Praxistest

Der mit dem Mehr im Praxistest Hyundai Kona - kleiner Bergsteiger mit Power

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Mit dem Kona ist Hyundai optisch ein pfiffiges SUV für das B-Segment gelungen.

Holger Preiss

Wer bei den Kleinwagen Fahrzeuge im SUV-Stil sucht, wird keine Probleme haben, sie zu finden. Sollen allerdings auch technische Finessen wie Allrad oder gar Downhill Control vorhanden sein, dürfte es schwierig werden. Es sei denn, man entdeckt den Hyundai Kona für sich.

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Der Betrachter des Hyundai Kona wird nichts von dem vermissen, was ein SUV ausmacht.

(Foto: Holger Preiss)

Während viele Autobauer glauben, es würde reichen, wenn sie die Anmutung eines SUV in das preissensible Segment der Kleinwagen packen, hat Hyundai sich gesagt: wer bei uns in diesem Segment ein echtes SUV haben möchte, der soll es auch bekommen. Jedenfalls soweit das hier möglich ist. Die Koreaner jedenfalls haben das mit dem Kona mehr als geschickt gemacht. Der kleine Kraxler fällt durch sein sehr flottes Design ebenso aus der Rolle wie durch sein Ausstattungsangebot. So bietet kein anderer Hersteller in diesem Segment einen Benziner mit 177 PS und Allradantrieb an. Zur Begründung heißt es dann immer: "Der Kunde wünscht das nicht."

Wünsche werden wahr

Wenn er es doch wünscht, dann ist er jedenfalls beim Kona völlig richtig, denn der hat nicht nur Allrad, sondern auf Wunsch sogar eine Downhill-Funktion. Steile Abwärtspassagen kann der Kona also ganz ohne Zutun des Fahrers selbst bewältigen. Das heißt, der Kona bremst sich selbst den Berg hinab. Eben wie ein Großer. Die oben bereits genannte Kraft von 177 PS schöpft der Koreaner aus 1591 Kubikzentimetern Hubraum. Gleichsam werden ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen 265 Newtonmeter permanent an alle vier Räder geleitet.

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Das Kraftwerk unter der Haube leistet 177 PS, geht damit aber manchmal zu offensiv um.

(Foto: Holger Preiss)

Wie spontan das Triebwerk den Vortrieb in die Wege leitet, hängt zum einen von der Bewegung des Gasfußes des Piloten ab, zum anderen von den gewählten Fahrprogrammen, die da Eco, Comfort und Sport heißen. Dass der Fahrer die Kraft auf diesem Wege steuern kann, ist auch gut so, denn die 177 Pferde können mit den knapp 1,5 Tonnen schon recht lässig umgehen. Wer mit der Sport-Unterstützung nach vorne stürmt, ist in 7,9 Sekunden an der Tempo-100-Marke vorbeigerauscht und darf sich am Ende auf eine Spitzengeschwindigkeit von tatsächlich 205 km/h freuen.

Das ist für ein Fahrzeug im B-Segment schon außergewöhnlich und lässt den einen oder anderen Premium-Fahrer an der Ampel und bei spontanen Überholattacken nicht schlecht gucken. Dem Kona-Fahrer zaubert es hingegen ein breites Grinsen ins Gesicht. Das wird noch breiter, wenn im Kopf der Preisvergleich durchgespielt wird. Für den Kona in seiner potentesten Form und mit Allrad werden in der höchsten Ausstattungslinie 28.900 Euro fällig. Der Premiumkäufer dürfte mindestens 50.000 Euro ausgegeben haben, hat dann aber auch ein größeres Auto.

Manchmal etwas ungestüm

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Der Kona misst 4,17 Meter, wirkt aber größer.

(Foto: Holger Preiss)

Doch zurück zum Kona und seiner kleinen Kampfmaschine unter der Haube. Die macht wie gesagt aus ihrer Potenz keinen Hehl, führt das aber auch tonal aus. Um nämlich in den Battle-Modus zu gehen, muss der Vierzylinder ordentlich ausdrehen. Das macht er vor allem in den Gängen eins bis drei, die für den Sprint recht kurz übersetzt sind. In den Stufen vier bis sieben beruhigt sich der Rabauke dann wieder. Der aufmerksame Leser vermutet richtig, dass hier ein Automat die Schaltarbeit übernimmt. Und der erledigt in Form eines Doppelkupplungsgetriebe aus dem Hause Hyundai seine Arbeit ganz famos. Da ist keine unnötige Pause und auch kein Verzug, wenn es hoch oder wieder runter geht, super!

