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Mutmaßlicher Mord an ElternKranker Nick Reiner befand sich in "Hochrisiko-Phase"

16.01.2026, 10:03 Uhr
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Nick Reiner ist wegen zweifachen Mordes angeklagt. (Foto: Richard Shotwell/Invision/AP/dpa)

Nach dem Tod von Rob Reiner und seiner Frau gerät ihr Sohn Nick in Verdacht. Dessen psychische Erkrankungen und ein riskanter Medikamentenwechsel könnten eine Schlüsselrolle gespielt haben - und sich nun auch auf seine Verurteilung auswirken.

Nach dem gewaltsamen Tod des Regisseurs Rob Reiner und seiner Ehefrau Michele Singer Reiner rücken neue Erkenntnisse über den mutmaßlichen Mörder, ihren Sohn Nick, in den Mittelpunkt. Eine Recherche der "New York Times" legt offen, wie labil sein psychischer Zustand war - und welche Rolle Vormundschaft und Medikation kurz vor der Tat gespielt haben könnten.

Die Zeitung zeichnet das Bild eines Mannes mit schwerer psychischer Erkrankung, dessen Zustand sich kurz vor der Tat offenbar dramatisch verschlechterte. Im Mittelpunkt stehen eine besondere Form der rechtlichen Betreuung und ein riskanter Wechsel der Medikation. Ermittlungen zufolge unterlag Nick Reiner demnach im Jahr 2020 einer sogenannten L.P.S.-Vormundschaft, einer der einschneidendsten Maßnahmen der rechtlichen Betreuung im US-Bundesstaat Kalifornien.

Anders als bei prominenten Fällen wie jenem von Britney Spears wird diese Vormundschaft nur dann verhängt, wenn Betroffene aufgrund einer psychischen Erkrankung als "schwer behindert" gelten - also nicht in der Lage sind, selbstständig für grundlegende Bedürfnisse wie Essen, Kleidung oder Wohnraum zu sorgen. Medizinische Akten belegen, dass Nick Reiner an Schizophrenie sowie einer schizoaffektiven Störung litt.

Medikamentenwechsel als möglicher Auslöser

Nach Angaben aus seinem Umfeld war die medikamentöse Behandlung seiner Erkrankungen über Jahre hinweg stabilisierend, doch Nick Reiner habe unter gravierenden Nebenwirkungen gelitten, heißt es. Antipsychotische Medikamente wirken, indem sie Dopamin-Rezeptoren im Gehirn blockieren. Dadurch können zwar Wahnvorstellungen und Halluzinationen reduziert werden, gleichzeitig treten jedoch häufig Symptome wie starke Antriebslosigkeit, erhebliche Gewichtszunahme und Herz-Kreislauf-Probleme auf.

Rund einen Monat vor der Tat am 14. Dezember soll ein Wechsel des Medikaments erfolgt sein. Fachärzte bezeichnen eine solche Umstellung als "Hochrisiko-Phase". Erfolgt sie zu abrupt, kann dies ein biochemisches Ungleichgewicht auslösen, bei dem psychotische Symptome nicht nur zurückkehren, sondern sich teilweise drastisch verstärken.

Bereits mit 15 Jahren war Nick Reiner heroinabhängig gewesen und verbrachte seine Jugend in fast 20 Entzugseinrichtungen. Gemeinsam mit seinem Vater Rob verarbeitete er diese Erfahrungen später in dem Film "Being Charlie", der 2015 erschien.

"Nicht schuldig" trotz Geständnis?

Im Falle einer Verurteilung wegen zweifachen Mordes drohen Nick Reiner lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe. Die Verteidigung dürfte ihren Schwerpunkt auf seinen psychischen Zustand legen. Dabei stehen zunächst grundlegende juristische Fragen im Raum: Zuerst muss festgestellt werden, ob der 32-Jährige überhaupt verhandlungsfähig ist - also ob er den Prozess versteht und aktiv an seiner Verteidigung mitwirken kann. Sollte dies verneint werden, käme zunächst eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung in Betracht.

Darüber hinaus könnte auf Schuldunfähigkeit wegen einer schweren Geisteskrankheit plädiert werden. In diesem Fall müsste die Verteidigung nachweisen, dass Nick Reiner zum Zeitpunkt der Tat nicht in der Lage war, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden.

Quelle: ntv.de, lpe/spot

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