Wie Verantwortung wirkt

Projekt startet mit "The Line" Die autofreie Mega-City am Roten Meer

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"The Line" ist Teil des Projekts der riesigen Smart City Neom.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Eine Stadt, größer als Mecklenburg-Vorpommern: 2024 sollen schon die ersten Menschen die erste autofreie Stadt Neom am Roten Meer bewohnen. Sie soll sich über drei Länder - Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien - erstrecken.

Fußgängerfreundlich, naturnah und ohne Autos: Die neue Mega-City Neom wird das Ergebnis eines 500 Milliarden Dollar schweren Projekts sein, das die saudi-arabische Herrscherfamilie ins Leben gerufen hat. Die neue Stadt soll im Nordwesten des Landes an den Grenzen zu Ägypten und Israel entstehen und sich über eine circa 26.500 Quadratkilometer große Fläche erstrecken. Sie ist Teil der Zukunftsvision 2030. Finanziert wird das Projekt mit dem saudischen Staatsfonds PIF.

Die ersten Bauarbeiten am Herzstück namens "The Line", einer 170 Kilometer langen Aneinanderreihung verschiedener Kommunen, haben bereits begonnen. Bis 2024 ist die Besiedlung der Stadt mit Einwohnern und Touristen geplant. 380.000 neue Jobs sollen entstehen. Im Jahr 2030 sollen bereits eine Million Menschen in "The Line" wohnen und fünf Millionen Touristen dort eine gute Zeit haben.

"The Line" - futuristisch, aber dennoch umweltfreundlich

In der neuen Smart City "The Line" sollen Arbeit, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen oder Gesundheitseinrichtungen in den jeweiligen Kommunen in nur fünf Minuten fußläufig erreichbar sein. Straßen und Autos sind in hier nicht vorgesehen. Für weitere Wege wird es stattdessen ein unterirdisches Verkehrsnetz zur Nutzung öffentlicher Hochgeschwindigkeits-Transportmittel geben, die sich perspektivisch sogar autonom ohne Fahrer fortbewegen sollen. Fahrgäste, aber auch Waren sollen so binnen weniger Minuten ans Ziel gelangen. Um unabhängiger vom Erdöl zu werden und CO2 zu sparen, werden zur Energieversorgung ausschließlich erneuerbare Energien aus Solartechnologie und Windkraftanlagen eingesetzt. 95 Prozent der Fläche von "The Line" steht außerdem unter Naturschutz. Auch die Nahrungsmittelproduktion soll komplett nachhaltig ablaufen.

Das Projekt Neom soll allerdings auch zeigen, dass Umweltbewusstsein und futuristische Technologien sich nicht gegenseitig ausschließen. Daher werden in "The Line" alle Unternehmen mithilfe von Robotik und Künstlicher Intelligenz miteinander vernetzt sein. Über 90 Prozent der Daten in Neom werden anschließend gesammelt und analysiert, damit die Dienstleistungen und die Infrastruktur für die Bewohner ständig verbessert werden können.

Ab 2025 wird die Stadt außerdem eine eigene Wirtschaftszone erhalten, die auch die Etablierung eigener, liberaler Gesetze und Steuern möglich macht. Somit könnte es dazu kommen, dass Frauen sich in Neom nicht mehr verschleiern müssen oder auch Alkohol verkauft und konsumiert werden darf. Mit diesen westlichen Freiheiten und dem Bau von 50 Luxus-Resorts an den Sandstränden will man auch Touristen in die Region locken. Weiterhin sollen 50 künstliche Inseln am Roten Meer entstehen, die der lebendigen Unterwasserwelt allerdings nicht schaden.

Umstrittenes Mega-Projekt

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Ganz ohne Kritik kommt Neom jedoch nicht davon. Die am südlichen Eingang zum Golf von Akaba liegenden Inseln Tiran und Sanafir gehören eigentlich zu Ägypten. 2018 drang die Einbeziehung der Inseln in das Projekt an die Öffentlichkeit und löste eine Welle der Empörung bei den Ägyptern aus, die daraufhin lautstark protestierten. Im Jahr 2016 stimmten die Inseln allerdings bereits einer Kontrollübernahme durch Saudi-Arabien zu, sodass sie dennoch in Neom integriert werden können.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die zwangsweise Umsiedlung der bisherigen Bewohner der Wüstenregion, in der Neom zukünftig entstehen soll. Dies betrifft 20.000 Mitglieder des indigenen Stammes der Howeitat, die ihre Dörfer und damit ihre Heimat verlassen müssen. Wer sich wehrt, muss mitunter um sein Leben fürchten, wie der Fall eines Protestierenden gezeigt hat. Der Mann wurde kurzerhand zum Terroristen erklärt und von einer saudischen Spezialeinheit getötet. Neom wird daher von manchen Menschen auch "blutiger Traum" genannt.

Quelle: ntv.de, imi

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