Im Stadtlauf muss man das Ungestüm des Triebwerks manchmal sogar zügeln. Hier ist es besser, im Eco-Modus zu fahren, um die Schaltzeiten im unteren Drehzahlbereich zu halten. Selbst in Comfort kann es nämlich bei einer zu schnellen Gaspedalbewegung noch recht ruppig werden, weil die Drehzahlen überraschend spontan in die Höhe schnellen. Aber damit lernt der Kona-Fahrer schnell umzugehen. Schwieriger ist es für den Piloten, sich auf die Lenkung einzustellen. Die wünscht man sich bei der spontanen Kraftentfaltung deutlich direkter und mit einer intensiveren Rückmeldung. Gerade bei schnellen Lastwechseln neigt man hier zum Vertun. Das ist insofern schade, als dass auch das Fahrwerk eine klarere Lenkansprache vertragen würde.

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Die stark geprägten Plastikflächen werten den Innenraum ebenso auf wie die farblichen Akzente.

(Foto: Holger Preiss)

Die Koreaner haben den Kona nämlich recht straff abgestimmt, was nicht unkomfortabel ist und auch längere Strecken erträglich macht. Lediglich kurz hintereinander kommende Querfugen sind keine Freunde des Fahrwerks. Durch den mit 2,60 Meter recht kurzen Radstand kommt es hier zu deutlichen Nickbewegungen. Bejahend nicken kann der Fahrer aber auch beim Verbrauch. Hyundai gibt den mit 7,1 Litern auf 100 Kilometer an, erfahren wurden kombiniert 8,8 Liter. Im vermehrten Stadtverkehr mit einem Drittel Autobahnanteil geht es dann auch mal über die 9 Liter. Aber Leistung, Allradantrieb und 18 Zöller mit 235er Pneus fordern wie überall ihren Tribut.

Assistenten und Head-up-Display

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Schöne straffe Sitze, die auch über längere Strecken taugen, und Platz im Fond zeichnen den Hyundai Kona aus.

(Foto: Holger Preiss)

Keinen Tribut fordern die für den Kona angebotenen Assistenzsysteme. Neben einem Müdigkeitswarner gibt es einen autonomen Notbremsassistenten inklusive Fußgängererkennung sowie einen Fernlichtassistenten. Sogar ein aktiver Spurhalteassistent hält den Kona optional auf Kurs. Schade, dass nicht auch noch ein adaptiver Abstandsradar verfügbar ist, dann wäre der Kona tatsächlich ein Segment höher gerutscht. So muss sich der Fahrer mit einem herkömmlichen Tempomat begnügen. Dafür bietet der Kona - und das ist in der Klasse alles andere als Standard - in der Optionsliste auch ein Head-up-Display. Das fährt auf Wunsch aus dem Dashboard aus und versorgt den Fahrer mit der Info über Fahrzeuge im Totenwinkel, die Aktivität des Spurhalteassistenten und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Aber Achtung. Die Infos für letztgenannte Einblendung werden nicht über eine Kamera ausgelesen, sie stammen aus dem Datensatz des Navigationssystems. Insofern empfiehlt es sich, ab und an einen Blick an den Straßenrand zu wagen, wo die entsprechenden Straßenschilder die Geschwindigkeitsbegrenzungen anzeigen.

Doch werfen wir noch mal einen etwas intensiveren Blick in den Innenraum des Kona. Natürlich gibt es wie bei andern Fahrzeugen im B-Segment viel Plastik zu ertasten. Aber die Designer bei Hyundai haben sich hier etwas einfallen lassen. Zum einen wurden farbliche Akzente gesetzt, zum anderen größere Flächen geprägt. Die starke Struktur macht die Plastik nicht weicher, bringt aber eine deutlich andere Anmutung in den Wagen. Hier passt sogar die Multimedia-Einheit, die immer noch an ein Röhrenradio erinnert. Dadurch, dass sie aber im Kona nicht mit glänzendem Klarlack ummäntelt ist, rückt sie weit weniger in den Vordergrund und passt sich eher dezent in ihr Umfeld ein. Zudem lassen sich über den bis zu acht Zoll großen Touchscreen die Audiosysteme, Telefon oder das Navi steuern.

