Importe

Szenarien für Griechenland Wege aus der Schuldenkrise

Greece_Financial_Crisis_DV101.jpg3039762897924038595.jpg

Leugnen hilft als Ausweg höchstens kurzfristig.

(Foto: AP)

Die Euro-Zone lässt Griechenland in der Schuldenkrise nicht hängen - wie die Hilfe aussehen könnte, ist aber offen. Eine Übersicht zu den Möglichkeiten, wie es mit Griechenland weitergehen könnte:

Griechenland schafft es aus eigener Kraft:

Auch wenn offen ist, wie die Euro-Zone Griechenland helfen will, und ob das überhaupt nötig ist, unterstützt sie damit ihr Sorgenkind bereits jetzt: Seitdem klar ist, dass Griechenland nicht fallengelassen wird, sind die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten gesunken, Griechenland kann sich zu günstigeren Konditionen als noch Anfang des Jahres verschulden. "Es ist ein Spiel um Vertrauen", sagt Friedrich Heinemann, Experte beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Der Lackmustest dafür kommt im Frühjahr: Allein im April und Mai muss Griechenland ungefähr 20 Milliarden Euro an den Finanzmärkten aufnehmen, insgesamt sind es 2010 mehr als 50 Milliarden. Wenn diese Anleihen auf den Markt kommen, zeigt sich, ob es genügend Käufer gibt und wie hohe Zinsen sie verlangen. Im Januar stieß Griechenland mit einer fünfjährigen Anleihe auf große Nachfrage - zu einem hohen Zinssatz.

Langfristig ist aber entscheidend, dass es der Regierung in Athen gelingt, ihre Sparpläne umzusetzen und das Haushaltsdefizit zu reduzieren. Allein in diesem Jahr soll der Fehlbetrag um vier Prozentpunkte sinken, von 12,7 Prozent 2009. Erste Streiks gegen die Einschnitte gab es bereits.

Europäische Staatsbanken kaufen griechische Anleihen:

Sollten Kreditinstitute keinen Appetit auf die griechischen Papiere haben, könnten sie von europäischen Staatsbanken gekauft werden. Nach Angaben aus deutschen Koalitionskreisen wird erwogen, die Staatsbank KfW als Vehikel für eine deutsche Hilfsaktion einzusetzen. Doch das ist umstritten. So sprach sich FDP-Finanzexperte Frank Schäffler dagegen aus - das Geld der KfW sei für den deutschen Mittelstand gedacht.

Auch ZEW-Experte Heinemann hält wenig von einem Alleingang der KfW. Einziger Vorteil sei, dass eine derartige Hilfe vergleichsweise schnell organisiert werden könne, sagt er. Den deutschen Steuerzahlern wäre es aber schwer zu verkaufen, warum sie das Risiko auf sich nehmen sollten. Zudem fehlten Deutschland Sanktionsmöglichkeiten, sollte Griechenland von seinem strikten Sparkurs abrücken.

Europa garantiert für Griechenland:

Neben dem Ankauf der Staatsanleihen wird in Berliner Koalitionskreisen über Garantien der KfW gesprochen. Die Staatsbank könnte dabei für die privatwirtschaftlichen Erwerber der griechischen Papiere geradestehen. Es wurde zudem darüber spekuliert, dass die EU-Mitgliedsstaaten eine Schuldengarantie für Griechenland aussprechen könnten. Das verbieten aber die Gesetze der Europäischen Union. Dort heißt es, dass die Union nicht für Verpflichtungen der nationalen Regierungen verantwortlich sein solle, außer bei gemeinsamen Projekten.

Direkte Finanzhilfen Europas:

Die Regelungen im EU-Vertrag dürften auch einem Hilfsfonds entgegenstehen, in den die Regierungen einzahlen. Vergleichsweise einfach wäre es, Mittel aus dem Kohäsionsfonds vorzuziehen, der ärmeren Staaten helfen soll, den wirtschaftlichen Anschluss zu finden. "Das wäre aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Heinemann. Ende Januar beliefen sich die für Griechenland vorgesehenen Mittel in dem Fonds auf 18,07 Milliarden Euro - zu wenig für eine Finanzierung des Haushaltslochs.

Auch ein gemeinsamer Euro-Bonds, an dem Griechenland einen Anteil erhalten könnte, wäre möglich, aber unwahrscheinlich: Als das Thema Anfang 2009 diskutiert wurde, sprachen sich Deutschland, Frankreich und die Niederlande strikt dagegen aus. Noch ist nicht absehbar, ob die gegenwärtige Krise den Widerstand eher erhöht oder vermindert. Deutschland und anderen finanzkräftigen Staaten käme ein derartiger Bond teuer zu stehen: Sie müssten höhere Zinsen für die Gemeinschaftsanleihe zahlen.

Der IWF springt ein:

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist weltweit die erste Anlaufstelle für Staaten in Finanznot - und steht nach Aussage von Vizechef John Lipsky auch im Fall Griechenland für Hilfe bereit. Ein Eingreifen des Fonds ist unter den EU-Staaten jedoch umstritten. Nach Ansicht der Bundesregierung wäre es dem Ansehen der Euro-Zone abträglich, wenn sie ihre Probleme nicht selbst meistern könnte.

Griechenland geht pleite:

Griechenlands Wirtschaftsleistung entspricht gerade einmal 2,6 Prozent des BIP der Euro-Zone. Eine unmittelbare Gefahr für den Euro bestünde daher wohl nicht - wenn eine Staatspleite auf Griechenland beschränkt bliebe. Allerdings haben auch andere Staaten wie Portugal, Spanien oder Irland mit den Folgen der Finanzkrise und großen Haushaltslöchern zu kämpfen. Sollte es zu einer Kettenreaktion kommen, würde das den Euro in seiner Existenz bedrohen.

Wenn Griechenland die Anleihen nicht mehr bedient und die Papiere abgeschrieben werden müssen, könnte das eine Kettenreaktion bei Banken auslösen, sagt Heinemann: "Das wäre dann ein Szenario, wie wir es nach der Lehman-Pleite hatten." Griechenland steht bei seinen Gläubigern mit 302 Milliarden Dollar in der Kreide. Hauptgläubiger sind Banken in Frankreich und der Schweiz, in den Bilanzen deutscher Institute liegen griechische Papiere im Wert von 43 Milliarden Dollar. Dazu kommen Kreditversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps.

Quelle: ntv.de, rts