletzt dank automatischem Zweiganggetriebe vorzüglich aus. Mercedes nennt für den 250+ einen WLTP-Verbrauch von 15,8 kWh je 100 Kilometer. Das ist natürlich deutlich mehr als beim CLA, aber Höhe (1,69 Meter) und Stirnfläche lassen sich eben nicht physikalisch austricksen. Dafür ist der 354 PS/260 kW starke Allradler namens 350 4Matic nah an der Effizienz-Version mit gerade mal 0,1 kWh Mehrverbrauch.
Dabei gilt auch hier: 350er-Kunden dürften eher die Leistungsentfaltung im Kopf haben als den Verbrauch. Und tatsächlich ist der Topliner alles andere als behäbig unterwegs. Bis 100 km/h vergehen laut Werk lediglich 5,5 Sekunden - damit ist der GLB kaum langsamer als der CLA. Nur in Kurven wird der hohe Schwerpunkt spürbar, man bewegt eben ein großes Auto. Unspaßig absolviert der ausladende Mercedes GLB windungsreiche Landstraßen aber dennoch nicht.
Und wenn es eine Nummer kleiner sein soll? Dann funktioniert der 250+ mit 200 kW/ 272 PS immer noch gut, und er ist nun wahrlich kein Verkehrshindernis mit 7,4 Sekunden bis 100 Sachen. Leistung ist auch hier also für jede Lebenslage genügend vorhanden. Analog zum CLA ist auch hier bei 210 km/h Schicht.
Grundsätzlich komfortabel ausgerichtet
Noch kurz eine Ergänzung zum Thema Querdynamik: Die Lenkung arbeitet im großen CLA-Bruder ähnlich präzise und vermittelt dieses typisch exakte Mercedes-Gefühl, ohne jetzt mit besonders sportlichen Attitüden aufzufallen. Aber der GLB ist ja auch grundsätzlich komfortabel ausgerichtet; Bodenwellen werden je nach gewähltem Felgenformat mehr oder weniger wirkungsvoll eliminiert, aber in jedem Fall mit einem Mindestmaß an Feingefühl.
Beim Ladetempo geht es nominal genauso rasant zu wie beim CLA: Bis zu 320 kW Ladeleistung werden versprochen - oder anders ausgedrückt, 22 Minuten sollen reichen, um den Akku von 10 auf 80 Prozent zu laden. Voraussetzung ist wie immer die optimale Batterietemperatur. Künftig lässt sich die Konditionierung manuell anstoßen, was den Praxisnutzen zusätzlich erhöht. Im Rahmen der automatischen Ladeplanung passiert dies allerdings sowieso. Gerade bei einem Fahrzeug wie dem GLB, das sich mit seinem üppigen Raumangebot und seiner klaren Alltagsorientierung besonders für Vielfahrer, Familien oder gewerbliche Nutzer empfiehlt, ist genau das ein zentrales Argument.
Kein Sonderangebot mehr
Mit dem Größenwachstum sowie der technischen Weiterentwicklung ist der GLB leider auch kein Sonderangebot mehr. Etwas mehr als 54.000 Euro markieren den Einstieg. Dann gibt es den Zwohundert mit kleinerem LFP-Akku (58 kWh) und nicht ganz so drahtiger Ladeleistung (200 kW). Das Reichweitenwunder 250+ mit über 600 Kilometern WLTP-Wert schrammt haarscharf an der 60.000-Euro-Grenze entlang. Das mag noch so okay sein für das Gebotene, dennoch muss man über ein solches Budget erst mal verfügen.
Mit rund 3.000 Euro Aufpreis ist der Sprung zum 350 4Matic nicht mehr so groß wie zwischen Basis und 250+, zwischen diesen beiden liegen nämlich rund 6.000 Euro. Mal schauen, welche Variante volumenmäßig das Rennen macht. Und zur Information: Benzinhybride bleiben weiterhin ebenfalls verfügbar.
Mercedes GLB - technische Daten
Kompakt-SUV, Länge: 4,73 Meter, Breite: 1,86 Meter (2,03 Meter mit Außenspiegel), Höhe: 1,69 Meter, Radstand: 2,89 Meter, Kofferraumvolumen: 540 bis 1.715 Liter
GLB 200 EQ
Permanenterregte Synchronmaschine, 165 kW/224 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 8,2 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 15,4 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 431 km bei 58 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 20 Min., Ladeleistung: 200 kW, Preise: ab 50.782 Euro
GLB 250+ EQ
Permanenterregte Synchronmaschine, 200 kW/272 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 7,4 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 15,8 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 632 km bei 85 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 22 Min., Ladeleistung: 320 kW, Preise: ab 56.095 Euro
GLB 350 4Matic EQ
Zwei permanenterregte Synchronmaschinen, 260 kW/354 PS, maximales Drehmoment: 515 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 5,5 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 15,9 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 616 km bei 85 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 22 Min., Ladeleistung: 320 kW, Preise: ab 59.068 Euro
Mercedes GLB – Kurzcharakteristik
Warum: weil das Auto ziemlich praktisch ist
Warum nicht: weil Effizienz hier nicht an erster Stelle steht
Was sonst: Skoda Enyaq, Nissan Ariya, Alpine A390, Renault Scenic E-Tech, aber keiner lädt so schnell. Alternative: Xpeng G6 mit noch besserer Ladeperformance
Wann kommt er: ab sofort