Platz und Konnektivität gibts auch

Für Ordnung und Konnektivität sorgt das Fach für das Smartphone in der Mittelkonsole mit USB-Anschluss, AUX-Ausgang und induktiver Ladefläche. Wer will, kann selbstredend die Multimediaeinheit auch mit seinem iPhone oder Android-Smartphone über Apple CarPlay oder Google Auto verbandeln. Zum Ablegen von Kleinkram gibt es ein recht geräumiges Fach in der Mittelarmlehne, das Handschuhfach und natürlich das Brillenfach im Himmel. Nicht so geräumig fallen die Türinnentaschen aus, die bei Flaschen mit einer Füllmenge ab einem Liter nicht mehr aufnahmebereit sind. Dafür ist das Gefühl, das der Kona Fahrer und Beifahrer vermittelt, ein sehr luftiges für dieses Segment. Selbst in der zweiten Reihe muss man als Erwachsener keine Not leiden.

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Bis zu 1143 Liter Stauraum können im Hyundai Kona geschaffen werden.

(Foto: Holger Preiss)

Ob man die Langdistanz dort zubringen möchte, muss jeder für sich entscheiden. Kinder sollten im Fond aber keine Probleme haben. Es sei denn, die vorderen Plätze des 4,17 Meter langen Fünftürers sind durch sehr große Menschen besetzt und der Nachwuchs muss noch in den Kindersitz. Dann könnten die Füßchen sich mit Nachdruck in die Rückenlehne stemmen. Wer die Urlaubsreise mit den Kids im Kona plant, muss schon etwas logistisches Geschick mitbringen. Das Gepäckabteil fasst bei aufrechter Rückenlehne 361 Liter. Wer zu zweit unterwegs ist kann die Fläche plan machen und sich auf 1143 Liter verteilen.

Natürlich gibt es den Kona und damit alle genannten Feature auch ohne Allradantrieb und 177 PS, sogar als E-Auto mit mehr als 500 Kilometern Reichweite gibt es den Wagen. Wer aber wirklich den Gedanken hegt, auch mal verschlungene Bergstraßen zu erklimmen, Waldwege zu durchstreifen oder einfach nur mal richtig Gas zu geben, der ist mit dem Kona als 1.6 T-GDI Allrad schon sehr gut bedient. Und das im teuersten Fall für 30.940 Euro. Das ist kein Kampfpreis, berücksichtigt man aber alle Beigaben, relativiert sich die Summe unter dem Strich.

Fazit: Wer sich für den Kona 1.6 T-GDI als Allrad und in der Premium-Ausstattung entscheidet, hat ganz bestimmt kein Schnäppchen gemacht. Aber er hat in diesem Segment ein Auto gefunden, das es momentan so bei keinem zweiten Hersteller gibt, sowohl optisch als auch technisch. Insofern ist hier eine Klasse tiefer eigentlich eine Klasse höher. Mit Blick auf das Triebwerk empfiehlt sich aber in jedem Fall eine Probefahrt, denn mit dem Ungestüm muss man als Fahrer unbedingt umgehen wollen. Wer das kann, der wird auch hier seinen Spaß haben.

DATENBLATTHyundai Kona 1,6 T-GDI Allrad, DCT
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,17 / 1,80 / 1,57 m
Radstand2,60 m
Leergewicht (DIN)1574 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen361 / 1143 Liter
MotorVierzylinder mit 1591 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor177 PS (130kW)
KraftstoffartBenzin
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
Tankvolumen50 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)265 Nm bei 1.500-4.500 min
Beschleunigung 0-100 km/h7,9 Sekunden
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)8,4 / 6,2 / 7,1 Liter (NEFZ)
Testverbrauch (kombiniert)8,9 Liter
CO2-Emission kombiniert160 g/km /Euro 6d-Temp
Grundpreis28.900 Euro
Preis des Testwagens30.940 Euro

Quelle: n-tv.de

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