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"Habe immer Unschuld beteuert" Bill Cosby feiert sich nach Haftentlassung

Bill Cosby nach seiner Freilassung.

Bill Cosby nach seiner Freilassung.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Knapp drei Jahre saß Bill Cosby wegen sexueller Nötigung im Gefängnis. Nun hebt ein Oberstes Gericht in Pennsylvania das Urteil überraschend wieder auf. Der 83-Jährige ist wieder auf freiem Fuß und meldet sich umgehend zu Wort.

US-Schauspieler Bill Cosby ist am Mittwoch aus dem Gefängnis entlassen worden. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania seine Verurteilung wegen sexueller Nötigung aufgrund einer Vereinbarung des ehemaligen Schauspielers mit einem Staatsanwalt im Jahr 2005 aufgehoben. Im Anschluss an seine Entlassung meldet sich Cosby nun von seinem Zuhause aus via Twitter zu Wort.

"Ich habe nie meine Haltung oder meine Geschichte geändert. Ich habe immer meine Unschuld beteuert", schrieb Cosby. Er fügte hinzu: "Danke an all meine Fans, Unterstützer und Freunde, die mir während dieser Tortur zur Seite standen. Besonderen Dank an den Obersten Gerichtshof von Pennsylvania für die Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkeit." Dazu veröffentlichte er ein Foto, das ihn mit erhobenem Arm und geballter Faust zeigt. Bereits unmittelbar nach seiner Entlassung posierte er vor Fotografen mit dem Siegeszeichen.

Bill Cosby saß fast drei Jahre einer zehnjährigen Haftstrafe ab, nachdem Andrea Constand in einem Strafverfahren ausgesagt hatte, dass sie von dem Schauspieler unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht worden sei. Die Aussagen von Constand und fünf weiteren Frauen brachten die Geschworenen dazu, Cosby 2018 wegen dreifacher schwerer sexueller Übergriffe zu verurteilen. Cosbys Verteidigung bestritt die Vorwürfe ebenso wie ähnliche Behauptungen gegen ihn von mehr als 60 weiteren Frauen außerhalb des Gerichtssaals.

Dem überraschenden Urteil vom vergangenen Mittwoch liegt eine Vereinbarung mit einem Staatsanwalt zugrunde, wegen der Cosby gar nicht erst hätte angeklagt werden dürfen. Das Oberste Gericht verbot auch eine weitere Strafverfolgung.

"Schande über das Gericht"

Demnach hätte ein früher mit dem Fall befasster Staatsanwalt 2005 zugesagt, keinen Strafprozess gegen Cosby zu führen, sollte dieser in einem Zivilprozess aussagen und eine Entschädigungssumme an Constand zahlen. Der nachfolgende Staatsanwalt griff bei der Anklage im Strafverfahren 2015 jedoch auf Aussagen von Cosby aus dem Zivilverfahren zurück. Unter anderem hatte Cosby darin erklärt, Constand vor dem Geschlechtsverkehr Betäubungsmittel gegeben zu haben.

Die Entscheidung des Gerichts wird in sozialen Medien als ein herber Rückschlag im Kampf gegen sexuelle Gewalt gewertet, dementsprechend rege wird Cosbys Freilassung diskutiert. "Ich bin so wütend über diese Nachricht", schrieb etwa die US-Schauspielerin und Aktivistin Amber Tamblyn auf Twitter. "Ich kenne persönlich Frauen, die dieser Mann mit Drogen bewusstlos gemacht und vergewaltigt hat. Schande über das Gericht und diese Entscheidung."

"Die heutige Mehrheitsentscheidung bezüglich Bill Cosby ist nicht nur enttäuschend, sondern auch Anlass zur Sorge", schrieb Andrea Constand in einer gemeinsamen Erklärung mit ihren Anwälten. Die Entscheidung könnte dazu beitragen, dass Opfer sexueller Gewalt davon Abstand nehmen, strafrechtliche Schritte gegen den Täter einzuleiten.

US-Schauspielerin und #MeToo-Aktivistin Rosanna Arquette twitterte: "Ich kenne viele junge Frauen und Männer, die solche Angst davor haben, ihren Vergewaltiger anzuzeigen. Ich bin heute am Boden zerstört, nachdem ich die Nachricht von Cosbys Freilassung gehört habe. Das ist widerlich."

Quelle: ntv.de, lpe/spot

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