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"Schneeballsystem auf höchstem Niveau" Kreditmärkte funken wieder Risiko

Die Erholung an den Kreditmärkten war nur von kurzer Dauer. Schon einen Tag nach der deutlichen Entspannung in Folge des gigantischen Euro-Rettungspakets gerät die Normalisierung an den Märkten ins Stocken.

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(Foto: REUTERS)

Die Risikoaufschläge (Spreads) für Anleihen aus hoch verschuldeten EU-Staaten steigen wieder an.  Für den Index iTraxx Main, der die Ausfallwahrscheinlichkeit auf 125 ausgewählte Unternehmensanleihen guter Bonität darstellt, geht es um 6 Basispunkte hoch auf 107/108 Punkte. Der iTraxx Crossover für die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anleihen im hoch riskanten Bereich steigt hingegen um 14 Zähler auf 509/13 Basispunkte.

Auch die Spreads auf Länderausfallrisiken weiten sich wieder aus. Für den SovX WE, der die Ausfallrisiken auf einen Korb ausgewählter Staatsanleihen aus Westeuropa misst, geht es um 4 Basispunkte auf 126 Punkte nach oben. Kreditanalysten äußern erhebliche Zweifel an dem am Wochenende in Brüssel geschnürten Rettungspaket. Das werde vor allem an der Reaktion des Euro deutlich, der in der Zwischenzeit wieder auf dem Niveau von vor dem Paket notiere.

Paket bringt mehr Risiken statt weniger

Nach Einschätzung von Stefan Kolek von der UniCredit kann das Paket die Schwächen der Eurozone nicht verbergen: hohe Fiskaldefizite, eine steigende öffentliche Verschuldung, geringes wirtschaftliches Wachstum, Mangel an Wettbewerbsfähigkeit in den Peripheriestaaten und ein alternde Bevölkerung. Das Paket erhöhe die Risiken eines weiteren Anstiegs der Schulden, anstatt diese zu senken. Kolek spricht in diesem Zusammenhang vom Risiko eines "Ponzi-Schemas auf höchstem Niveau", also einem Schneeball-System auf höchstem Niveau.

Sehr kritisch äußert sich auch Jochen Felsenheimer von Assenagon Asset Management. Die EZB sei dabei ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Dabei sei die Tatsache, dass die nun begonnenen Ankäufe von Staatsanleihen sterilisiert seien, nur ein geringer Trost. Es bestehe vielmehr die Gefahr, dass die EZB immer stärker in das Länder-Rettungsprogramm hineingezogen werde, und damit die Grenzen zwischen Fiskal- und Monetärpolitik verwischt werden.

Die wieder steigenden Spreads auf Staatsanleihen ließen vermuten, dass es den Länder der Eurozone in Zukunft immer schwerer fallen werde, sich an den Kapitalmärkten zu refinanzieren. Damit werde der Ruf nach der EZB immer lauter werden. "Der Markt wird die EZB nicht mehr in die Freiheit entlassen können", heißt es. Damit zeichne sich auch das Ende der Exit-Strategie der Zentralbank ab.

Quelle: n-tv.de, DJ

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