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Der "Beißer" versuchte zwar mehrfach, James Bond alias Roger Moore totzubeißen oder zu erwürgen - doch letztlich konnte sich der Zuschauer darauf verlassen, dass er keine Chance gegen 007 hatte.
Der "Beißer" versuchte zwar mehrfach, James Bond alias Roger Moore totzubeißen oder zu erwürgen - doch letztlich konnte sich der Zuschauer darauf verlassen, dass er keine Chance gegen 007 hatte.(Foto: imago/United Archives)
Dienstag, 23. Mai 2017

Zum Tod von Roger Moore: Der Spion, den wir liebten

Ein Nachruf von Volker Petersen

Keiner spielte James Bond so oft wie er, niemand zeigte den Geheimagenten mit so viel Humor. Roger Moore, der König des Augenbrauen-Spiels, ist tot. Im Alter von 89 Jahren erliegt der Brite einem Krebsleiden.

Fragt man seine Zeitgenossen, wer ihr liebster James-Bond-Darsteller ist, sagt kaum jemand Roger Moore. Nicht einmal dessen eigener Sohn: Der habe ihn als Achtjähriger einmal in einem Restaurant gefragt, ob er jeden der anwesenden Gäste verprügeln könnte, erzählte der Schauspieler vor einigen Jahren in einer britischen TV-Sendung. "Da alle recht alt waren, habe ich das wahrheitsgemäß bejaht." Was denn wäre, wenn James Bond hereinkäme, habe sein Sohn dann wissen wollen. "Aber Junge, ich werde doch James Bond sein", habe er ihm geantwortet. Darauf der Sohn: "Nicht du, der echte, Sean Connery!"

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Er selbst hat nie einen Hinweis darauf gegeben, dass ihn gestört hätte, der Zweite zu sein. Im Gegenteil, Moore war mit dem drei Jahre jüngeren Connery befreundet, beide trafen sich noch im hohen Alter regelmäßig zum Essen. Moore hatte auch keinen Grund zur Klage: Dank seiner Rolle als James Bond wurde er ein Weltstar und prägte sich im Gedächtnis von einer Milliarde Kino-Zuschauern ein. Darüber habe er nie nachgedacht, sagte er in derselben TV-Show. "Ich hoffe nur, sie haben alle bezahlt."

Sein Freund Michael Caine sagte über ihn: "Er lebte ein James-Bond-Leben ohne die Gefahr." Schnelle Autos, Schnellbote und Sonnenschein seien die Zutaten zu einem Leben gewesen, bei dem ihm insgesamt vier Ehefrauen Gesellschaft leisteten. Als er zu Ruhm gekommen war, lebte er in Monaco und der Schweiz und erwarb schließlich dank seiner Tätigkeit als Unicef-Botschafter hohes Ansehen. Im Jahr 2003 schlug ihn Queen Elizabeth II. zum Ritter, doch schon vorher war Roger Moore die "absolute Definition eines nationalen Staatsschatzes", wie der TV-Moderator Piers Morgan sagte.

Es war ein weiter Weg aus der Londoner Vorstadt Stockwell, wo Moore am 14. Oktober 1927 auf die Welt kam. Sein Vater war Polizist, seine Mutter Kassiererin. In seiner lesenswerten Autobiografie "My Word is my Bond" beschreibt er eine glückliche Kindheit und dass ihn noch immer der Geruch gerösteter Kartoffeln glücklich mache. Zu seinen frühen Erinnerungen gehörte aber auch der Bombenalarm in London.

Durchbruch als "Simon Templar"

In "Die Zwei" feierte Roger Moore nach "Simon Templar" noch einen weiteren Serienerfolg.
In "Die Zwei" feierte Roger Moore nach "Simon Templar" noch einen weiteren Serienerfolg.(Foto: imago/ZUMA/Keystone)

Zur Schauspielerei kam der junge Mann dann dort, wo die Bomben herkamen - in Deutschland. Als Soldat war er nach dem Krieg in Schleswig und Neumünster stationiert und spielte dort bei verschiedenen Theateraufführungen mit. Zurück in London, übernahm er Statistenrollen in großen Kinofilmen wie "Caesar und Cleopatra", spielte Theater und begann ein Schauspielstudium. Noch vor seinem Abschluss wagte er den Sprung nach Hollywood. Das habe auch daran gelegen, so schreibt er in seiner Autobiografie, dass er ahnte, kein großer Shakespeare-Darsteller zu werden.

In den USA feierte er nach einigen Jahren einen ersten Fernseherfolg. Als Ritter Ivanhoe ritt er Ende der 50er-Jahre durch kalifornische Hügellandschaften, die das mittelalterliche England darstellen sollten. Sein Markenzeichen wurde bald die leicht angehobene Augenbraue, die ihm den Spitznamen "King of Eyebrow Acting" einbrachte.

Der große Durchbruch kam für den stets mit akkuratem Seitenscheitel auftretenden Engländer dann aber in der Heimat. Seine Rolle als "Simon Templar", (Originaltitel: "The Saint") machte ihn weltweit bekannt und für viele zu einem der Stars der 60er-Jahre. Seine Rolle schon damals: ein von Frauen begehrter Junggeselle, der als Detektiv das Verbrechen bekämpft. Die Serie wurde ein großer Erfolg und gab dem damaligen Mittdreißiger einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen würde. Sieben Jahre lang ermittelte Moore als Templar – was ihn allerdings beinahe die Rolle des James Bond gekostet hätte.

Nachdem Sean Connery ausgestiegen war, traten die Produzenten bereits an Moore heran. Da er durch seine Serie gebunden war, konnte er aber nicht zusagen. Dass der Film mit Ersatzmann George Lazenby ("Im Geheimdienst ihrer Majestät") ein Flop war, erwies sich für Moore als Segen. Bei der nächsten Anfrage sagte er zu, sodass er schließlich 1973 erstmals als James Bond vor der Kamera stand. In "Leben und Sterben lassen" sahen die Zuschauer einen ganz anderen Agenten: Einen jugendlich wirkenden Engländer, der wesentlich aristokratischer wirkte als der coolere und bulligere Schotte Connery. Überzeugend war das aber noch nicht.

Keine Frauen mehr geschlagen

Roger Moore bringt selbst die Queen zum Lächeln - bei einer Veranstaltung 2005 half er der Königin vom Podium.
Roger Moore bringt selbst die Queen zum Lächeln - bei einer Veranstaltung 2005 half er der Königin vom Podium.(Foto: imago/Newscast)

Zu seinem eigenen Stil fand Moore dann erst in seinem dritten Bond-Abenteuer "Der Spion, der mich liebte". In dem Meilenstein der Reihe stand ihm erstmals mit der sowjetischen Agentin Triple-X (Barbara Bach) eine starke Frauenfigur zur Seite – seine trockenen Sprüche, seine hochgezogene Augenbraue und seine feine englische Art passten besser dazu als die Ohrfeigen, die er seinen Partnerinnen noch in seinen ersten beiden Filmen verpassen musste.

Dass Bond keine Frauen mehr schlägt, dafür Stunts und Spezialeffekte noch heute (einigermaßen) überzeugend sind, macht die Filme weiterhin sehenswert – anders als viele Connery-Filme, bei denen sich immer der Gedanke an die Austin-Powers-Parodie aufdrängt. Moore brachte plötzlich Humor und Selbstironie in den Kalten Krieg. Bond sei nunmal nicht so ganz ernst zu nehmen, sagte der Schauspieler einmal dazu. "Er ist ein Geheimagent und jeder kennt seinen Namen!" Mit 57 übernahm Moore, der weder Waffen noch Explosionen mochte, die Rolle ein letztes Mal ("Im Angesicht des Todes"). Er hinterließ Fußstapfen, die für seinen Nachfolger Timothy Dalton zu groß waren und erst von Pierce Brosnan wieder annähernd ausgefüllt wurden.

Als es mit Bond vorbei war, beschränkte Moore seine filmische Aktivität auf einige Gastauftritte, darunter 2002 in einem "Tatort" mit Sabine Postel ("Schatten"). Er konzentrierte sich auf seine Tätigkeit als Unicef-Botschafter und warb weltweit für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Seine letzten Jahre verbrachte er mit der Dänin Kristina Thostrup, die er 2002 geheiratet hatte.

Er schien das Leben zu genießen und zeigte den Briten und allen anderen, wie Understatement geht. Wie er reagieren würde, wenn bei einem Fototermin ein Haufen schöner Frauen um ihn herum sei, wurde er im bereits erwähnten TV-Interview gefragt. "Ich frage mich, ob ich meinen Bauch lang genug einziehen kann", war seine Antwort. Sir Roger Moore erlag im Mai 2017 in der Schweiz einem Krebsleiden. Wie schrieb er in seiner Biografie: "Für einen Jungen aus Stockwell habe ich es nicht schlecht hinbekommen."

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Quelle: n-tv.de

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