Unterhaltung

Opfer rassistischer Justiz? Bill Cosby gibt im Knast erstes Interview

121714421.jpg

Auch nach mehr als einem Jahr im Gefängnis ist Bill Cosby keineswegs einsichtig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit über einem Jahr sitzt der ehemalige TV-Komiker Bill Cosby wegen sexuellen Missbrauchs hinter Gittern. In seinem ersten Interview mit einer US-Nachrichtenagentur fehlt bei dem 82-Jährigen von Reue jedoch weiterhin jede Spur.

Im September 2018 verurteilte ein Gericht in Pennsylvania Bill Cosby wegen sexuellen Missbrauchs zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe. Nun gibt er von dort sein erstes Interview. Doch statt Reue zu zeigen, übt er vor allem Kritik am Rechtssystem.

"Ich habe noch acht Jahre und neun Monate vor mir. Und wenn es eine Bewährungsanhörung gibt, dann werden sie nicht von mir hören, dass ich Reue empfinde", sagte der 82-Jährige der Nachrichtenagentur Black Press USA. Er sei überzeugt, dass der Prozess und seine Verurteilung ein abgekartetes Spiel gewesen seien, und sieht sich als Opfer einer rassistischen Justiz. Bereits vor dem Prozess habe ein Ersatz-Geschworener einen anderen Geschworenen sagen hören: "Er ist schuldig, können wir jetzt nach Hause gehen?", und er fügt an: "Die ganze Jury, das waren alles Betrüger."

"Schauen sie sich doch nur die Frau an, die mich verpfiffen hat. Sie ging rein und kam lächelnd wieder raus. Anwälte wissen, wie man das nennt: Schmiergeld", glaubt der einst mit einer eigenen Show erfolgreiche TV-Komiker. Gemeint ist Andrea Constand. Nach ihrer Aussage hatte Cosby sie im Januar 2004 in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht.

"Mann voller Privilegien"

Cosby erzählt auch, dass er im Knast ein "Mann voller Privilegien" sei. Die Zeit vertreibe er sich mit anderen Inhaftierten, die an einem Reformprogramm teilnehmen. "Ich bin kein Psychiater oder Psychologe. Ich bin ein Lehrer. Ich freue mich immer darauf, mit dieser Gruppe von 400 Männern zu reden." Bereits im Sommer wurde bekannt, dass er die Mitinsassen in Sachen Lebenshilfe berate. Dabei gehe es vor allem um das Verhältnis von inhaftierten Vätern zu ihren Kindern und wie sie nach ihrer Entlassung mit ihrem Nachwuchs umgehen sollen, hieß es damals. Darüber hinaus gebe Cosby Tipps zu Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen und wie man clean bleibe.

Bill Cosby war wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen zu drei bis zehn Jahren Haft sowie einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 21.000 Euro verurteilt worden. Insgesamt hatten 60 Frauen Cosby sexuellen Missbrauch vorgeworfen, die meisten Fälle waren jedoch schon verjährt. Nach dem Urteil wurde er außerdem im öffentlichen Register für Sexualstraftäter, das alle 50 Bundesstaaten der USA führen, als "gewaltbereiter Sexualverbrecher" eingetragen.

Im April ist Cosby gegen das Urteil von 2018 in Berufung gegangen, will auf Kaution das Gefängnis verlassen können. Seine Verteidiger argumentierten in einem vor einem Gericht in Pennsylvania eingereichten Schreiben unter anderem, dass Aussagen von Frauen, die Cosby belastet hatten, "auffallend unterschiedlich" seien.

Quelle: ntv.de, nan