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So würde ihn wohl selbst seine eigene Frau nicht erkennen: Christian Rach als Hartmut Plaske.
So würde ihn wohl selbst seine eigene Frau nicht erkennen: Christian Rach als Hartmut Plaske.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)
Dienstag, 15. September 2015

Mit Schürze in geheimer Mission: Christian Rach goes undercover

Von Volker Probst

Günter Wallraff, Steffen Henssler oder Hartmut Plaske? In seiner neuen Sendung ist Christian Rach irgendwie alles auf einmal. Mit "Rach Undercover" feiert der Sternekoch sein RTL-Comeback. Darauf ein Wiener Schnitzel.

Man weiß gar nicht, für wen es der größte Genuss ist: Für Christian Rach, weil er keine lauwarmen Langweiler-Shows mehr im ZDF auftischen muss. Für die Zuschauer, weil sie keine faden Format-Eintöpfe beim Öffentlich-Rechtlichen mehr vorgesetzt bekommen. Oder für Deutschlands Gastronomen, weil ihnen endlich wieder der Restauranttester der ersten Stunde mit Koch- und Küchenkompetenz zur Seite steht. Fest steht jedenfalls: Christian Rach ist zurück bei RTL. In neuer und doch auch alter Mission - denn der 58-Jährige ist wie in guten alten Zeiten wieder als Gastro-Gutachter unterwegs.

Rach sucht im Internet nach fiesen Restaurant-Bewertungen.
Rach sucht im Internet nach fiesen Restaurant-Bewertungen.(Foto: RTL / Axel Kirchhof)

Der wesentliche Unterschied zu früher: Rach kommt nicht auf Bitten verzweifelter Kneipiers zu Besuch. Er knöpft sich stattdessen Lokale vor, die im Internet von enttäuschten Gästen so richtig ihr Fett wegbekommen. Nein, nicht das Bratfett, das womöglich aus ihren Speisen trieft, sondern Kommentare à la "Haus des Horrors", mit dem etwa das Restaurant "Frohsein" in der Frankfurter Innenstadt bedacht wurde. Und der Sternekoch agiert im Verborgenen: "Rach Undercover" - das passt zum Sendeplatz am Montagabend, auf dem auch schon das "Team Wallraff" und diverse Firmenchefs als "Boss Undercover" in geheimer Mission unterwegs waren. Jedenfalls, so lange nicht die Prachtburschen von "Bauer sucht Frau" den Termin zu Wochenbeginn zurückfordern. Die brauchen sich aber bekanntlich auch nicht zu verstecken.

Fünf Stunden Gesichtsbehandlung

Apropos Günter Wallraff. Der Journalist und Autor schrieb unter anderem als Redakteur Hans Esser bei der "Bild"-Zeitung oder als türkischer Gastarbeiter Ali Levent Sinirlioğlu "ganz unten" einst Enthüllungsgeschichte. Christian Rach indes verwandelt sich nach knapp fünf Stunden Gesichtsbehandlung in Hartmut Plaske. Moderner Maskentechnologie sei Dank, erkennt ihn im Anschluss nicht mal mehr die Empfangsdame in seinem Hotel. Geschweige denn das Personal im "Frohsein", das Rach, … ähh … Plaske später unter die Lecker-oder-nicht-Lupe nimmt.

Mit Bloggerin Nadia Doukali ging es auf Undercover-Mission.
Mit Bloggerin Nadia Doukali ging es auf Undercover-Mission.(Foto: RTL)

Und das nicht allein. Denn zuvor macht der Kochprofi Nadia Doukali ausfindig. Die Bloggerin und Freizeit-Küchen-Koryphäe hatte dem Frankfurter Restaurant online attestiert, nicht mal der Hunger treibe sein Essen rein. Sie und ihr mit brauner Vollhaar-Perücke, Kinnbärtchen und Brille um glatte zehn Jahre verjüngtes Gegenüber geben nicht nur optisch ein schönes Paar ab, zusammen machen sie auch die Undercover-Probe aufs Exempel. Und siehe da: Das Essen im "Frohsein" ist wirklich schlecht, wenn auch - so das Urteil des Experten - bei Weitem nicht so schlecht, wie von seiner bloggenden Begleiterin behauptet. Doch die bleibt bei ihrer Mäkel-Linie. "Der Koch ist verliebt", kritisiert sie etwa die ihrer Ansicht nach versalzenen Gerichte. Zwischen ihr und Herrn Plaske bleibt es indes bei einer platonischen Arbeitsbeziehung.

Vom Undercover-Einsatz zum Restauranttester

Stattdessen macht Rach tags darauf allein dem "Frohsein" erneut seine Aufwartung - diesmal ohne Verkleidung. Und schwuppdiwupp mutiert er auch schon zum Steffen Henssler. Denn von da an bewegt sich die Sendung im bewährten Restauranttester-Metier, in das mittlerweile Rachs Koch-Kollege eingestiegen ist. Rach dreht nicht nur die Speisekarte einmal gehörig durch den Fleischwolf, er macht auch den Chefs und Angestellten des Lokals ordentlich Feuer unter dem Hintern.

Mit durchschlagendem Erfolg. Denn sogar Nörgel-Nadia ist nach einem weiteren Abstecher ins "Frohsein" nun fröhlich. "Fast schon eine Meisterleistung", räumt sie die Gaumenfreuden ein. Dass ihr Rach dabei noch eine kleine Falle gestellt hat, indem er ihr unbemerkt Hühnerfleisch als Wiener Schnitzel servieren ließ, lächelt sie gekonnt weg. Hühnchen oder Kalb - Hauptsache Gemüse eben.

Und die Moral von der Geschichte? Gelegenheits-Gourmet Doukali nimmt mit, dass konstruktive Kritik besser ist als Haudrauf-Kommentare, die für ein Restaurant wie das "Frohsein" existenzbedrohend sein könnten. Aktueller hätte das Fazit angesichts der momentanen Diskussion um die alltäglichen Entgleisungen bei Facebook und Co nicht sein können. Wer hätte einer geheimen Kochschürzen-Mission so eine Erkenntnis schon zugetraut? Doch noch ist der Auftrag lange nicht erfüllt. Rach wird in den kommenden Wochen mit neuen Verkleidungen weitere Restaurants auf Herz und Nieren, Steaks und Keulen prüfen. Fast so, als wäre er nie weg gewesen.

Quelle: n-tv.de