Migration

Morgan Stanley vor Gericht Das Erbe des Godfathers

"I feel good", röhrte James Brown einst und verdiente mit dem Song Millionen. Die parkte er bei Morgan Stanley, ließ sich regelmäßig Teile davon auszahlen - bis er vor anderthalb Jahren überraschend starb. Seither streiten die Erben des "Godfather of Soul" um die Kohle, und Morgan Stanley steht vor einer Klage.

Bei der Investmentbank an der Wall Street fühlt man sich nun gar nicht "good" - im Gegenteil. Als hätte das Unternehmen inmitten der Kreditkrise, inmitten von Milliarden-Abschreibungen und einem dicken Verlust im letzten halben Jahr nicht schon genug Ärger, muss man sich jetzt auch noch mit dem Prozess herumschlagen.

Und darum geht es: Die Erben von James Brown verklagen Morgan Stanley, weil die Bank nicht verhindert habe, dass der ehemalige Manager des Sängers, David Cannon, gemeinsam mit zwei weiteren Managern mehrere Millionen Dollar abgehoben und veruntreut hätten. Gegen Cannon und seine Kompagnons klagt man ebenfalls, und zwar auf Rückzahlung und Schadenersatz.

Letztere Klage hat bessere Erfolgsaussichten als der Prozess gegen Morgan Stanley, den man im Management des Finanzriesen für ungerechtfertigt hält. Man habe Dokumente, nach denen Cannon zur Verwaltung der Brown´schen Kohle berechtigt gewesen sei, heißt es. Dass Cannon Millionen abgehoben hat, geht folglich aus Sicht der Bank in Ordnung.

Morgan Stanley hat auch deshalb gute Karten, weil die Brown-Erben wohl kaum glaubwürdig gegen eine Vollmacht von Cannon argumentieren können. Mit der Glaubwürdigkeit ist es allgemein nicht weit her. Denn im Kampf um das Erbe haben sich seit dem Tod des "Godfathers" die wildesten Dinge ereignet. Nicht nur alle möglichen Frauen und Kinder wollten ihren Anteil haben, sondern auch allerhand Kläger, die Ex-Frauen oder Kinder des Sängers gewesen sein wollten.

So zog man alsbald das letzte verfügbare Testament des Sängers zu Rate. Das wurde 2000 aufgesetzt und ist von einem Notar unterzeichnet, der zur Zeit wegen Mordes an einer Strip-Tänzerin für dreißig Jahre im Knast sitzt.

Doch zurück zu Morgan Stanley. Da scheint man zumindest ein kleines bisschen beunruhigt und fragt sich, ob man bei allen Transaktionen die gebotene Sorgfalt geboten hat. Joseph Lizzio, der als Finanzberater für das Vermögen von James Brown zuständig war, erinnert sich an allerhand Fragen, die er Manager Cannon hin und wieder stellte und auf die er nur ausweichende Antworten bekommen habe. Einmal habe er James Brown selbst angerufen, den Sänger aber nicht erreicht. Öfter habe er ihn nicht belästigen wollen - der Banker hatte wohl etwas zuviel Scheu vor dem Star.

Dafür wird man allerdings Morgan Stanley kaum belangen können. Wenn das Unternehmen die Vollmachten für Cannon präsentieren kann, wird man den Prozess wohl überstehen und bald wieder singen: "I feel good!"

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.