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Rassistisch, xenophob, belanglos Briten rechnen mit Autorin Enid Blyton ab

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Sorgt über 50 Jahre nach ihrem Tod für Diskussionen: Enid Blyton.

(Foto: imago stock&people)

Nicht nur in Großbritannien, sondern auch hierzulande sind Millionen Kinder mit den Geschichten von Enid Blyton aufgewachsen. Zu den populärsten Helden der Autorin gehören die "Fünf Freunde". Doch mit der Schriftstellerin will man in ihrem Heimatland nicht mehr wirklich gut Freund sein.

Von "Fünf Freunde" über "Hanni und Nanni" bis "Rätsel um" - die Britin Enid Blyton zählt bis heute zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren und -autorinnen, die die Welt je gesehen hat. Nahezu auf der ganzen Welt kennt man die Geschichten aus der Feder der Frau, die von 1897 bis 1968 lebte. In mehr als 40 Sprachen wurden sie übersetzt.

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Auch mit der TV-Serie "Fünf Freunde" wuchsen viele auf.

(Foto: imago images/Mary Evans)

Ihr Erfolg und ihre Produktivität - Blyton verfasste rund 700 Werke - machten sie reich und berühmt, wirkliche Anerkennung blieb ihr dagegen verwehrt. Schon zu ihren Lebzeiten rümpften Kulturkritiker die Nase über ihre Bücher, denen sie keinen literarischen Wert zubilligen wollten. Mittlerweile jedoch gerät die Autorin zusehends sogar in Verruf.

"Die wilde Jo" statt "Zigeunermädchen"

Und das nicht nur, weil sie ein Buch wie "Fünf Freunde und das Zigeunermädchen" verfasst hat. Mittlerweile wurde der Roman umbenannt und umgetextet in "Fünf Freunde und die wilde Jo". Generell wird Blyton vorgeworfen, in ihren Büchern rassistische und sexistische Klischees zu bedienen.

Bestes Beispiel dafür seien just die "Fünf Freunde", heißt es. Neben den Jungen Julius und Dick gehören noch deren Schwester Anne und Freundin Georgina zu der Gruppe, die Timmy, der Hund, vervollständigt. Anders als die stets ängstliche Anne strotzt Georgina zwar vor Mut und Selbstbewusstsein - jedoch um den Preis, sich ein Leben als Junge zu wünschen. Deshalb möchte sie auch am liebsten "George" genannt werden.

Ein anderes Beispiel ist Blytons Geschichte von einer "Little Black Doll" ("Kleine schwarze Puppe") aus dem Jahr 1966. In ihr dreht sich alles um eine schwarze Puppe, die von ihrem Besitzer und allen anderen Puppen gehasst wird. Erst als sie wegläuft und ihr "hässliches schwarzes Gesicht" vom Regen "rein" gewaschen wird, wendet sich ihr Schicksal zum Guten. Das Buch wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr verlegt.

"Enid Blyton gecancelt"

Die Organisation "English Heritage" ("Englisches Erbe") verwaltet unter anderem die Erinnerungstafeln, mit denen an Londoner Gebäuden an prominente Persönlichkeiten erinnert wird. Wer schon mal in der britischen Hauptstadt unterwegs war, dürfte die eine oder andere blaue Plakette an einer Fassade erspäht haben. Auch an einem früheren Wohnhaus Blytons prangt ein derartiger Hinweis auf die Autorin.

Doch in den offiziellen Begleittexten zu ihren Plaketten, die etwa online abrufbar sind, geht "English Heritage" nun deutlich auf Distanz zu Blyton. Das meldet unter anderem die "Daily Mail" unter der Überschrift "Now Enid Blyton is cancelled" ("Jetzt wird Enid Blyton gecancelt").

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Die Zeitung zitiert aus einem Statement der Organisation: "Blytons Werk wurde zu ihren Lebzeiten und darüber hinaus für seinen Rassismus, für seine Fremdenfeindlichkeit und für seine literarische Belanglosigkeit kritisiert. 2016 wurde es abgelehnt, sie auf einer 50-Pence-Münze abzubilden, da man zu dem Schluss kam, dass sie eine 'rassistische, sexistische, homophobe und nicht sehr gut angesehene Autorin war'." Gleichwohl wird eingeräumt, dass Blytons Bücher eine zentrale Rolle dabei gespielt hätten, "eine Generation von Kindern zum Lesen zu bewegen".

Laut "Daily Mail" nahm "English Heritage" die "Black Lives Matter"-Proteste im vergangenen Jahr zum Anlass, die Ehrung prominenter Persönlichkeiten im öffentlichen Raum einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Keine Informationen liegen derzeit vor, ob dies womöglich zu weiteren Konsequenzen führen könnte wie etwa der Entfernung bestimmter Plaketten.

Quelle: ntv.de, vpr

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