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Kultbuch "Die Wolke" Autorin Gudrun Pausewang ist tot

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Gudrun Pausewang positionierte sich in ihren Büchern auch politisch.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Ihr Buch über einen Reaktorunfall in einem deutschen Atomkraftwerk schaffte es in viele Kinder- und Klassenzimmer. Jetzt ist die Autorin Gudrun Pausewang im Alter von 91 Jahren gestorben.

Die Schriftstellerin Gudrun Pausewang ist tot. Sie starb am Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren in der Nähe von Bamberg. Das teilte ihr Sohn mit. Pausewang wurde vor allem durch ihre Kinder- und Jugendbücher bekannt, wie "Die letzten Kinder von Schewenborn" aus dem Jahr 1983 oder "Die Wolke" aus dem Jahr 1987. Das Buch über einen fiktiven Atomreaktorunfall wurde ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum Bestseller und avancierte zur Lektüre in vielen Schulen. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde es verkauft und in 16 Sprachen übersetzt. Das Buch, das vor den Gefahren der Atomenergie warnt und 2006 fürs Kino verfilmt wurde, traf in den 80er Jahren den Nerv der Zeit. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das Thema wieder aktuell - und Pausewang war wieder eine gefragte Gesprächspartnerin.

Pausewang wurde am 3. März 1928 in dem böhmischen Dorf Mladkov (Wichstadtl) geboren. Aufgewachsen in kargen Verhältnissen als ältestes von sechs Kindern, lernte sie die Welt nur über Bücher kennen. "Aber ich wusste schnell, dass nicht alle Probleme in einem Happy End aufgehen, dass nicht immer Gut gewinnt und Böse verliert", sagte sie einmal. Sie fühlte sich als junge Leserin nicht ernst genommen - und wollte es später selbst besser machen. "Ich wollte früh Geschichten-Erfinderin werden."

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges flüchtete die Familie nach Deutschland. Pausewang machte in Wiesbaden Abitur und wurde Lehrerin. Danach arbeitete sie unter anderem an deutschen Schulen in Südamerika. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1972 ließ sie sich im hessischen Schlitz nieder, wo sie mehr als 35 Jahre wohnte. Dort unterrichtete sie Grundschüler. Seit einem Sturz im Jahr 2016 wohnte Pausewang in der Nähe ihres Sohnes in einem Seniorenheim. Bis ins Rentenalter war sie als Schriftstellerin tätig. "Die Schriftstellerei ist kein Job, sondern eine Leidenschaft", sagte sie 2013 in einem Interview.

Nach eigenen Angaben schrieb Pausewang mehr als 100 Bücher, knapp fünf Millionen Exemplare wurden verkauft. In ihrem letzten Buch ("So war es, als ich klein war") hielt sie 2016 ihre Kindheitserinnerungen fest. Pausewang erhielt für ihr Schaffen zahlreiche Preise, unter anderem den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk. Vier Hauptthemen waren für sie prägend, sagte sie einst: "Krieg und Frieden", "die Armut in Südamerika", "Schutz der Umwelt" und "Nie mehr Nationalsozialismus". Über die NS-Epoche sagte Pausewang: "Ich bin noch Zeitzeuge. Mein Vater war ein überzeugter Nazi und ich wurde zum kleinen Nazi erzogen."

Quelle: ntv.de, ftü/dpa