Praxistest

Rapid-Nachfolger im Praxistest Skoda Scala - wird er dem Golf gefährlich?

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Mit seinen 4,36 Metern überragt der Skoda Scala sogar den aktuellen Golf als Fünftürer.

(Foto: Holger Preiss)

Der Golf ist im Kompaktsegment noch immer das Maß der Dinge. Mit dem Rapid schien Skoda seinerzeit ein echtes Gegenprojekt auf die Räder gestellt zu haben. Doch es war nicht an dem. Jetzt folgt mit dem Scala der zweite Versuch. n-tv.de hat den neuen im Praxistest unter die Lupe genommen.

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Die weit in die Kofferraumklappe gezogene Heckscheibe des Skoda Scala kostet extra.

(Foto: Holger Preiss)

Bei Skoda kann man sich über die Segmente hinweg nicht über schlechte Absatzzahlen beschweren. Die Tschechen glänzen gerade in Europa mit dem Octavia, haben mit dem Superb ein echtes Premium-Auto zum Kompaktwagen-Preis am Start und auch die SUV Kodiaq und Karoq sind bei den Käufern beliebt. Nur im Kompaktsegment unterhalb des Octavia wollte mit dem Rapid kein wirklich durchschlagender Erfolg aus den Produktionshallen in Mladá Boleslav fahren. Fünf Jahre kämpfte der Rapid um die Gunst der Kunden. Im Dezember 2018 wurde nun der Nachfolger in Form des Scala vorgestellt. Bei der Weltpremiere in Tel Aviv versprach Skoda "einen neuen Maßstab in der Kompaktklasse".

Der weckt Gefühle

Und tatsächlich hat, wer dem Scala in freier Wildbahn begegnet, ein gutes Gefühl. Auf der MQB-A0-Plattform des VW-Konzerns aufbauend misst der Tscheche 4,36 Meter in der Länge - zehn Zentimeter mehr als der aktuelle Golf VII als Viertürer - und steht flach und pfeilförmig auf dem Asphalt. Zur ohnehin scharfen Optik kommen in Serie LED-Leuchten an Front und Heck und 16-Zoll-Räder. Mit Blick auf den Rapid ist der Scala ein gewaltiger dynamischer Sprung nach vorn. Doch weil sich der Scala angesichts der Größe mit dem ewigen Bestseller VW Golf misst, soll der auch bei der Bewertung als Maßstab angelegt werden.

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Tolle Sportsitze in der ersten Reihe - mit nicht so tollen Bezügen.

(Foto: Holger Preiss)

Und da könnte die Liebe, die sich aufbaute, als man den Wagen umschlich, schon etwas erkalten. Im Testwagen rutschte der Autor in optisch ansprechende Sportsitze, deren Bezüge aber so synthetisch sind, dass sie auf der Langstrecke bei entsprechenden Außentemperaturen ein etwas feuchtes Gefühl bei den rückwärtigen Diensten hinterlassen. Hinzu kommt ein nicht gekanntes Raumgefühl. Was das Merkmal aller Skodas ist, schiere Größe, wollte sich in der ersten Reihe des Scala partout nicht einstellen. Das hat mehrere Ursachen: Das Dashboard ist in drei Stufen unterteilt und vermittelt so das Gefühl, als würde es dem Beifahrer gleich auf den Schoß rutschen. Zudem fehlt es an Ablageflächen. 1,5-Liter-PET-Flaschen müssen schon mit etwas Nachdruck in die Türinnentaschen gepresst werden. Das Fach in der Mittelkonsole ist dem induktiv ladenden Smartphone vorbehalten und der Stauraum unter der Mittelarmlehne reicht gerade für zwei Brillenetuis.

