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Streaming statt Kino? Bieterpoker um neuen James-Bond-Film

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Kinostart im November 2019? Schön wäre es gewesen.

(Foto: imago images/Stefan Zeitz)

Es geht um nichts Geringeres als die Frage nach der Zukunft der Kinos. Manche munkeln jedenfalls, sollte die Filmindustrie auch im Falle des neuen James-Bond-Streifens "Keine Zeit zu sterben" einknicken, wäre der Schaden für die Lichtspielhäuser unermesslich. Und Netflix und Co baggern bereits.

Die Folgen der Corona-Krise treffen viele Menschen hart. Doch wenigstens einer Branche könnten sie nicht nur drastische Umwälzungen bescheren, sondern über kurz oder lang sogar den Todesstoß verpassen. Die Rede ist vom Kino.

Erst waren die Lichtspielhäuser komplett geschlossen. Inzwischen sind sie zwar vielfach wieder geöffnet. Doch Abstands- und Hygieneregeln lassen kaum zu, sie wirtschaftlich zu betreiben. Ganz abgesehen davon, dass viele Zuschauer aus Sorge vor einer Infektion mit dem Coronavirus erst gar nicht den Gang ins Kino antreten wollen.

Das hatte bereits weitreichende Folgen. So schloss die Kette Cineworld etwa alle ihre Häuser in Großbritannien und den USA. Der Blockbuster "Tenet", der der Krise zum Trotz in die Kinos kam, spielte seine Produktionskosten zwar knapp wieder ein, blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Andere potenzielle Kassenschlager haben die große Leinwand dagegen gar nicht erst erblickt. So cancelte Disney etwa die Kino-Revue seines Realfilm-Remakes des Zeichentrick-Klassikers "Mulan" und verschob den Streifen direkt zu seinem hauseigenen Streamingdienst Disney+.

Viermal verschoben

Ein ähnliches Schicksal könnte Medienberichten zufolge nun auch Daniel Craigs letztem James-Bond-Abenteuer namens "Keine Zeit zu sterben" blühen. Ursprünglich sollte der Streifen schon im November 2019 in die Kinos kommen. Viermal wurde sein Start inzwischen verschoben, erst aus produktionstechnischen Gründen, dann wegen Corona. Mittlerweile wird das Frühjahr 2021 für die Premiere anvisiert. Doch dass dieser Termin angesichts der fortdauernden Pandemie gehalten werden kann, darf dann doch bezweifelt werden.

Für den Verleiher Metro Goldwyn Mayer (MGM) gleicht dies einem Desaster. Schließlich sitzen die Studios nach wie vor auf den Produktionskosten von mehr als 250 Millionen Dollar. Umso verlockender könnten daher die Angebote von Streamingdiensten wie Netflix oder Apple TV+ sein. Sie sollen bereits mit den Hufen scharren, um James Bond eine neue Heimat zu bieten - in den heimischen Wohnzimmern statt auf der großen Leinwand.

Verkauf für 600 Millionen Dollar?

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Tatsächlich soll es bereits Gedankenspiele geben, 007 an einen Streaminganbieter zu verkaufen. Billig würde das für die Interessenten jedoch nicht werden. Von einem Preis bis zu 600 Millionen Dollar ist die Rede, schließlich spielte schon der Bond-Film "Skyfall" weltweit über eine Milliarde Dollar ein. Einen Betrag wie diesen zahlen allerdings auch Netflix und Co nicht aus der Portokasse. Zumal es ein Ding der Unmöglichkeit sein dürfte, eine ähnliche Gewinnmarge mit Streaming zu erzielen.

Vielleicht ist es also doch noch keine Zeit zu sterben für die Kinos. Noch gibt es zumindest die Hoffnung und die Chance, dass Bond seine neueste Mission doch noch auf der Leinwand erledigt und so zu einem Heilsbringer für die Branche wird. Je länger die Corona-Krise jedoch andauert, umso größer wird der Druck auf alle Beteiligten, über neue Wege nachzudenken. Am Ende könnte Streaming über das Kino obsiegen. Nach dem Motto: Leben und sterben lassen.

Quelle: ntv.de, vpr