Unterhaltung
Samstag, 26. Juli 2008

Lebenswerk Frauenkirche: Eberhard Burger wird 65

Die Dresdner Frauenkirche lässt Eberhard Burger auch im Ruhestand nicht los. Der ehemalige Baudirektor, der nun 65 wird, ist noch immer regelmäßig in dem protestantischen Gotteshaus anzutreffen, das unter seiner Leitung in 16 Jahren aus Trümmern wiedererstand. Er selbst sieht sein Meisterstück inzwischen mit größerem Abstand. "Man erfreut sich der Annehmlichkeiten, dass der Wecker nicht mehr jeden Morgen klingelt", sagt Burger, der sein Lebenswerk ruhigen Gewissens vorzeitig in neue Hände gab. "Es lässt einen aber nicht ganz los", bekennt der Mann, der einst im Schnitt zwölf Stunden täglich und an sechs Tagen in der Woche für das "Wunder von Dresden" tätig war.

Die Frauenkirche spielt weiter eine wichtige Rolle im Leben des Pensionärs, auch wenn er ihr nun mit mehr Gelassenheit begegnet: bei Führungen, Vorträgen, in Stiftungsrat und Bauausschuss. "Aber ich habe keine Verantwortung mehr." Freude empfinde er, dass das Gebäude kirchlich genutzt werde, Andachten und Gottesdienste voll seien, "auch wenn keine Schlangen mehr auf dem Neumarkt stehen". Die Dinge hätten sich eben normalisiert.

Parallelen zwischen den Bauherren

Mit seiner Verabschiedung als Direktor des einzigartigen Projekts der Versöhnung im Juli 2007 war eine Ära zu Ende gegangen. Ähnelt doch der Mann, unter dessen Führung die Frauenkirche mit Hilfe von Spenden aus aller Welt Stein für Stein wiedererstand, dem Erbauer des Originals. Mit dem hellen Lockenschopf und barocken Gesichtszügen galt Burger vielen als "George Bähr des 20. Jahrhunderts". Er selbst weist diesen Vergleich stets von sich. Dabei gibt es im Leben des Barockbaumeisters der Frauenkirche und des 1,90-Meter-Mannes, dessen Name untrennbar mit dem Wiederaufbau der 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche verbunden ist, durchaus Parallelen.

Ratszimmermeister Bähr, 1666 geboren und 1738 vor Vollendung seines Meisterwerks gestorben, musste Architekt, Statiker, Akustiker, Bauphysiker, Technologe und Bauüberwacher zugleich sein. Burger war fast 300 Jahre später zweiter Baumeister der Spätbarockkirche und ist in einem nach Bähr benannten Forum der TU Dresden aktiv. 1943 in Berlin geboren, studierte Burger in Dresden Bauingenieurwesen. Die erste Stelle als Bauleiter für das Renommierobjekt Kernkraftwerk Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern ersparte ihm den Dienst in der DDR-Armee NVA. 1971 kam er zurück nach Dresden, wo er im Bau- und Montagekombinat Werkhallen und Verwaltungsgebäude für Firmen wie Mikromat oder Robotron baute.

Von Ruhestand keine Spur

Die evangelische Kirche übertrug dem Christen 1980 Verantwortung für alle mit Valuta-Mark realisierten Kirchbauten wie die Dresdner Dreikönigskirche, Gemeindezentren, Pfarrhäuser, Kindergärten oder Rüstzeitheime. 1991 erteilte er für die Landeskirche erste Aufträge zur Planung und Vorbereitung des damals noch umstrittenen Frauenkirchen-Wiederaufbaus. 1994 wurde er Baudirektor, 1995 Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche. Ende Oktober 2005 erlebte er mit der Weihe unter der "Steinernen Glocke" die Krönung seiner Karriere. Die "Dickmadame", wie die Kirche wegen ihrer Sandsteinkuppel liebevoll genannt wird, war das Projekt seiner beruflichen Laufbahn mit der emotionalsten Bindung.

Nach wie vor sprechen ihn Menschen in der Kirche oder auf der Straße an. "Sie drücken ihre Freude und ihren Dank aus oder haben Fragen", sagt Burger. Obwohl er nun "ein bisschen mehr Freizeit" hat, ist er zum Reisen mit seiner Frau bisher nicht gekommen. Gemütliche Abende bei Rotwein, Auszeiten im Grundstück in der Sächsischen Schweiz und Radtouren gebe es mehr als vorher, sagt der vierfache Großvater. Keine Spur aber von Ruhestand: Ehrenamtlich engagiert sich Burger für das Palais im Großen Garten, im Verein der Dombaumeister, ist Domherr von Wurzen und mit Anfragen von Besitzern historischer Bauwerke beschäftigt.

Für seine Einmischung in den Dresdner Brückenstreit erntete er indes auch Drohbriefe und Anfeindungen in der Öffentlichkeit. Auf Burgers Initiative hin wurde die Waldschlößchenbrücke, die dem Elbtal den UNESCO-Welterbetitel kosten wird, optisch verfeinert. "Ich glaube nach wie vor, dass wir das Richtige gemacht haben, denn die Brücke wird ja sowieso gebaut. Dass es so falsch verstanden worden ist, damit muss ich leben."

Quelle: n-tv.de