Nicht in allen Punkten simply clever

Apropos Mittelarmlehne: Die ist in der Höhe nicht verstellbar, verdeckt aber, wenn sie ganz nach vorne gezogen wird, die Becherhalter und stört dort auch beim Anziehen der mechanischen Handbremse, die im Übrigen in keinem der angebotenen Modelle durch eine elektrische ersetzt werden kann. Das hat zur Folge, dass selbst die Berganfahrhilfe ein Kreuz in der Optionsliste verlangt. Weniger simply clever ist auch der Umstand, dass bei den Lüftungsdüsen auf das Rädchen zum Öffnen und Schließen verzichtet wurde. Diese Funktion übernehmen jetzt die Seitenschieber. Das bedeutet, dass die Luft nur noch in eine Richtung strömen kann. Für Fahrer und Beifahrer bedeutet das, dass ihnen nur noch jeweils eine Düse der Mittelkonsole direkt Kühlung verschafft. Da die aber so tief sitzt, trifft ihr Luftstrahl nicht den Kopf, sondern ziemlich präzise den Hals, was auf Dauer nicht sehr angenehm ist.

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Das 467 Liter Kofferraumvolumen des Skoda Scala sind in diesem Segment eine echte Ansage.

(Foto: Holger Preiss)

Was die Passagiere in der ersten Reihe zu wenig haben, gibt es für die Reisenden in der zweiten Reihe satt: Platz. Hier ist Skoda wieder Skoda. Auch der Kofferraum ist mit 467 Litern eine Ansage. Allerdings ist das der Wert, der im Datenblatt vermerkt ist, denn in der Realität wirkt das Gepäckabteil kleiner. Stehen drei Wasserkästen längs nebeneinander, ist der Raum gut gefüllt. Wer also mehr Platz braucht, muss die Rückenlehne der hinteren Sitzbank umlegen. So stehen dann 1410 Liter Stauraum zur Verfügung. Und hier gibt es wieder etwas echt Cleveres zu verkünden. Skoda hat für die Befestigungsösen der Kindersitze auf der Rückseite der Sitzlehne Haken erfunden, die sich mit einem Klick dort aufsetzen und ebenso schnell entfernen lassen.

Diesel mit richtig guten Verbrauchswerten

Aber wie fährt sich der Scala nun? Wie bei all seinen Fahrzeugen haben sich die Tschechen auch beim Kompakten für ein sehr neutrales Fahrverhalten entschieden. Der Wagen kann, ohne große Sperenzchen zu machen, auch mal scharf ums Eck gejagt werden. Schlaglöcher und Querfugen pumpt er erwartungsgemäß weg und vermittelt so ein recht unaufgeregtes Fahrvergnügen. Lediglich bei längeren Kopfsteinpflasterpassagen wird es etwas dröhnig im Wageninneren. Ein wirkliches Highlight ist der 1,6-Liter-TDI. Mit seinen 115 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern schiebt der Diesel den 1,3 Tonnen schweren Scala absolut souverän an. Zehn Sekunden dauert es, bis Landstraßentempo erreicht ist. Natürlich reichen 115 Pferde nicht aus, um aus Tempo 180 spontan die 200 zu überlaufen. Aber das Tempo ist durchaus möglich, und im Scala wird es dabei nicht mal über Gebühr laut.

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Der 1,6 TDI ist keine Sportskanone, aber ein echter Sparmeister.

(Foto: Holger Preiss)

Viel interessanter als der Vmax ist beim Scala mit dem Diesel aber der Verbrauch. Über Land wurde der Tscheche im Test mit schlanken 4,8 Litern bewegt und im Sturmlauf auf der Autobahn waren es 5,5 Liter, was am Ende einen Schnitt von 5,2 Litern im Drittelmix erbrachte. Das ist ganz großes Kino. Im Test reichten die 50 Liter Tankinhalt für knapp 900 Kilometer. Allerdings sei Interessenten dieser Motorvariante gleich mal das Automatikgetriebe ans Herz gelegt. Nichts gegen den Handschalter, der seine Kraft wie gewohnt über sechs Stufen verteilt, die sich ganz locker durch die Gassen schnippen lassen. Aber wer die Vorzüge der vielen für den Scala verfügbaren Assistenten ausschöpfen möchte und in Stau und Stadt nicht wie beim Sahneschlagen rühren will, sollte mit dem DSG fahren.

Nur mit dem kann zum Beispiel der Abstandstempomat mit Stauassistent nervenschonend genutzt werden. Zwar ist der sechste Gang des Handschalters sehr großzügig übersetzt, aber irgendwann muss der Hebel halt doch bewegt werden. Zudem verlangt das System, wenn die Motordrehzahlen unter 1000 Umdrehungen fallen, dass der Fahrer selbst bremst und natürlich auch schaltet. Das würde beim Automaten definitiv nicht passieren. Ob das DSG aber verhindern kann, dass nach 1000 Metern Geradeauslauf die piepende Aufforderung kommt, man möge die Lenkung übernehmen, selbst wenn beide Hände am Volant sind, kann hier nicht gesagt werden.

