Praxistest

Feines aus Fernost Hyundai Genesis - Luxus im Komplettpaket

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Die wchtige Front und das geflügelte Logo lassen beim Hyundai Genesis schnell eine Nähe zu Aston Martin vermuten.

(Foto: Holger Preiss)

Bis dato stand Hyundai für solide Alltagsautos. Seit einem Jahr fährt aber auch in Europa ein echter Luxusliner der Marke. Und wie es den Koreanern so eigen ist, gibt man sich mit dem Wagen bescheiden. Dabei muss der Kanten sich wirklich nicht verstecken, wie der n-tv.de-Praxistest beweist.

Toyota versucht sich seit Jahren mit Lexus im Bereich der edlen Mobilität. Nissan fährt mit Infiniti in diesem Segment. Und weil das in den großen Märkten dieser Welt nicht schlecht funktioniert, setzt jetzt auch Hyundai ein Zeichen. Die Koreaner nennen ihr Flaggschiff Genesis. Ja, diesen Namen gab es schon. Von 2008 bis 2013 baute man ein Coupé, das unter gleicher Flagge fuhr. Damals stand an Front und Heck aber noch das H. Bei der seit 2015 angebotenen Sportlimousine ist man einen Schritt weiter gegangen. Auf der langen Motorhaube prangt, von zwei großen Schwingen gerahmt, der Schriftzug Genesis. Beim ersten Blick fühlt sich der Betrachter sofort an das Logo von Aston Martin erinnert. Ob das gewollt ist oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Genesis, dessen Namen im biblischen Sinne die Schöpfungsgeschichte beschreibt, für die Koreaner genauso zu bewerten ist.

Konsequent auf Luxus

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Der Hyundai Genesis ist mehr Coupé als Limousine. Das ist auch gut, denn es betont seine Sportlichkeit.

(Foto: Holger Preiss)

Noch nie zuvor hat die Marke sich so konsequent in Richtung Premium bewegt wie mit der Mittelklasse-Sport-Limousine. Auf wuchtige 19-Zoll-Alus gestellt, zieht sich am Ende der langen Motorhaube die Dachlinie weit ins Heck. Die Fenster sind mit gebürstetem Aluleisten gerahmt und die Türen werden von Elektromotoren in die Schlösser gezogen. Hinter dem fast senkrecht stehenden, hexagonalen Kühlergrill verbirgt sich ein 3,8 Liter-V6-Benziner mit 315 PS, der seine 397 Newtonmeter mit Hilfe des variablen Allradsystems, entsprechend des Fahrmodus und der Beschaffenheit der Straße, optimal an alle vier Räder verteilt. Das überrascht umso mehr, als dass der Allradantrieb genau wie das achtstufige Automatikgetriebe eine Eigenentwicklung aus Seoul ist. Beide Komponenten arbeiten im Genesis mit außergewöhnlicher Präzision, was vor allem im Sportmodus den verwegenen Griff an die Paddles, um die Schaltvorgänge manuell durchzuführen, absolut überflüssig macht. Überflüssig sind allerdings auch rennstreckengleiche Kurvenfahrten. Hier kann auch die elektronische Lastverteilung des Allradantriebs nicht verhindern, dass der 2,1 Tonnen schwere Koreaner über die Vorderachse schiebt.

Auf gerader Strecke hingegen kann sich der Pilot in sein wohlgeformtes Polster zurücklehnen, die Seitenwangen elektrisch spannen und genießen, wie der Luxus-Koreaner in lockeren 6,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt. Der Flug in der Business Class erfolgt fast tonlos, so dass selbst bei hohen Geschwindigkeiten keine Roll- oder Windgeräusche ins Innere dringen. Lediglich der V6 ergreift ab und zu das Wort und bestätigt, dass er der Herr unterm Blech ist. Jetzt kann, wer will, über drei Dinge klagen: Darüber, dass Hyundai den Genesis bei 240 km/h abgeregelt hat. Das ist aber eher ein Umstand, der nur im sportlichen Wettkampf eine Rolle spielt. Ein weiterer Kritikpunkt wäre der Verbrauch und die fehlende Start-Stopp-Automatik, die das Triebwerk an der Ampel und im Stau in den Ruhezustand versetzt. Allerdings muss hier zur Ehrenrettung folgendes gesagt werden: Während bei anderen Herstellern die Verbrauchswerte um bis zu zwei Litern differieren,  steht im Datenblatt des Genesis zu lesen, dass er auf kombinierter Fahrt 11,6 Liter Super konsumiert. Ein Verbrauch, der mit 11,8 Litern im Test nur marginal überschritten wurde. Wer natürlich den Pferden die Sporen gibt, darf gerne etwas früher an die Zapfsäule fahren. Dann nämlich verschwinden über 100 Kilometer schon mal 13 bis 15 Liter aus dem 77 Liter fassenden Tank.

Ein Himmelreich für Fondpassagiere

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Fast etwas überladen wirkt das Cockpit im Hyundai Genesis. Die Struktur der Knöpfe und Regler ist aber logisch aufgebaut und das riesige Display eine Augenweide.

