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"Promi Big Brother" - Finale Die Siegerin heißt Silvia Wollny

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Mutti Wollny holt den Pokal.

"Promi Big Brother 2018" ist passé, Silvia Wollny um 100.000 Euro reicher. Doch es kommt zu einer tragischen Beichte: Die elffache Mutter erzählt von körperlicher Gewalt. Was tun mit diesem Schockmoment? Am besten schnell weglächeln.

"Ihr seid patente Menschen, Vorbilder", flötet die "Promi Big Brother"-Stimme den letzten Villa-Verbliebenden entgegen. Der Zuschauer fragt sich, was dieses tolle Vorbildliche denn sein soll: der horrende Kippenkonsum vielleicht?

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Die vier Finalisten.

Eines aber ist gewiss: Diese knapp vier Stunden waren die ödesten Minuten des jüngsten Trash-TV's. Am Ende ist man fast weggeschnarcht und bekommt nur noch auf halbem Ohr mit: Silvia Wollny ist die Gewinnerin und freut sich über 100.000 Euro, mit denen sie, wenn man das richtig verstanden hat, plötzlich einen Verein gründen möchte. Es sei an der Zeit, Menschen, die auf der Straße leben, zu helfen und von dort wegzubringen, denn die Baustelle, auf der die Bewohner ausharren mussten, war ja auch ungefähr so hart wie das Leben auf dem nackten Asphalt.

Es hätte alles so fluffig sein können, wäre doch nur die Sendezeit kürzer gewesen. Stattdessen scheitert man haushoch an dem Versuch, den ganzen Abend mit Leuten zu füllen, deren Ausstrahlung nur eines suggeriert: Wie lange geht das noch und wann können wir endlich heim?

Das ganze Bad voller Blut

Ein letztes Mal noch dreht "Big Brother" die Uhr zurück, zeigt Szenen vom Vortag, an dem die Finalisten noch keine Finalisten waren. Im Verlauf dieses abendlichen Trash-Martyriums darf man den Bewohnern beim Zeichnen ihrer Lebenslinien zuschauen. Chethrins einschneidende Erfahrung war die Abtrünnigkeit ihrer Mutter, Daniel erzählt von Neuseeland, Florida und L.A., und "Alonser" berichtet von seiner Zeit in Amerika: "Ich komme aus Detroit, aus dem Ghetto, wir waren elf Kinder". Später habe er sich vieles verbaut, "weil er getrunken hat".

Im Vergleich zum Vorjahr aber blieben die meisten Bewohner blass, unauffällig und opportunistisch. Und wer "Die Wollnys" nicht kennt, hat in den vergangenen zwei Wochen auch von Silvia nicht sonderlich viel erfahren, außer, dass sie sehr viele Kinder hat und erschreckend viel qualmt.

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Alle Bewohner auf einem Haufen.

Im Finale aber kommen Geschichten ans Licht, die unter die Haut gehen, etwa, wenn sie von ihrer bitteren Armut bei der Geburt ihres ersten Kindes erzählt ("Ich war ganz unten, ich hatte nichts!") oder aber wie sie, im siebten Monat schwanger, ihre Zwillinge verloren habe. "Die wurden mir bösartig entfernt. Vom Dieter! Ein Tritt in den Bauch, das ganze Bad voller Blut, hömma!"

Die Stimmung ist spektakulär

Es ist zutiefst schockierend, was diese Frau, der offenbar in ihrem Leben schon sehr viel Leid widerfahren ist, berichtet. Körperliche Gewalt, Kindstod, Schlaganfall, aber hey, wir schalten jetzt mal schnell zurück ins Studio, huhu, seid Ihr alle da, ist das nicht eine spektakuläre Stimmung, gut seht Ihr alle aus, na, Marlenchen, jetzt wird’s spannend, wer wohl das Rennen heute macht …

Jeder, der diese Worte mit anhören musste, ist zu irritiert, um angemessen zu reagieren. Man überspielt es schnell, es ist, wie es ist: The Show Must Go On.

Auch im Finale gibt es noch einmal, weiß der Geier wieso, zwei Duelle. Chethrin fährt gegen Völzi Rad in luftiger Höhe und Silvia spielt gegen Alphonso ein Flaschenspiel. Wer gewonnen hat, ist so irrelevant, dass man froh sein kann, es auf der Stelle wieder vergessen zu haben.

Unvergesslich indes: Silvia Wollnys Käsesucht-Drama: "Hömma, ich hatte Käsesucht, ich hab nur noch den Gouda von Aldi gegessen. Aus dem Käse habe ich Käseships gemacht - mmh, lecker! Nix anderes habe ich gegessen, hömma, schlimme Sache, Leute, es ist grausam, lasst es sein, esst keine Käsechips!"

Auf Platz vier landet Daniel Völz, Platz drei geht an Alphonso; der ist darüber sichtlich enttäuscht. Und am Ende müssen die beiden Ladys Silvia und Chethrin noch einmal begründen, warum sie es verdienen, zu gewinnen. Chethrin, die "kleine Kackstelze" in einem unschuldig weißen T-Shirt und kurzer Hose, freut sich, dass sie überhaupt so weit gekommen ist und möchte einen Teil des Geldes an die Brustkrebs-Forschung spenden. Silvia hingegen liegen die Menschen auf der Straße am Herzen.

Best of Ödnis

Zwischendurch gibt es viele Best of's: Best of Beef, Best of Beichte, Best of Drama. Wir sehen, wie die Ex-Bewohner, die zu Gast in der Live-Show sind, sich mit schläfrigem Blick in Decken hüllen. Jeder darf nochmal was sagen, Pascal mag seine Freundin, Mike hat auf der Baustelle seine Mitte verloren und Nicole ist ein Stiftzahn rausgebrochen.

Was der Zuschauer von dieser Staffel mitgenommen hat: "das Nichts" aus dem vergangenen Jahr und die tiefe Sehnsucht nach jenem unvergesslichen Augenblick, in dem die von Willi Herren gedisste Sarah Knappik ihm vor versammelter Mannschaft mutig die Meinung geigte. Vielleicht hat Silvia Wollny beim Zuschauer doch etwas angestoßen: den kurzen Gedanken, dass es nicht schaden könnte, mal wieder feucht durchzuwischen.

Quelle: n-tv.de

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