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An seinem Arbeitsplatz findet der Fahrer im Skoda Scala alles, was er braucht. Nur mit dem Raumgefühl will es nicht so richtig klappen.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich kostet so ein DSG extra. Für den Diesel sind es 1800 Euro mehr, die da auf die 21.500 Euro der Grundausstattung aufgeschlagen werden. Das heißt, wir sind hier bereits bei einem Einstiegspreis von 23.300 Euro. Klar gibt's den Scala auch für 17.350 Euro. Dann sitzt aber unter der Haube lediglich ein Dreizylinder mit 95 PS und ein fünfstufiges manuelles Getriebe. Auch so nette Zutaten wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Parksensoren, Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, elektrische Heckklappe, Multifunktionslenkrad oder elektrisch anklappbare Außenspiegel sind erst in der nächsthöheren Ausstattungsklasse ab 20.200 Euro erhältlich. Der Test-Diesel bringt es am Ende immerhin auf einen Preis von 31.140 Euro. Das ist eine Stange Geld, aber angesichts der Tatsache, dass der VW Golf als 1,6 TDI mit manuellem Fünfganggetriebe blank schon 26.345 Euro kostet, wird der Scala einmal mehr attraktiv.

Hier geht alles über Bluetooth

Zumal der Scala ein Feature hat, das von vielen immer gewünscht wurde: Hier kann nämlich das Smartphone (vorerst nur das iPhone) über Bluetooth auf dem TFT, der über der Mittelkonsole thront, gespiegelt werden. Es muss also kein Navigationssystem des Herstellers gekauft werden. Vielmehr können Navi-Daten in Form von Google Maps, Apple Karten oder Waze ganz ohne Kabel, einfach auf den Monitor übertragen werden. Aber damit nicht genug: auch Spotify, SMS-Nachrichten oder die n-tv.de-App werden auf dem TFT gespiegelt, sobald der Fahrer den Scala besteigt. Wer das Infotainmentsystem Bolero hat - ab Ausstattung Style Serie, sonst 440 Euro extra -, der kann auf dieses Feature zugreifen. Und keine Angst, der Monitor mit einer Bilddiagonale von acht Zoll ist ausreichend groß. Und noch etwas: Natürlich kann auch der Scala bei entsprechendem Vertrag zum fahrenden Hotspot gemacht werden. Allerdings sollten Reisende Ladekabel mit einem USB-C-Anschluss mitführen, denn die vier Anschlussstellen im Scala weisen genau dieses Format auf.

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Dass der Skoda Scala ein dynamischer Bursche ist, zeigt sich auch in der Silhouette.

(Foto: Holger Preiss)

Fazit: Der Skoda Scala ist ein optisch absolut gelungenes Auto, das auch fahrtechnisch und vor allem mit dem 1,6-Liter-Diesel überzeugt. Schade ist, dass der Wagen das, was er an Größe auf die Straße bringt, für die erste Reihe nicht in Raumgefühl umsetzen kann und das Sparmaßnahmen die vernünftige Belüftung der Passagiere verhindern. Mit Blick auf den Endpreis ist der Tscheche für preisbewusste Fahrer aber durchaus eine Alternative zum VW Golf.

DATENBLATTSkoda Scala 1.6 TDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,36 m/ 1,79 m/ 1,47 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1324 kg
Anhängelast (gebremst - 12%)1250 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumR4-Turbodieselmotor mit 1598 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang Handschalter
Leistung115 PS (85 kW) ab 3250 U/min
KraftstoffartDiesel
Kofferraum467 - 1410 Liter
Höchstgeschwindigkeit201 km/h
max. Drehmoment250 Nm bei 1500 - 3250 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Normverbrauch (kombiniert) NEFZ4,2 l
Testverbrauch5,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch nach NEFZ)
108 g/km
Grundpreis21.500 Euro
Preis des Testwagens31.140 Euro

Quelle: n-tv.de

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