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Die Formen des Mazda MX-5 RF gehören zu den schönsten auf dem Markt.
Die Formen des Mazda MX-5 RF gehören zu den schönsten auf dem Markt.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 17. April 2018

Schöner Dauerbrenner im Test: Mazda MX-5 RF - um die Kurve geht er gut

Von Holger Preiss

Der Mazda MX-5 ist seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner. Sein im letzten Jahr eingeführter Bruder der RF läuft ihm optisch jetzt den Rang ab. Einfach schön steht der Japaner mit seinem Hardtop auf der Straße. Aber kann er auch im Alltagsgebrauch überzeugen?

Auch in der Heckansicht besticht der Mazda MX-5 RF.
Auch in der Heckansicht besticht der Mazda MX-5 RF.(Foto: Holger Preiss)

Mit dem MX-5 hat Mazda den dienstältesten und meistverkauften Roadster auf den Straßen dieser Welt. Unbeirrbar haben die Japaner ihren Flitzer über 28 Jahre immer wieder erneuert oder auch bloß in veränderten Spielarten auf den Markt gebracht. Den Fans galt der Roadster mit der Option auf maximale Frischluft immer als preiswerte Alternative zur teuren Premiumkonkurrenz und als Fahrmaschine. Das hat sich bis heute nicht geändert. Doch letztes Jahr setzte Mazda mit dem MX-5 RF noch einen drauf. Mit Hardtop soll er nun auch die überzeugen, die sich aus Angst vor mangelnder Ganzjahrestauglichkeit bis dato einen MX-5 verkniffen haben.

Neben dieser Tatsache muss betont werden, dass der RF ("Retractable Fastback") nicht kühner hätte gezeichnet werden können. Wer vor dem nur 1,23 Meter hohen Zweisitzer steht, ist von den Linien beeindruckt - egal, ob das Dach geschlossen oder offen ist. Allerdings werden auch Erwartungshaltungen bezüglich der Fahrdynamik und der Geschwindigkeit geweckt, die irgendwo jenseits von Tempo 250 liegen.

Bescheidenheit ist eine Zier

Der 1,4-Liter-Skyactive-Motor macht den MX-5 RF mit 131 PS auch bei 1090 Kilogramm nicht zur Rennmaschine.
Der 1,4-Liter-Skyactive-Motor macht den MX-5 RF mit 131 PS auch bei 1090 Kilogramm nicht zur Rennmaschine.(Foto: Holger Preiss)

Wer dann aber einen Blick auf die verfügbaren Motoren wirft, der muss sich eines Besseren belehren lassen. Zwei Leistungsstufen aus dem Skyaktive-Portfolio stehen zur Verfügung. Zum einen werden aus dem 2,0-Liter-Vierzylinder 160 PS und zum anderen aus 1,5 Liter Hubraum 131 PS geschöpft. Und weil Bescheidenheit eine Tugend ist, wurde der RF mit der geringeren Leistung zum n-tv.de-Praxistest gebeten. Immerhin kostet der Testwagen schon über 30.000 Euro und ist damit weit von einem Schnäppchen entfernt. Aber wie dem auch sei: Wer sich einen Mazda MX-5 kauft, egal ob mit weichem oder hartem Dach, muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei um ein pures Spaß-Auto handelt, denn es fehlt eigentlich an allem, was gemeinhin als Komfort angesehen wird: Platz, Stauraum, langstreckentaugliche Sitze, weich geschäumte Plastik für die Armatur, elektrisch anklappende Außenspiegel oder ein in Längsrichtung verstellbares Lenkrad.

Dafür brilliert der MX-5 RF wie sein Bruder mit einer exzellenten Fahrdynamik in engen Kurven. Damit ist auch gleich sein Einsatzgebiet eingegrenzt. Die 150 Newtonmeter maximales Drehmoment, die mithilfe einer manuellen Sechsgangschaltung an die Hinterräder weitergereicht werden, reichen locker aus, um den nur 1090 Kilogramm schweren Roadster quer gehen zu lassen. Verbunden mit einer recht direkten Lenkung kann der wieselflinke Japaner auch schnell wieder eingefangen werden. Auf Serpentinen oder beim zackigen Gang ums Eck kommt hier keine hochmotorisierte Limousine hinterher. Dafür sorgt natürlich auch die ausgezeichnete Gewichtsverteilung und ein Fahrwerk, das bei der Kurvenhatz ebenso unterstützt wie beim Überlaufen von Querfugen. Die dürfen allerdings nicht in kurzer Folge auftreten. Dann nämlich neigt der Mazda zu unangenehmen Nickbewegungen. Müsste man den Spaßfaktor an dieser Stelle auf einer Skala von 1 bis 10 bemessen, würde das Kreuz bei der zweistelligen Zahl stehen.

