Praxistest

Der kann auch Headbangen Jaguar F-Type - Vierzylinder als Spaßbremse?

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British Racing Green mit beigefarbenen Verdeck steht dem F-Type Cabrio ganz hervorragend.

(Foto: Holger Preiss)

Der F-Type ist zweifelsohne eine Augenweide und mit V6- und V8-Triebwerken ein böses Sportgerät. Alternativ gibt es aber seit einiger Zeit auch einen Vierzylinder im Programm. Doch kann der 'Winzling' mit den tönenden Kraftprotzen mithalten?

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Der mittig platzierte Heckdiffusor mit Klappensteuerung weist den F-Type als Vierzylinder aus.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt Autos, da lohnt es sich schlicht nicht über den Nutzwert zu fabulieren. Dafür leuchten die Augen des Erzählers, wenn er über den Fahrspaß berichten darf. Ein solches Fahrzeug ist das Jaguar F-Type Cabrio. Ja selbst in seiner Einstiegsversion mit dem 2.0 Liter Vierzylinder ist der Brite ein Quell größter Fahrfreude. Dabei haben die Ingenieure den kleinsten Motor im F-Type-Reigen doch deutlich vom V6 und dem brüllenden V8 abgesetzt. Während letztgenannter im potentesten Fall mit 575 PS angreift, bringt es der Sechszylinder in seiner stärksten Form immer noch auf 400 PS. Und der Vierzylinder? Scheint mit seinen 300 Pferden unter der Haube schlicht abgehängt.

Ein echter Quergänger

Aber weit gefehlt. Bereits ab 1500 Kurbelwellenumdrehungen werden hier 400 Newtonmeter zu 100 Prozent an die mit 275er Pneus bezogenen Hinterräder geschickt. Wer die Lenkung gerade stellt kann so ganz famos mit quietschenden Reifen aus dem Startblock schießen oder aber bei leichtem Lenkeinschlag das Hinterteil querkommen lassen. Das passiert mit einer solch unvermittelten Leichtigkeit, dass man schon darauf achten sollte, beide Hände am Volant zu haben. Aber spaßig ist das schon, denn es tut nicht mal Not den Fahrmodischalter für derartige Einlagen auf Dynamik zu stellen. Selbst in der Comfort-Einstellung dreht der P300 hinten freudig aus. Lediglich – und das ist auch gut so – wenn der Schalter auf Regen und Schnee gestellt ist beruhigt sich das Drehmoment der Sicherheitsstufe gehorchend.

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Mit und ohne Dach, sportlicher als den Jaguar F-Type kann man ein Cabrio kaum zeichnen.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich kann, wer die ganz harte Tour mag, auch das ESP deaktivieren, die Drosselklappen per Knopfduck öffnen, die Schaltvorgänge manuell über die großen Wippen am Lenkrad vornehmen und richtig auf Attacke fahren. Das empfiehlt sich nicht zwingend, denn im Dynamik-Modus schaltet die 8-Gang-Quickshift-Automatik von ZF recht knackig auf und ab. Dabei flattern die Klappen in dem mittig angebrachten Endrohr und spratzen lustvoll bei jedem Gangwechsel. Lediglich im Comfort-Modus wird es um den trapezförmigen Diffusor still und selbst bei spontaner Anfrage lassen sich Motor und Getriebe nicht sofort zu einer ebensolchen Reaktion überreden.

Schnell und schön laut

Wer es aber richtig anstellt, der beschleunigt den F-Type P300 in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bereits ab 97 km/h fährt der Heckspoiler aus und sorgt für einen erhöhten Anpressdruck. Das macht Kurvengeschwindigkeiten möglich, von denen andere nur träumen. Entscheidend schneller ist im Anlauf am Ende also nur der V8 SVR. Der ballert die Fuhre in 3,7 Sekunden auf Landstraßentempo. Und ja, in der Endgeschwindigkeit liegt der Achtender mit 314 km/h ganz klar vorn. Der Vierzylinder bringt es aber immer noch auf stattliche 250 km/h, obgleich angemerkt werden muss, dass er bis Tempo 230 geradezu ungestüm vorwärts drängt, ihm dann aber bei den letzten 20 km/h etwas die Puste ausgeht.

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Die Zahlen im Drehzahlmesser sind größer als die im Tacho. Ein Indiz dafür, dass auch beim F-Type P300 auf Drehmoment gesetzt wird.

