Praxistest

Knackiges Sport-SUV? BMW X2 - der Kleine zwischen den Großen

DSC_1075.jpg

Der BMW X2 soll für jeden etwas bieten, scheint sich dabei aber ein wenig zu übernehmen.

(Foto: Holger Preiss)

Da im Zahlenkreis der X-Reihe von BMW noch Platz war, setzten die Münchner an die fehlende Stelle einen X2. Kleiner als die Nummer 1, dafür aber deutlich dynamischer präsentiert sich der Bayer. Jetzt hat er es bis nach Berlin zum Praxistest geschafft und überrascht in einigen Details.

DSC_0998.jpg

Mit dem M-Paket mach der BMW X2 schon eine stattliche Figur.

(Foto: Holger Preiss)

In seiner X-Reihe hat BMW die Zahlen von 1 bis 7 besetzt. Und wer sagt, dass nicht nach der Wuchtbrumme X7 auch noch ein X8 im Coupé-Format kommt? Also geht es zahlenmäßig von klein nach groß. Könnte man meinen, aber mit dem X2 hat sich etwas in die SUV-Phalanx gereiht, das kleiner ist als der X1. Acht Zentimeter fehlen dem X2 bei 4,36 Metern Länge wohlgemerkt an der Nummer 1. Nun wäre das noch gar kein Problem, aber der X2 will einfach alles sein: SUV, Sportwagen, Coupé, Langläufer und Stadtauto. Im Grunde genommen ist er wohl die konsequenteste Form dessen, was die Münchner Sport Activity Vehicle (SAV) nennen. Allerdings wissen wir auch: Manchmal ist weniger mehr.

Wer groß ist, kommt putzig rein

Während der X2 also satt und breitbeinig auf der Straße steht und mit dem M-Paket für eine zusätzlich sportliche Attitüde sorgt, wird es schon beim Besteigen des Multitalents eng. Mit 1,75 Metern mag man die sehr kurze vordere Tür und die damit recht weit nach vorn rückende B-Säule elegant umwinden. Doch bei Menschen jenseits der 1,90 Meter bekommt der Einstieg bereits etwas Putziges.

BMW X2 Innenraum.jpg

Die Sportsitze sind klasse, aber hoch gewachsene Personen dürften sich im X2 etwas beengt fühlen.

(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum setzt sich dieses Gefühl fort. Nun kann man hier auch getrost von sportlicher Enge sprechen, einem Gefühl, dass der Wagen seinen Piloten in die Dynamik einbindet, sich überstreift und anschmiegt wie ein Lederhandschuh. Oder aber man stellt fest, dass es einfach nur eng ist. Die Rundinstrumente, die der Fahrer durch das recht wuchtig wirkende Lenkrad betrachtet, wirken gedrängt, obgleich sie doch genau so auch im X1 zu finden sind. Die gefühlte Enge rührt natürlich auch daher, dass die Frontscheibe sich weiter Richtung Pilot neigt und das Dach dichter über den Köpfen der Insassen schwebt.

Ansonsten ist alles sehr stimmig. Das gesamte Innenleben macht einen wertigen Eindruck, die Regler, Knöpfe und der Drück-Dreh-Steller für die Bedienung der Multimediaeinheit haben feine Rasterpunkte und liegen gut erreichbar an Finger und Hand. Wer will, kann das schnell durchschaute Menü, das in allen Punkten hervorragend funktionierte, auch mit dem Finger am 6,6 oder 8 Zoll großen Display bedienen. Gegen Aufpreis gibt es auch ein Head-up-Display, welches seine Daten groß und in Farbe in die Frontscheibe projizierte.

