Infografik

Urlaub in Corona-Zeiten So sieht die Lage in den Reiseländern aus

Der Sommer rückt näher, die Fallzahlen in Europa gehen zurück. Doch noch beeinflusst das Infektionsgeschehen vor Ort die Urlaubspläne von Millionen von Menschen. Wo ist das Ansteckungsrisiko vergleichsweise gering? Die ntv.de Karte zeigt die aktuellen Daten.

Mit mehr als zwei Millionen Infektionsfällen und 177.000 Toten ist Europa nach wie vor die am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Weltregion. Doch in vielen Ländern scheint der Höhepunkt überschritten, und die Sorge vor weiteren schweren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen führt zu immer rascheren Lockerungen der zunächst strikten Corona-Maßnahmen.

In Deutschland weckt das Hoffnungen: Ist der geplante Sommerurlaub am Meer oder in den Bergen inmitten der Corona-Krise vielleicht doch unbeschwert möglich? Wie genau entwickeln sich die Fallzahlen in Europa? Wo lässt sich in den kommenden Monaten ohne Angst vor einer Ansteckung Urlaub machen?

Anhaltspunkte zur Einschätzung der Lage liefert die ntv.de Europakarte mit den aktuellen Daten zur Sieben-Tage-Inzidenz auf nationaler Ebene:

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Die Fahrt in den Sommerurlaub ist mehr als nur Erholung: In vielen Regionen der Europäischen Union und ihrer Nachbarstaaten zählt der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. In einigen sonnenverwöhnten Gegenden sind die zahlungskräftigen Urlauber sogar oft die stärkste, manchmal sogar die einzige größere Einnahmequelle.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle entwickeln damit katastrophale Nebenwirkungen: Sollten die Grenzen aufgrund der Pandemie-Situation geschlossen bleiben, drohen in den europäischen Reiseländern massive Einnahmeausfälle und ein rabenschwarzes Jahr mit steigender Verschuldung, Insolvenzen und regionaler Massenarbeitslosigkeit.

Hinweis: Karten und Infografiken zeigen Daten des Europäischen Seuchenkontrollzentrums ECDC und werden täglich aktualisiert.

Wie sich den offiziellen Meldedaten entnehmen lässt, entwickelt sich die Corona-Lage in Europa regional höchst unterschiedlich: Die Sieben-Tage-Inzidenz auf nationaler Ebene liefert erste Hinweise zur Situation vor Ort. Erfasst werden dabei jeweils die gemeldeten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Voll im grünen Bereich leuchten dabei beliebte Urlaubsländer wie Griechenland, Slowenien und Kroatien auf. In allen drei dieser Mittelmeeranrainer liegt die Inzidenz der aktuellen Fälle unterhalb der Schwelle von 1,0 Fällen je 100.000 Einwohnern.

Grau eingefärbt tauchen alle jene Staaten auf, in denen sich die nationalen Fallzahlen im Bereich von 1,1 bis 24,9 Fällen im Verhältnis zur Bevölkerung bewegen. Damit können sich auch die insgesamt schwer getroffenen Spanier und Italiener Hoffnungen auf eine doch noch anlaufende Urlaubssaison machen: In beiden Staaten hält sich das relative Fallaufkommen rein rechnerisch deutlich unter 10 Fällen je 100.000 Einwohnern.

Die Farbgebung dieser ntv.de Karte orientiert sich an der in Deutschland geltenden Obergrenze: Als erfolgreich eingedämmt und unter Kontrolle gilt das Infektionsgeschehen demnach in all jenen Regionen, in denen die Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage in der Summe nicht über 50 Ansteckungsfälle je 100.000 Einwohnern steigt. Länder, in denen diese Kennziffer den Schwellenwert von 25 überschreitet, erscheinen in Dunkelgrau.

Ab der Warnschwelle von 35 aktuellen Neuinfektionen wechselt die Signalfarbe zu Orange. Rot markiert werden jene Staaten, in denen die Fallzahlen auf nationaler Ebene die kritische Marke von 50 Neuinfektionen im Sieben-Tage-Zeitraum je 100.000 Einwohner übersteigt. Europaweit ist davon aktuell lediglich Weißrussland betroffen, das als autoritär regierter Binnenstaat ohnehin kaum Auslandstouristen anzieht.

Wichtig: Unabhängig von den Kennziffern auf nationaler Ebene können einzelne Gebiete jederzeit ein lokal höheres Fallaufkommen aufweisen. Maßgeblich für die Reiseplanung sind damit vor allem die Angaben der Gesundheitsbehörden vor Ort sowie die Einschätzungen offizieller Stelle, wie etwa aus dem Auswärtigen Amt, oder aus den Reiseländern selbst wie hier zum Beispiel aus Italien und Österreich.

In der Alpenrepublik haben die Hotels seit Mitte Mai wieder geöffnet, kulturelle Veranstaltungen mit bis zu hundert Menschen sind wieder erlaubt. Auch die städtischen Museen in Wien öffnen nach Angaben der Nachrichtenagentur APA wieder ihre Tore. Ende Mai verkündete die Regierung Österreichs zudem weitere Lockerungen. Demnach entfällt ab dem 15. Juni die Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit weitgehend; die Sperrstunde in der Gastronomie wird auf 1.00 Uhr ausgeweitet und die Begrenzung auf vier Personen pro Tisch aufgehoben.

In Italien bleiben die allgemeinen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle laut aktuellem Stand noch bis mindestens Mitte Juni in Kraft. Hotels, Geschäfte, Strände und Museen sind jedoch bereits geöffnet. Allerdings gilt weiterhin das Distanzgebot von mindestens einem Meter Abstand. Ab 3. Juni können Urlauber aus allen EU-Staaten sowie aus Großbritannien in Italien einreisen. Die Beschränkungen im regionalen Verkehr werden aufgehoben. Abhängig von "epidemiologischen Situation" könnten jedoch für einzelne Gebiete neue Auflagen verhängt werden, heißt es.

Italien und andere Reiseländer werben in Deutschland intensiv um Touristen. In Deutschland gilt bislang jedoch noch eine Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen. Diese könnte nach bisherigen Überlegungen am 15. Juni enden.

Spanien will Anfang Juni in weiteren Regionen unter Auflagen den Besuch von Schwimmbädern und Stränden sowie von Einkaufszentren zulassen. Kinos, Theater und Vortragssäle dürfen ebenfalls wieder öffnen, aber nur für ein deutlich begrenztes Publikum. Auch Restaurants dürfen ihre Innenräume wieder für eine beschränkte Anzahl von Gästen öffnen.

In Frankreich treten dann ebenfalls weitere Lockerungen in Kraft. Das Pariser Edel-Kaufhaus Galeries Lafayette konnte bereits am Wochenende erstmals seit Wochen wieder für Besucher öffnen: Die Polizeipräfektur der französischen Hauptstadt machte dafür zuletzt den Weg frei. Voraussetzung war ein striktes Hygiene-Konzept.

Quelle: ntv.de