(Foto: Holger Preiss)

Was ebenfalls bei der Fahrt verschwindet, sind Bodenwellen jeder Art. Das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass hier nichts nach innen durchgereicht wird. Dazu dürfte auch der gigantische Radstand von drei Metern beitragen, von dem auch die Fondpassagiere auf ihren zwei Einzelsitzen profitieren. Erst recht dann, wenn sie die oberschenkeldicke Mittelarmlehne aus der Rücklehne geklappt haben, um an einer Multifunktionseinheit, wie sie eigentlich nur dem Verantwortlichen in der ersten Reihe zusteht, das Kommando im Auto zu übernehmen. Von dort können nämlich nicht nur die Klangwelten, die aus den 17 Lautsprechern tönen, verändert werden, sondern auch die Neigungswinkel der Sitze, bis hin zu einer Liegeposition, die den Blick auf das riesige Panoramadach freigibt. Neben allen schon erwähnten Annehmlichkeiten ist das ebenfalls in den 65.500 Euro Endpreis des Genesis enthalten. Tatsächlich gibt es keine Aufpreisliste. Wer sich für den Nobel-Hyundai entscheidet, erhält ein voll ausgestattetes Auto mit fünf Jahren Garantie und allen Extras.

Zu denen gehören auch eine Einparkhilfe, die das Fünf-Meter-Schiff quer und längs in die Parklücken schiebt, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung, Dreizonen-Klimaautomatik und elektrische Sonnenrollos an der Heckscheibe. Ebenfalls im Preis enthalten sind ein Around-View-System, das den Blick auf das Fahrzeug aus der Vogelperspektive zulässt, ein Head-up-Display und ein Smart-Key-System für den schlüssellosen Zugang. Darüber lässt sich auch die Heckklappe automatisch öffnen, wenn der Schlüsselträger nur drei Sekunden zwischen den trapezförmigen Endrohrverblendungen seines Genesis verharrt. Ärgerlich ist, dass sich die Rückbank hinter dem 493 Liter fassenden Koffernicht nicht umlegen lässt und es auch keine Durchreiche gibt. So müssen zum Beispiel die Skier für den Winterurlaub aufs Dach. Ebenfalls im Gesamtpreis enthalten sind die Belederung des Gestühls und die Intarsien aus Echtholz. Wobei man hier mit den Farben aufpassen muss. In der falschen Kombination rutscht das Ganze schnell in eine gewisse Onkeligkeit ab.

Mut kostet Geld

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Wer in der zweiten Reihe des Hyundai Genesis Platz nimmt, hat außer Platz auch die Macht über eine Bedieneinheit.

(Foto: Holger Preiss)

Das kann man natürlich auch als eine Form der Individualität interpretieren. Denn wer einen Hyundai Genesis einer Mercedes E-Klasse, einem 5er BMW oder einem Audi A6 vorzieht, der beweist nicht nur Mut, sondern dürfte sich auch von der Masse der anderen Luxus-Kaleschen auf hiesigen Straßen deutlich abheben. Während des Testzeitraums erwies sich der Koreaner jedenfalls als echter Hingucker für das Straßenpublikum. Das mag auch daran liegen, dass die Nähe des Logos zu Aston Martin die Umstehenden im Unklaren lässt, welch Autobauers Kind der Genesis ist. Aber das ist nicht schlimm, denn die Aufmerksamkeit hat sich der Asiate mit Blick auf die vielen anderen schicken Details redlich verdient.

Fazit: Gut verdienende Manager, die sich abseits der etablierten Premiummarken als Individualisten erweisen, sind mit dem Genesis wirklich gut bedient. Für 65.500 Euro gibt es ein vollausgestattetes Luxusgefährt, das sich hinter der hiesigen Konkurrenz nicht verstecken muss. Antrieb, Fahrwerk, Ausstattung und Optik stehen denen jedenfalls in nichts nach. Lediglich bei der Auswahl an Motorisierungen muss der Koreaner passen. Außer dem V6 Benziner gibt es nichts. Beim Wertverlust steht der Koreaner auch ziemlich weit vorn. Innerhalb von vier Jahren müssen Käufer nach Berechnungen von Bähr & Fess Forecasts 39.000 Euro abschreiben. 

DATENBLATTHyundai Genesis 3.8 V6
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,99/ 1,89/ 1,48 m
Radstand3,01 m
Leergewicht (DIN)2150 kg
Sitzplätze2 + 2
Ladevolumen493 Liter
MotorReihen 6-Zylinder mit 3778 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang Automatik
Leistung232 kW / 315 PS bei 6000 U/min
KraftstoffartSuper (95 Oktan)
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit240 km/h abgeregelt
Tankvolumen77 Liter
max. Drehmoment397 Nm bei 5000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,8 Sekunden
Normverbrauch / (städtisch, außerstädtisch, kombiniert)Serie 16,2 / 8,9 / 11,6 L/100 km
Testverbrauch11,8 l
EffizienzklasseD/ EU6
Grundpreis65.500 Euro
Preis des Testwagens65.500 Euro

Quelle: ntv.de