Praxistest

Vorerfüllte Selbstbeschränkung Volvo XC40 D3 - Schwede mit Antrittsschwäche

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Der Volvo XC40 gehört in seiner Zunft schon zu den schicken Kerlen.

(Foto: Holger Preiss)

Mit dem XC40 hat Volvo Neuland betreten und ein schickes Lifestyle-SUV auf die Räder gestellt, das vor allem Mercedes GLA und BMW X2 in die Seite fahren könnte. Ob das allerdings auch der Diesel mit 150 PS schafft, sollte der n-tv.de Praxistest zeigen.

Dass Volvo seit seiner Thors-Hammer-Design-Philosophie noch schönere Autos baut, steht eigentlich außer Frage. Ja, auch das ist Geschmacksache, aber dass die Fahrzeuge der Schweden hässlich wären, kann wohl keiner behaupten. Das gilt auch für den XC40, das kleine Lifestyle-SUV, das bei n-tv.de jüngst zum Test vorfahren durfte. Mit einer Länge von 4,42 Metern ist der XC40 in jedem Fall eine Alternative zum Audi Q3, Mercedes GLA oder zum BMW X2.

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Wer will, kann beim XC40 D3 AWD bis zu zwei Tonnen an den Haken nehmen.

(Foto: Holger Preiss)

Was den Platz im Innenraum betrifft, hat der Schwede hier schon mal gewonnen. Gefühlt bietet er das luftigste Ambiente auf allen Plätzen und das pfiffigste Angebot, was den Stauraum für Kleinigkeiten betrifft. Da sind neben dem Hauptfach in der Mittelkonsole weitere Ablagen, eine davon für 450 Euro extra mit einem induktiven Ladefeld für das Smartphone. Die Seitentaschen in den Türen sind ausreichend groß für PET-Flaschen bis 1,5 Liter und die Brille findet ihre Aufnahme auf Wunsch im Dachhimmel.

Aufgeräumter Arbeitsplatz

Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt. Da es nur wenige Knöpfe gibt, sucht man nicht lange nach dem richtigen und die, die da sind, am Lenkrad oder unterhalb des vertikal ausgerichteten Touchscreens in der Mittelkonsole, sind leicht zu erreichen und bieten sehr angenehme Druckpunkte. Digital präsentiert sich auch das Hauptdisplay mit allen Informationen, die man analog gewohnt ist und die der Pilot benötigt. Dabei wirkt nichts überladen und auf unnötige Spielerein hat Volvo ebenfalls verzichtet.

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Der Arbeitsplatz des Fahrers ist aufgeräumt, alle Funktionstasten und der TFT in der Mittelkonsole sind gut erreichbar.

(Foto: Holger Preiss)

Gleiches gilt für den Screen in der Mittelkonsole, dessen Bedienkonzept dem eines Tablets folgt und damit recht schnell zu erlernen ist. Wisch nach rechts und man bekommt Zugriff auf die Assistenzsysteme wie Park-Pilot mit Rückfahrkamera für zusätzlich 650 Euro. Für weitere 1600 Euro lassen sich Stauassistent, Abstandstempomat und Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, Querverkehrswarner und Heckaufprallabschwächung erkaufen. Wischt man aus der Home-Stellung nach links, bekommt man Zugriff auf die Einstellungen für Radio, Bluetooth, Telefon und eine Reihe von Apps, die im System hinterlegt sind.

Tolle Verarbeitung

Das alles korrespondiert ganz famos mit der wirklich ausgezeichneten Verarbeitung des Schweden, den straffen, aber am Ende auch auf Langstrecken nicht unbequemen Sitzen oder dem 460 Liter fassenden Kofferraum, der für weitere 1050 Euro einen faltbaren Laderaumboden, eine elektrische Heckklappe, elektrisch umlegbare Rücksitzlehnen, eine 12-Volt-Steckdose im Gepäckabteil und ein zusätzliches Staufach unter dem Fahrersitz bekommt.

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Die Sitze im Volvo XC40 sind straff, aber nicht unbequem.

(Foto: Holger Preiss)

So gerüstet sollte es eigentlich kein Problem sein, die Urlaubs- oder Dienstreise anzutreten. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und den wirft im Falle des Testwagens das Triebwerk. Vorgefahren ist der XC40 als D3 AWD, also mit einem Vierzylinder-Diesel, der aus 1969 Kubikzentimetern Hubraum 150 PS generiert und ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter an alle vier Räder verteilt. Nun, wird der Kenner sagen, das sind inzwischen markenübergreifend gängige Parameter. Stimmt! Dennoch kann sich das ganz unterschiedlich anfühlen und im Falle des Schweden eben nicht so gut.