Mal mehr, mal weniger

Dort ist dann neben den Navi-Daten und Verkehrszeichen auch die Geschwindigkeit abzulesen. Da zum Praxistest der X2 als sDrive 20i antrat, erschien die Zahl 100 nach 7,7 Sekunden und wies darauf hin, dass nunmehr Landstraßentempo erreicht ist. In der Übersetzung heißt das nichts anderes, als dass der Vierzylinder, der 192 PS aus 2,0 Litern Hubraum schöpft und ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern zur Verfügung stellt, alles nach vorne wirft, um den Bayern anzuschieben. Das macht er sogar bei leichtem Druck aufs Gaspedal mit solcher Gewalt, dass die Vorderräder bei jedem Start scharren wie der Stier vor dem Antritt auf den Matador und gleichzeitig die ESP-Lampe blinkt wie die Stroboskoblichter bei einem Techno-Konzert.

DSC_1129.jpg

Der Vierzylinder mit 192 PS ist für den X2 keine schlechte Wahl.

(Foto: Holger Preiss)

Die Folge ist, dass sich die 192 PS beim Antritt nach deutlich mehr anfühlen. Zumal es schlicht nicht notwendig ist, für den Kavalierstart den Fahrmodusschalter auf Sport zu stellen. Das macht der Pilot dann aber automatisch, wenn er aus dem schnellen Lauf die spontane Bereitstellung von Kraftreserven wünscht. Hier hadert der Turbo nämlich einen Augenblick, bis er sich entscheidet, sein Gebläse mal ordentlich zu aktivieren. An dieser Stelle ist man sogar geneigt, an den 192 Pferden zu zweifeln oder wenigstens zu mutmaßen, dass sich 42 der Gäule schlafen gelegt haben. Am Ende rennt die Herde dann aber doch, gepeitscht von der zackig über sieben Stufen automatisch schaltenden Steptronic, mit 227 km/h über die Koppel. Und insgesamt begnügte sich der Bayer dann auch bei allen Fahrten im Schnitt mit 7,7 Liter auf 100 Kilometer. Das ist aber nicht der Datenblattwert, der liegt bei 5,9 Litern.

Spaß mit Schwankungen

Für den Fahrer ist der X2 dennoch ein großer Spaß, denn Fahrwerk und Lenkung sind beim Testwagen aus dem M-Paket, insofern von der Sportabteilung auf maximale Performance getrimmt. Dabei haben die Ingenieure darauf geachtet, dass die hinten sitzenden Insassen wirklich nur bei gemeinen Querfugen behelligt werden und dass die Lenkung spitz wie Nachbars Lumpi ist. Das lässt den X2 dann auch präzise um jede Kehre wischen und vermittelt dem Fahrer ein ungemein gutes Gefühl. Kritisch wird es nur bei kurz aufeinander folgenden Lastwechseln. Hier rächt sich die extreme Feinnervigkeit der Lenkung, denn nun schaukelt der Bayer unvermittelt sein ganzes Gewicht von immerhin 1,5 Tonnen über die Achsen.

DSC_1011.jpg

Den Arbeitsplatz des Fahrers kennt man aus dem X1, nur wirkt im X2 alles etwas gedrängter.

(Foto: Holger Preiss)

Spaßig für die Insassen der ersten Reihe, die in ihren Sportsitzen gut festgehalten werden, nicht ganz so lustig für Mitreisende im Fond. Die sind platztechnisch ohnehin recht limitiert und wenn es dann noch hin und her geht, kann man sich schon mal den Kopf an der C-Säule stoßen. Nun gut, bei aller M-gewollten Sportlichkeit ist der X2 kein Hypercar und will es auch gar nicht sein. Klar kann man hier auch zu viert oder gar zu fünft die Reise antreten. Aber ähnlich wie im 1er macht sich das zu zweit alles besser. Für das Gepäck stehen dann 470 Liter zur Verfügung, was etwas weniger ist als im X1, aber immer noch mehr als im Jaguar E-Pace oder im Mercedes GLA. Wer das Ladeabteil aber in Gänze nutzen will, der muss tief nach unten greifen, denn der doppelte Ladeboden liegt hoch. Mit den im Verhältnis 40:20:40 umlegbaren Rücksitzlehnen lässt sich das Volumen auf 1535 Liter erweitern. Verschieben lassen sich die Sitze in Reihe zwei allerdings nicht.

