"Total Eclipse of the Heart" Ein Vampir-Liebeslied wurde Bonnie Tylers größter Hit

"Total Eclipse of the Heart" gilt als Bonnie Tylers größter Hit. Hartnäckig hält sich allerdings das Gerücht, die Powerballade sei für Meat Loaf geschrieben worden. Dabei hatte Komponist Jim Steinman eigentlich ganz andere Pläne.
Die Musikwelt trauert um Bonnie Tyler. Die Sängerin aus Wales mit der unverwechselbar rauen Stimme ist am 8. Juli im Alter von 75 Jahren gestorben. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren feierte Tyler internationale Erfolge. Zu ihren bekanntesten Songs zählen "It's a Heartache", "Holding Out For A Hero" und "Total Eclipse of the Heart". Letzterer gilt als Tylers größter Hit.
Tatsächlich scheint "Total Eclipse Of The Heart" untrennbar mit Bonnie Tyler verbunden zu sein. Trotzdem kursiert das Gerücht, dass der legendäre Musikproduzent Jim Steinman den Song, den jeder sofort an der sich wiederholenden Textzeile "Turn around ..." erkennt, ursprünglich für den 2022 gestorbenen Meat Loaf komponiert haben soll. Der Rockmusiker selbst nährte diese Spekulationen, in dem er den Titel später für sich beanspruchte.
Eine Darstellung, der sowohl Steinman als auch Tyler widersprachen. "Ungefähr zu der Zeit, als wir den Song aufnahmen, hatte Meat Loaf seine Stimme verloren. Nachdem 'Total Eclipse Of The Heart' zum Hit geworden war, sagte er immer: 'Mist! Der Song hätte mir gehören sollen!'", erinnerte sich Tyler 2023 im Gespräch mit der britischen Zeitung "The Guardian" an die Rangelei um den Kultsong.
Im selben Interview erklärte sie, dass Steinman den Song auch gar nicht explizit für sie geschrieben habe, sondern bereits Jahre zuvor daran gearbeitet hatte - für eine geplante Musical-Adaption von "Nosferatu", die nie fertiggestellt wurde.
Er habe mit "Total Eclipse Of The Heart" ein Vampir-Liebeslied schreiben wollen, bestätigte auch der 2022 verstorbene Steinman selbst in einem Gespräch mit dem Musical- und Theatermagazin "Playbill": "Der ursprüngliche Titel des Songs lautete 'Vampires in Love', weil ich gerade an einem Musical zu 'Nosferatu' arbeitete. Wenn man sich den Text genau anhört, klingen die Zeilen wie Vampir-Dialoge. Es geht um die Dunkelheit, die Macht der Dunkelheit und den Platz der Liebe in der Dunkelheit." Später recycelte er die Rock-Ballade in seiner Musical-Adaption von Roman Polanskis Kultfilm "Tanz der Vampire" aus dem Jahr 1967.
Tyler steckte ihr Herzblut in den Song
"Total Eclipse of the Heart" wurde 1983 veröffentlicht. Der Song erschien auf Tylers fünftem Studioalbum "Faster Than the Speed Of Night", das für die Sängerin, die zuvor eine berufliche Durststrecke erlebt hatte, zum Wendepunkt wurde. Wie sie "The Guardian" erzählte, wollte sie sich damals musikalisch stärker der Rockmusik zuwenden, statt weiter Country zu singen. Nachdem sie Meat Loaf live erlebt hatte, ließ Tyler den Kontakt zu dessen langjährigem Songwriter und Produzenten Jim Steinman herstellen. Nur wenige Wochen nach ihrem ersten Treffen spielte dieser ihr "Total Eclipse of the Heart" vor. Sie habe sofort erkannt, dass es sich um einen außergewöhnlichen Song handelte, erinnerte sich Tyler. Sie habe "ihr Herzblut" in die Aufnahme gesteckt.
Unabhängig von dieser Vorgeschichte wurde "Total Eclipse Of The Heart" zu Tylers größtem internationalen Erfolg und erreichte unter anderem in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins der Charts. In Deutschland schaffte es der Song auf Platz 16 und blieb 18 Wochen in den Charts. "Total Eclipse Of The Heart" wurde in den USA mit Platin ausgezeichnet und brachte Tyler eine Grammy-Nominierung ein.
Die Original-Albumversion des Liedes ist mehr als sieben Minuten lang, weswegen im Radio meistens eine gekürzte Version gespielt wird. Die für das Musikvideo verwendete Version, bei der die zweite Strophe beibehalten wurde, ist etwa fünfeinhalb Minuten lang. "Wir drehten in einer unheimlichen, gotisch anmutenden ehemaligen Irrenanstalt in Surrey. Die Wachhunde trauten sich nicht in die Räume im Erdgeschoss, in denen früher Elektroschockbehandlungen durchgeführt wurden", erinnerte sich Bonnie Tyler im "The Guardian"-Interview an die Entstehung des Videos, das dank wallender Gewänder, viel Trockeneisnebel und Grusel-Atmosphäre längst ebenso wie der Song selbst zum Klassiker wurde.