Alles andere als ein Rennwagen

Dass man bei 150 Pferden unter der Haube kein Rennwagen erwarten darf, ist klar, aber ein anderes Ansprechverhalten als das, was der D3 liefert, sollte schon drin sein. Wer hier flott von der Kreuzung starten möchte, sollte sich den spontanen Kickdown gleich mal klemmen. Da kommt nämlich erst mal nichts und dann wird ruppig angeruckt, wobei hier nicht das Gefühl vorherrscht, dass die 320 Newtonmeter beim Antritt helfen. Vielmehr bleibt nach 10,4 Sekunden, die es braucht, bis Tempo 100 erreicht ist, das Gefühl, dass hier weder die Pferdestärken noch das Drehmoment, die das Datenblatt ausweist, vorgehalten werden können.

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Der XC40 gehört in seinem Segment zu den geräumigsten Fahrzeugen.

(Foto: Holger Preiss)

Und das setzt sich fort. Wer einen spontanen Leistungsabruf verlangt, weil er auf der Landstraße oder Autobahn überholen will, sieht sich mit einem deutlichen Gummibandeffekt des Achtgang-Automatikgetriebes konfrontiert. Und auch hier will nicht der Eindruck entstehen, dass die 1,8 Tonnen souverän angeschoben werden. Dem kann auch weder technisch (mit einem Fahrmodischalter) oder manuell (durch Schaltwippen) entgegengewirkt werden. Klar, man kann über den Schalthebel versuchen, die Gangfolge etwas freudvoller zu gestalten, aber so richtig überzeugend ist auch das nicht.

Der gibt Laut

Volvo hat den D3 im Datenblatt übrigens mit einer Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h angegeben. Augenscheinlich greift hier aber schon die kommende Selbstbeschränkung von Tempo 180, denn die Endgeschwindigkeit ist nur, wie sagt man so schön, bergab, mit Rückenwind und Kneipe in Sicht zu erreichen. Und noch etwas ist bei diesem Tempoexzess zu erfahren: Während sich der XC40 bis 120 km/h flüsterleise bewegt, fangen jetzt die 235er Gummis auf den 19-Zoll-Felgen an deutlich Ton zu geben. Ab 140 km/h wird der Diesel hörbar und ab Tempo 160 gibt es Windgeräusche, die nur noch zu übertönen sind, wenn man die wirklich gute Anlage von Harman Kardon ordentlich aufdreht. Das ist schade, denn eine Reisegeschwindigkeit von 160 km/h sollte für ein SUV dieser Preisklasse schon ohne lästige Nebengeräusche möglich sein.

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Den faltbaren Ladeboden gibt es zwar nicht in Serie, aber diese Anschaffung lohnt sich für den Volvo XC40.

(Foto: Holger Preiss)

Auch der Verbrauch des Euro 6d-Temp-Diesels entschädigt am Ende nicht wirklich. Wer schneller unterwegs ist, muss mit einem Verbrauch von im Test erfahrenen 8,9 Litern leben. Wer es ruhiger angehen lässt, sieht immer noch 7,2 Liter aus dem Endrohr rauchen. Angegeben ist der Volvo XC40 D3 AWD nach WLTP mit einem kombinierten Verbrauch von 6,4 Litern. Werfen wir noch einen Blick auf das Fahrwerk. Serienmäßig fährt der XC40 mit einem Dynamik-Fahrwerk vor. Angesichts der oben beschriebenen Leistungsentfaltung reicht das auch völlig aus, das optionale Sportfahrwerk braucht es hier definitiv nicht. Die Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven ist zu vernachlässigen, denn der Wagen wird nicht ansatzweise aufsässig dabei. Schnelle Lastwechsel sind bauartbedingt ohnehin zu vermeiden und dass harte Querfugen hörbar sind, spielt keine Rolle für den Fahrkomfort. Richtig gut überläuft der XC40 aber Kopfsteinpflaster. Das filtert er besser als die am Anfang aufgezählte Konkurrenz.

Fazit: Der Volvo XC40 ist ein wunderschönes SUV mit reichlich Platz und einer ganzen Palette an Sicherheits-Features. Verarbeitung und Fahrwerkskomfort sind dort angesiedelt, wo sich Volvo gerne sieht: im Premium-Segment. Der 150 PS Diesel hingegen kann diesen Anspruch nicht erfüllen. Hier sollten Interessenten durchaus eine Probefahrt mit dem D4, der als Top-Diesel mit 190 PS firmiert, riskieren oder sich in einen der drei Benziner setzen, deren Leistungsband von 156 PS bis 247 PS reicht.

DATENBLATTVolvo XC40 D3 AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,42 / 1,86 / 1,65 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1803 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen460 /1336 Liter
MotorReihenvierzylnder mit 1969 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor110 kW/ 150 PS bei 37500/min
max. Drehmoment (Systemleistung)320 Nm bei 1750 - 3000 U/min
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Tankvolumen54 Liter
KraftstoffartDiesel
Beschleunigung 0-100 km/h4,9 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)6,4 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert)7,8 Liter
CO2-Emission kombiniert168  g/km /Euro 6d-Temp (WLTP)
Grundpreis40.750 Euro
Preis des Testwagens55.740 Euro

Quelle: n-tv.de

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