Eigenwillig bayrisch

Natürlich bietet BMW auch für den X2 eine ganze Reihe von Assistenzsystemen an. Den Spurhalteassistent mit Abstandsradar und Tempomat zum Beispiel. Warum das System aber nur bis zu einer Geschwindigkeit von 140 km/h arbeitet, ist unerklärlich. Bei anderen Herstellern geht es bis Tempo 210 oder wenigstens 160 km/h. Klar könnte man argumentieren, dass das die beste Reisegeschwindigkeit ist und dass man eigentlich auch nicht schneller unterwegs sein muss. In der Praxis auf Autobahnen ist es aber ein denkbar unglückliches Tempo.

DSC_1090.jpg

In der Silhouette zeigt der X2, dass er von allem etwas ist: Coupé, SUV und Hatchback.

(Foto: Holger Preiss)

Auch die Arbeitsweise des Parkassistenten ist ein ganz eigenes BMW-Ding. Wer möchte, dass sich sein X2 selbständig in die Parkbucht schiebt, der muss, wenn das Fahrzeug eingenordet ist, den Finger bis zum Ende des Parkvorgangs auf der entsprechenden Taste lassen. Warum? Nun, die Bayern möchten sicher sein, dass der Pilot auch jetzt noch bei der Sache ist. Doch wie dem auch sei, die Assistenten verrichten ihre Arbeit gut, da muss nicht gemeckert werden.

Meckern kann man am Ende dann aber doch noch über den Preis. Mit 39.200 Euro liegt der X2 sDrive 20i gut 2500 Euro über einem vergleichbaren X1. In beiden Fällen reden wir aber über die mehr oder weniger nackte Basisausstattung mit einfacher Klimaanlage, 17-Zoll-Rädern und dem kleinen Bildschirm über der Mittelkonsole. In der zum Test vorgefahrenen M-Variante ist dann natürlich mehr drin. Dafür klettert der Preis aber auch auf 48.900 Euro, wobei hier Annehmlichkeiten im Wert von 9600 Euro zugebucht wurden. Am Ende sind 50.000 Euro schon ein stattlicher Preis für ein SUV, das sich im Segment der Kompakten bis 4,40 Meter bewegt. Ein voll ausgestatteter Skoda Karoq kostet beispielsweise 10.000 Euro weniger und ist damit auch weit von einem Schnäppchen entfernt. Die Premium-Konkurrenz wie Mercedes GLA, Jaguar E-Pace oder Audi Q3 sind allerdings auch nicht viel billiger.

Fazit: Auch der BMW X2 erfüllt das Versprechen "Freude am Fahren". Allerdings müssen die Insassen sich schon im Platz bescheiden, denn ein Raumwunder ist das sportliche SUV nicht, obgleich er von außen mehr verspricht. Hinzu kommt eine Preispolitik, die den sportlichen Bayern nicht wirklich zu einem Schnäppchen macht. Dafür macht der X2 qualitativ, mit schickem Design und auf dem neuesten technischen Stand im Reigen der Konkurrenz eine echt gute Figur.

DATENBLATTBMW X2 sDrive 20i
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,36/ 1,82/ 1,52 m
Radstand2,67 m
Leergewicht (DIN)1540/1615 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen470 / 1355 Liter
MotorVierzylinder mit 1998 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Automatik
Leistung110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit227 km/h
Tankvolumen51 Liter
max. Drehmoment280 Nm ab 1350 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,7 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,4 / 7,8 / 6,3 l
Testverbrauch7,7 l
EffizienzklasseA / EU6d-Temp
Grundpreis39.200,00 Euro
Preis des Testwagens48.860,00 Euro

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema