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Ärger um "Black Widow" Deutsche Kinokette boykottiert Disney-Film

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Scarlett Johansson trumpft in "Black Widow" auf - viele Kinos verzichten auf den Blockbuster.

(Foto: imago images/Cinema Publishers Collection)

Die Kinos sind wieder geöffnet und mit "Black Widow" startet auch gleich der erste Action-Blockbuster. In mehreren deutschen Kinos wird der Streifen aber nicht zu sehen sein. Schuld ist der Disney-Konzern, der mit seiner Vertriebsstrategie aneckt.

Mit "Black Widow" kam ab dem 8. Juli der erste Marvel-Blockbuster seit der Corona-Pandemie in die deutschen Kinos. Das heißt: theoretisch. Denn Filmfans, die sich die Vorgeschichte zur Heldin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) ansehen wollen, tun sich bei zahlreichen Kinos schwer, den Film überhaupt im Programm zu finden.

Die Kinopolis-Gruppe hat sich zu diesem Sachverhalt inzwischen geäußert und dabei explizit zum Film "Black Widow" Stellung bezogen. Demnach hätten sich "die Konditionen und Einsatzbedingungen für einige Filme in erheblichem Umfang und einseitig zulasten der Kinos verändert." Daher müsse "- allen Einigungsversuchen zum Trotz - schweren Herzens auf den Einsatz von 'Black Widow' verzichtet" werden. Etwa das zur Kinopolis-Gruppe gehörende Multiplex-Kino Mathäser Filmpalast in München veröffentlichte dieses Statement auch auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Deutschlandweit hat das Kinounternehmen 16 Standorte mit über 140 Leinwänden, das Mathäser im Herzen Münchens ist eines der besucherstärksten Kinos des Landes.

Vor allem Disneys zweigleisiger Vertrieb des Blockbusters stört die Kinobetreiber, denn der Streifen ist einen Tag nach Kinostart auf dem Streamingdienst Disney+ abrufbar - wenn auch gleich gegen einen VIP-Aufpreis von 21,99 Euro. "Bis zu Beginn der Pandemie gab es in Deutschland ein exklusives Kinofenster von mindestens 120 Tagen, an das sich alle Filmverleiher gehalten haben", sagte Kinopolis-Geschäftsführer Gregory Thiel der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn nun - in einer Zeit, in der die Kinos ohnehin schon mit der schwersten Krise der vergangenen Jahrzehnte zu kämpfen haben - publikumsstarke Filme zeitgleich auf Streaming-Plattformen gezeigt werden sollen, können wir dies nicht akzeptieren."

US-Filmstudios stellen Bedingungen

Bereits in der Vergangenheit soll die Verleihpolitik großer US-Filmstudios - darunter auch Disney - bei Kinobetreibern für Missgunst gesorgt haben. Neben höheren Verleihmieten würden von den Studios laut "SZ" auch Bedingungen geknüpft, die vorschreiben, wie oft ein Film gezeigt wird oder dass andere Filme im Paket mit ins Kinoprogramm aufgenommen werden müssten. In der Regel entscheiden sich Kinos aus finanziellen Aspekten dafür, die Filme trotzdem zu zeigen, weil es insgesamt ein profitabler Deal bleibe.

Mitte Mai 2021 hatten sich die vier großen Unternehmen Cineplex, Kinopolis, die Filmpalast- sowie die Astor-Gruppe unter dem Namen "Cinema Family Group" zu einer Verhandlungsgruppe zusammengeschlossen, wie das Branchenblatt "Blickpunkt: Film" damals berichtete. Auf diese Weise sollten gemeinsame Interessen vertreten werden.

Auch wenn sich die anderen Mitglieder dieser "Cinema Family Group" noch nicht konkret zu "Black Widow" geäußert haben, so suchen Marvel-Fans den Streifen auch bei ihnen bislang vergebens auf den Programmplänen, schreibt "Blickpunkt: Film". Auf Anfrage wollte Disney zum jetzigen Zeitpunkt kein Statement zum Sachverhalt um "Black Widow" abgeben.

Bereits ab dem 9. Juli, also nur einen Tag nach dem Kinostart, ist "Black Widow" über Disneys hauseigenem Streamingdienst Disney+ erhältlich. Neben den normalen Abo-Kosten von 8,99 Euro pro Monat sind hierfür aber noch zusätzliche 21,99 Euro für den VIP-Zugang fällig. Kunden von Disney+, die diesen Aufpreis nicht zahlen wollen, müssen sich bis zum 6. Oktober gedulden. Dann ist "Black Widow" auch im regulären Abo enthalten.

Quelle: ntv.de, mba/spot

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