Kein Rennwagen für die Langstrecke

Der Mazda MX-5 RF hat viel Hardplastik im Interieur.
Der Mazda MX-5 RF hat viel Hardplastik im Interieur.(Foto: Holger Preiss)

Anders zeigt sich der schicke Flitze bei langgestreckten Kurven. Wer die sehr schnell durchfährt, merkt das fehlende Gewicht und fühlt sich nicht mehr ganz so sicher. Auch bei Beschleunigungsfahrten und im leidigen Stop-and-Go des Stadtverkehrs hat der MX-5 RF mit dem kleinen Motor seine Grenzen. Hier wirken die sportlich kurzen Schaltwege wenig präzise und der spontane Vortrieb eher verhalten. Zwar stehen 8,6 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 im Datenblatt und die Endgeschwindigkeit wird mit 203 km/h angegeben, aber der Weg dorthin ist doch recht lang. Dadurch, dass Mazda auf eine Turboaufladung verzichtet, ist die Kraftentfaltung recht linear, aber von Spontanität weit entfernt. Positiv überrascht war der Autor hingegen vom Verbrauch. Im Testverlauf rauchten auch bei vermehrtem Stadtverkehr lediglich 7,0 Liter durch den angenehm brabbelnden Auspuff und über Land waren es lediglich 6,4 Liter, was am Ende zu einem Durchschnittsverbrauch von 6,6 Litern führte.

Was in puncto Komfort für den RF spricht, ist sein Aufbau bei geöffnetem Dach. Durch die wie bei einem Targa stehenden Säulen am Heck werden die Insassen deutlich weniger mit unangenehmen Luftverwirbelungen konfrontiert als beim Roadster mit Stoffdach. Dass der Deckel nur bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h geöffnet werden kann, ist eine zu vernachlässigende Größe, denn der Prozess in beide Richtungen nimmt lediglich 13 Sekunden in Anspruch. Allerdings reicht das Hard-Top nicht aus, um in geschlossenem Zustand wirklich für Ruhe im Fahrzeug zu sorgen. Wind und Motorgeräusche sind bei höheren Geschwindigkeiten deutlich wahrnehmbar, was die Kommunikation nicht wirklich zum Vergnügen macht. Ebenso wenig tragen die lederbezogenen Sportsitze zum freudvollen Langlauf bei. Die Sitzfläche ist einfach einen Tick zu weich geraten. Auch für hochaufgeschossene Zeitgenossen oder etwas ausladende Menschen sind sie keine Wellnessoase.

Verhaltener Platz und wenig Assistenten

127 Liter Kofferraumvolumen reichen ziemlich exakt für ein große Sporttasche.
127 Liter Kofferraumvolumen reichen ziemlich exakt für ein große Sporttasche.(Foto: Holger Preiss)

Dennoch hat Mazda versucht, auf dem kleinen Raum für etwas Komfort zu sorgen. So gibt es neben einem kleinen Staufach zwischen den Sitzlehnen auch zwei Becherhalter. Allerdings muss man schon kurz vor der Kategorie Schlangenmensch sein, um die Getränke aus dem Rückraum Richtung Mund zu bewegen. Ebenso bescheiden ist der Stauraum unter dem Heckdeckel. Lediglich 127 Liter fasst das Gepäckabteil. Wer dort also eine Sporttasche versenkt, hat das Volumen weidlich ausgeschöpft. Vorteil ist aber, dass der Raum sowohl bei offenem als auch geschlossenem Dach zur Verfügung steht.

Auch bei den Assistenten hält sich Mazda beim MX-5 RF zurück. Zum Serienumfang gehören Totwinkelwarner, Spurhaltewarner und Parkpiepser hinten. Das Navi gibt zwar Geschwindigkeitsbegrenzungen aus, die basieren aber nicht auf ausgelesenen Verkehrszeichen, sondern rekrutieren sich aus den hinterlegten Informationen. Hier heißt es also die Augen offen halten. Andernfalls kann eine 30er-Zone schon mal versehentlich mit Tempo 50 durchfahren werden.

Fazit: Der Mazda MX-5 RF ist wohl einer der schönsten Roadster, die momentan auf dem Markt sind. Dank seiner fahrtechnischen Eigenschaften ist er das perfekte Spaß-Auto. Wer also auf der Suche nach einem sportlichen Kurvenräuber ist, kann mit dem Japaner nichts verkehrt machen. Allerdings muss sich der Käufer darüber im Klaren sein, dass seine Alltagstauglichkeit ihre Grenzen hat. Größere Einkaufe oder üppiges Urlaubsgepäck finden in dem flotten Japaner nämlich keinen Platz. Auch der Preis des Testwagens ist mit 30.690 Euro nicht ohne.

DATENBLATTMazda MX-5 RF Skyactive-G 131
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)3,91 / 1,73 / 1,23 m
Radstand2,31 m
Leergewicht (DIN)1090 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen127 Liter
Motor4-Takt Ottomotor SKYACTIV-G mit 1496 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor131 PS (96 kW)
KraftstoffartBenzin
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit203 km/h
Tankvolumen45 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)150 Nm bei 4800 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,6 Sekunden
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)8,1 / 4,9 / 6,1 Liter
Testverbrauch (kombiniert)6,6 Liter
CO2-Emission kombiniert142 g/km /EU6
Grundpreis30.690 Euro
Preis des Testwagens31.590 Euro

Quelle: n-tv.de