(Foto: Holger Preiss)

Spielt aber keine Geige, denn da wo der Autor auf freier Strecke unterwegs war, gab es niemanden der schneller war oder sein wollte. Wer sich so in den Geschwindigkeitsrausch katapultiert, darf sich über eine sehr feinnervige Lenkung freuen, ein sportlich straffes, aber nie bösartig hartes Fahrwerk und eine extrem fest zupackende Sportbremsanlage. Wer brutal den Anker wirft, der nickt nicht nur leicht nach vorne, sondern schmeißt den Kopf wie ein Headbanger vor und zurück. Während man die Verzögerung noch mit wirbelndem Kopf bejaht, bleibt der Brite erstaunlich stabil. Kein Zucken, kein Schwimmen, nur die blanke Retardation. Das gibt Sicherheit und macht bis zu einem gewissen Punkt sogar Spaß. Freude bereiten auch die sechsfach elektrisch verstellbaren Sportsitze in die man tief eintaucht und die auch in Kurven richtig gut festhalten.

Kein Kostverächter

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Das F-Type Cabrio erfreut mit Sportsitzen, die auch bei schnellen Kurven ordentlich Halt bieten.

(Foto: Holger Preiss)

Weniger spaßig ist nach einem solchen Exzess der Blick auf den Spritverbrauch. Mit 12,6 Litern gönnt sich der kleine Kraftmeier dann doch ein ordentliches Schlückchen aus dem 63 Liter fassenden Tank. Verhalten gefahren und mit einem erhöhten Stadtverkehr-Anteil sind es immer noch 11,3 Liter. Ein deutlicher Abstand zu dem mit 7,2 Litern angegebenen Wert im Datenblatt. Nun ist der Testwagen aber ein Cabrio und das fährt man in der Regel nicht im Hochgeschwindigkeitsbereich. Obgleich auch das dank des integrierten Windshots durchaus möglich ist. Allerdings überlagern die Windgeräusche dann die Musik der Soundanlage ebenso wie den schon erwähnten kernigen Klang der klappengesteuerten Abgasanlage. Schön ist, dass bei geöffnetem Dach kein Zentimeter des immerhin 207 Liter fassenden Stauraums verloren geht. Nein, Weltreisen sind damit nicht möglich, aber ein Wochenende zu zweit allemal.

Bei den Assistenten zeigt sich der F-Type als Purist. Außer einem Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer gibt es nur noch einen Totwinkelwarner mit Spurkorrektur. Heißt, wer im Übermut überholt und das blinkende Licht im Seitenspiegel ignoriert, wird von der Elektronik sanft aber bestimmt in seine Spur zurückgebracht. Natürlich soll der Parkassistent nicht vergessen werden. Der krankte beim Testwagen allerdings daran, dass er den 4,48 Meter langen Briten immer etwas weit vom Kantstein abstellte. Das war es dann aber auch für 78.892 Euro. Nicht mal ein Notbremsassistent ist an Bord. Dafür gibt es aber andere hübsche Features wie zum Beispiel aus dem Dashboard ausfahrende Lüftungsdüsen, versenkbare Türöffner oder Sitzheizung und -belüftung.

Fazit: Der Jaguar F-Type ist auch als Cabrio einer der schönsten seiner Zunft. Die Proportionen sind so stimmig und dabei so angriffslustig, dass dieses Auto tatsächlich von jeder Seite eine Augenweide ist. Mit dem Vierzylinder haben die Briten versucht, ein Sportgerät zu einem kommoden Einstiegspreis zu schaffen. Wirklich billig ist der P300 mit 66.300 Euro dann aber doch nicht. Wer das Geld ausgibt, darf sich dann aber über ein sehr schickes Auto und jede Menge Fahrspaß freuen.

DATENBLATTJaguar F-Type Cabrio P300
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,48 / 1,86 / 1,31 m
Radstand2,62 m
Leergewicht (DIN)1567 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen207 Liter
MotorReihenvierzylinder mit 1997 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Quickshift-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor300 PS (221 kW) ab 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Tankvolumen63 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)400 Nm / ab 1500 - 4500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,7 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)7,2 Liter (NEFZ)
Testverbrauch (kombiniert)11,3 Liter
CO2-Emission kombiniert163 g/km
Grundpreis66.300 Euro
Preis des Testwagens78.892 Euro

Quelle: n-tv.de

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