Unterhaltung

Nebenjob bei Verschwörungsportal Böhmermann wirft Hans Meiser raus

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Jan Böhmermann und Hans Meiser sind vorerst nicht mehr gemeinsam im "Neo Magazin Royale" zu sehen.

Hans Meiser ist eines der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands - und parodierte bisher in Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" den Wutbürger. Nun ist der Ex-Talkmaster seinen Job los. Der Grund: Meiser arbeitet nebenher für Verschwörungstheoretiker.

In der Rolle des "kleinen Mannes" mimte Hans Meiser im "Neo Magazin Royale" den unverbesserlichen Wutbürger - nun hat sich die Produktionsfirma der Sendung des Satirikers Jan Böhmermann von dem TV-Urgestein getrennt. Der Grund: Meiser ist seit kurzem auch das Gesicht von "Watergate.tv" - einem Portal für Verschwörungstheoretiker, für das der 70-Jährige Videobeiträge einspricht und auch vereinzelt selbst als Autor tätig ist. "Wir hatten die klare Vereinbarung, dass Hans Meiser neben dem Neo Magazin Royale in keinem zweiten unseriösen Internetformat zu sehen ist", erklärte die Produktionsfirma Bildundtonfabrik (BTF) selbstironisch.

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Hans Meiser moderiert bei "Watergate.tv".

Tatsächlich sind die Inhalte auf "Watergate.tv" alles andere als seriöser Journalismus und zielen vor allem darauf ab, durch Angstmacherei Geld zu verdienen. So prophezeien die Autoren des Portals in zahlreichen Beiträgen den "Untergang Deutschlands", den Ausbruch von Krankheiten und den nächsten Bürgerkrieg. Auch angebliche Machenschaften der Regierung, um dem Bürger zu schaden, sind immer wieder ein Thema. Schützen könne sich der Leser vor dem Ungemach nur durch den Erwerb eines sogenannten "Krisenschutzbriefs"; im rabattierten Dreimonatsabo für 29,70 Euro.

Auf Nachfrage des "Vice"-Magazins soll Meiser erklärt haben, seine Tätigkeit für "Watergate.tv" sei lediglich ein Job für ihn. Er habe für das Portal nur drei Beiträge verfasst und wolle das im Übrigen auch nicht diskutieren. Dafür sei der Verlag da. Die Macher der Website, zu denen auch Guido und Michael Grandt gehören, verkaufen Meiser allerdings als Zugpferd. Auf der Autorenseite von Meiser heißt es, dieser habe "das seltene Talent, lockere Unterhaltung mit knallharter und seriöser Berichterstattung zu kombinieren". Dies sei "eine tragende Säule für die Redaktion".

Wo der Spaß aufhört

Für Jan Böhmermann und die Produktionsfirma "BTF" reichte das, um einen Schlussstrich zu ziehen - immerhin ist der ZDF-Komiker dafür bekannt, Verschwörungstheoretiker durch den Kakao zu ziehen. Zuletzt hatte er auch Xavier Naidoo und dessen These von einem besetzten Deutschland veralbert. Entsprechend spöttisch fiel die Erklärung der Produktionsfirma auf Facebook aus. "Wir möchten die Unglaubwürdigkeit von Meisers Verschwörungsformaten durch den schlechten Ruf unserer Sendung nicht länger gefährden", hieß es darin. Sobald der einstige RTL-Talkmaster herausgefunden habe, "wer wirklich hinter dem 11. September steckt", dürfe er gerne wiederkommen.

Bereits Ende April hatte der Watchblog GenFM die Nebentätigkeit des Moderators aufgedeckt - und sich offen enttäuscht über Meiser gezeigt: "Es ist erschreckend, dass der Journalist, der als 'Der kleine Mann' Rechtspopulisten und ihre Anhänger parodiert(e), selbst ein Verschwörungsideologe und Propagandist der Neuen Rechten ist. Eine große Enttäuschung". Auch "Watergate.tv" hat mittlerweile auf die Berichterstattung reagiert - und klagt über einen Angriff auf die Pressefreiheit.   

Quelle: ntv.de, jug

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