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"Dogs of Berlin" nimmt Form an Deutschland, deine Gangster

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Fahri Yardim und Felix Kramer in "Dogs Of Berlin"

(Foto: Netflix)

Die Netflix-Serie "Dogs of Berlin" verspricht einen neuen Dreh fürs altbekannte Genre: Günstiger sind die Erfolgschancen international wohl nie gewesen. Hauptdarsteller Felix Krammer und Produzent Felix Kamml gewähren erste Einblicke.

Er rollt mit seinen Besten. Und möglicherweise ist das dieser Tage der Cast von "Dogs of Berlin". Der Rapper Haftbefehl ist bei der zweiten deutschen Netflix-Serie dabei - das wird sich wohl auch in der musikalischen Untermalung niederschlagen. Vor allem aber gibt es einen Hinweis auf die Szene, in der sich die Geschichte der Produktion entfalten wird. Irgendwas mit Straße, Clans und Pitbulls eben, sofern man es denn so salopp fassen will. Mit dem genretypischen Überbau an moralischen Fragen, verhandelt von einer geplagten Männerseele und Kollegen.

"Es ist die alte Frage danach, ob man über sein Schicksal selbst entscheiden kann", sagt Felix Kramer, einer der Hauptdarsteller von "Dogs of Berlin", beim "See What's Next"-Event des Streamingdiensts Netflix in Rom. "Auf welcher Seite des Gesetzes willst du stehen? Was für ein Mann willst du sein?" Kramer weiß, dass ein kurzer Handlungsabriss nicht nahelegt, mit "Dogs of Berlin" könnte das Rad neu erfunden worden sein. Er spielt einen Polizisten, aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, tough, trotzdem familienorientiert, nur eben mit ein paar Lastern wie zum Beispiel Spielsucht. Man kann sich sofort etwas unter "Dogs of Berlin" vorstellen. Das ist praktisch, aber auch ärgerlich, weil es die Serie noch nicht so recht außergewöhnlich erscheinen lassen will.

Gangster-Geschichte in spannender

"Die Deutschen lieben ihre Krimis", scherzt Siggi Kamml, Produzent von "Dogs of Berlin". Aber nicht, weil seine Geschichte eine von diesen Krimis sein soll, bei denen nach 80 Minuten erst jemand abgeführt und dann der Fernseher ausgeschaltet wird. "Wir haben versucht, einen völlig anderen Ansatz für unsere Erzählung zu finden", so Kamml. Er verortet "Dogs of Berlin" ganz bescheiden zwischen zwei der weltweit meistgeschätzten Serien überhaupt: "Breaking Bad" und "The Wire". Er und Kramer werben für ihr Serienprojekt, doch was "Dogs of Berlin" verkauft, ist ein erster Trailer, den die Journalisten in Rom exklusiv zu sehen bekamen. Darauf müssen alle, die nicht dabei waren, jetzt einfach mal vertrauen.

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Dark

(Foto: Stefan Erhard / Netflix)

Berlin taugt laut Produzent Kamml wie keine andere Stadt als inoffizielles Ensemblemitglied für eine abgefuckte Krimi-Serie, die auch ein internationales Publikum begeistern kann. Nach der Wiedervereinigung hätten sich dort nicht nur Kreative und Partygänger ungenutzte Räume angeeignet, auch Verbrecher hätten gewusst, fehlende Strukturen zu nutzen, so Kamml. Berlin besitzt ihm nach auch maximal diverse Strukturen organisierten Verbrechens. Diversität macht eine Gangster-Geschichte selbstverständlich ungemein spannender.

Wer "Dogs of Berlin" im Schatten der TNT-Erfolgsserie "4 Blocks" über Clan-Strukturen in Neukölln stellen will, dem nimmt Serien-Polizist Kramer den Wind aus den Segeln. "Berlin ist eine große Stadt", sagt er. "Die Straßen der Stadt sind für mehr als eine Geschichte gut." Einen anderen Vergleich winken die Beteiligten mit wohligem Lächeln durch, den mit "Dark". Der Mystery-Triller war Netflix' erster Versuch, eine deutschsprachige Serienproduktion international zum Erfolg zu führen. Und Tatsache: Neun von zehn Zuschauern erreicht "Dark" außerhalb von Deutschlands, wie Todd Yellin, Netlix-Vizechef Produktentwicklung, verrät. Produzent Kamml von "Dogs of Berlin" geben Fakten wie diese ein bisschen Sicherheit. Den Erfolg von "Dark" empfindet er nicht als einschüchternd, er motiviert ihn. "Wir sind sehr, sehr glücklich darüber, dass 'Dark' so gut läuft. Vorher wussten wir nicht, ob deutsches Storytelling überall ankommen würde."

Das nächste "Stranger Things"

Dass Netflix neue Serien von überall auf der Welt in vielen verschiedenen Sprachen und mit diversen Untertitel-Optionen auf den Markt bringt, hat sich durchgesetzt. Nicht nur bei "Dark". Was viele nicht wissen: Schon das erste Serien-Original des Unternehmens, lange vor "House of Cards", war "Lilyhammer", eine norwegisch-britische Produktion aus dem Jahr 2012. Seitdem hat Netflix neben seinen englischsprachigen Hits weitere lokale Formate gefördert, die sich international durchsetzen konnten. Die italienische Mafia-Serie "Suburra" geht in die zweite Runde, das spanische Heist-Format "La Casa del Papel" wird in Staffel drei zur Netflix-Show. Da war "Dark", jetzt kommt "Dogs of Berlin".

Nicht-englischsprachige Serien und Filme sind für Netflix keine Nischenprodukte. Das unterstreicht Ted Sarandos, Netflix-Content-Chef. "Das nächste 'Stranger Things' könnte von überall kommen", zeigt er sich überzeugt. Und mit dem Netflix-Mega-Hit "Stranger Things" macht man bei dem Unternehmen keine Scherze. Sarandos hatte bei der Prognose vermutlich eher "The Rain" im Kopf, eine Weltuntergangsserie aus Dänemark, die am 4. Mai anläuft. Aber sein können, könnte es ja ganz vielleicht auch "Dogs of Berlin".

Quelle: n-tv.de

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