Besonderheit im ErbrechtErbt Nick Reiner auch bei einer Verurteilung Millionen?

Nick Reiner soll seinen berühmten Vater Rob Reiner und dessen Frau Michele ermordet haben. Trotzdem ist es nicht ausgeschlossen, dass er seinen Anteil am 196-Millionen-Dollar-Vermögen der Eltern erbt. Experten verweisen auf eine Besonderheit im kalifornischen Erbrecht.
Nick Reiner, Sohn von Hollywood-Regisseur Rob Reiner und seiner Ehefrau Michele, steht unter Verdacht, im Dezember vergangenen Jahres seine Eltern im Schlaf getötet zu haben. Aktuell wird ihm in Los Angeles der Prozess gemacht. Am Montag plädierte der 32-Jährige, der eine Vorgeschichte mit Drogenmissbrauch, Schizophrenie und weiteren psychischen Erkrankungen hat, auf nicht schuldig. Wie nun die Zeitung "The Sun" berichtet, könnte Nick Reiner vom Erbe der Eltern selbst dann profitieren, wenn er verurteilt wird.
Das Vermögen der Familie Reiner wird auf rund 196 Millionen Dollar geschätzt. Nach Einschätzung von Erbrechtsexperten könnte Nick Reiner seinen Anteil daran tatsächlich ausgezahlt bekommen. Grund dafür ist eine Besonderheit im kalifornischen Erbrecht. Zwar sieht die sogenannte "Slayer Rule" vor, dass jemand nicht von einer Person erben darf, die er ermordet hat. Doch diese Regel greift nicht, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat als rechtlich unzurechnungsfähig gilt.
Sogenannte "Slayer Rule" eng gefasst
Erbrechtsexperte John Hilbert von der Kanzlei Heir Hunters International in Los Angeles erklärt im Gespräch mit "The Sun": "Die Slayer Rule ist enger gefasst, als die meisten Menschen annehmen. Sie greift nur, wenn ein Nachlassgericht feststellt, dass die Tötung sowohl vorsätzlich als auch strafbar war." Eine strafrechtliche Verurteilung allein sei demnach nicht ausschlaggebend - denn Nachlassgerichte arbeiteten unabhängig von Strafgerichten und wendeten andere rechtliche Maßstäbe an.
Als Präzedenzfall verweist Hilbert auf den Fall "Estate of Ladd": Die Mutter Gloria Ladd tötete 1979 ihre beiden Teenager-Söhne, wurde wegen Mordes ersten Grades verurteilt - und gleichzeitig für rechtlich unzurechnungsfähig erklärt. Das California Court of Appeal entschied daraufhin, dass Ladd nicht über den erforderlichen Vorsatz verfügt habe, weshalb die Slayer Rule nicht anwendbar sei. Hilbert sagt: "Das Gericht war eindeutig: Das Gesetz soll nicht über seinen genauen Wortlaut hinaus ausgedehnt werden. Eine ähnliche Konstellation ist im Fall Reiner durchaus denkbar."
Psychischer Zustand spielt zentrale Rolle
Als Nick Reiners Anwalt am Montag sein Plädoyer hielt, wirkte der 32-Jährige selbst sichtlich verstört. Er ist wegen zweifachen Mordes ersten Grades angeklagt und könnte bei einer Verurteilung lebenslang in Haft müssen. Sein psychischer Zustand dürfte im weiteren Verfahren also eine zentrale Rolle spielen. Laut mehreren Quellen war bereits vor dem Tod seiner Eltern Schizophrenie bei ihm diagnostiziert worden. Zum Zeitpunkt der Tat soll er sich außerdem mitten in einer Umstellung seiner Medikation befunden haben.
Nick Reiner sitzt seit seiner Verhaftung, die wenige Stunden nach dem Fund der Leichen stattfand, ohne Möglichkeit auf Kaution in Untersuchungshaft. Rob und Michele Reiner wurden in deren 13-Millionen-Dollar-Villa in Brentwood von ihrer Tochter Romy entdeckt, die einen Kontrollbesuch machte. Die Todesursache lautete "multiple scharfe Krafteinwirkungen". Nur Stunden vor ihrem Tod waren die beiden noch gemeinsam mit Nick auf einer Weihnachtsfeier des Comedians Conan O'Brien gesehen worden.