Reibeisenstimme ist verstummtTrauer um Sängerin Bonnie Tyler

Mit Hits wie "Total Eclipse of the Heart" oder "Holding out for a Hero" prägt Bonnie Tyler mit ihrer Reibeisenstimme die Rockmusik der 80er-Jahre. Nach einer Not-OP im Mai erholt sich die Sängerin nicht mehr. Nun gibt ihr Management ihren Tod bekannt.
2026 schien Bonnie Tylers Jahr zu werden. Im März war ihre neue Single "Only Love" erschienen. Fans freuten sich auf diverse Open-Air-Termine rund um den 75. Geburtstag der britischen 80er-Ikone im Sommer und weitere Konzerte bis zum Jahresende. Doch dann kam am 8. Mai die Schocknachricht: Die "Total Eclipse of the Heart"-Sängerin wurde nach einer Notoperation am Darm in ein künstliches Koma versetzt.
Die ersten Nachrichten über Tylers Gesundheitszustand hatten zuvor noch nach Glück im Unglück geklungen. Am 6. Mai 2026 teilte ihr Management auf ihrer offiziellen Internetseite mit, dass die Sängerin im portugiesischen Faro notoperiert worden war. Tyler hat dort einen Wohnsitz. "Die Operation verlief gut und sie erholt sich nun", hieß es weiter. Doch nur zwei Tage später hatte sich die Lage der Patientin leider rapide verschlechtert. "Bonnie wurde von ihren Ärzten in ein künstliches Koma versetzt, um ihre Genesung zu unterstützen", lautete das Update. Anders als bei der vorherigen Bekanntgabe wurde darum gebeten, die Privatsphäre der Familie während dieser schwierigen Zeit zu respektieren.
Nun ist es traurige Gewissheit: Tyler hat den Kampf verloren. Die Sängerin starb am 8. Juli, wie ihr Management auf ihrer offiziellen Webseite und in den sozialen Medien verkündet: "Bonnies Familie und ihr Team geben mit tiefem Bedauern bekannt, dass Bonnie gestern Abend unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal an den Folgen der Krankheit, wegen der sie behandelt wurde, verstorben ist."
Nur eine Woche vor der Operation hatte Tyler bei Instagram noch das 50. Jubiläum ihrer ersten Single "My! My! Honeycomb" gefeiert und ein Bild von damals geteilt. Insbesondere unter diesem Post häuften sich kurz nach Bekanntwerden ihrer gesundheitlichen Probleme unzählige besorgte Nachfragen von Fans. Zum Geburtstag von Tyler wünschten sich alle nur eines: Dass die Sängerin möglichst schnell wieder auf die Beine kommt. Tylers geplante Konzerte für die folgenden Monate, darunter gemeinsame Auftritte mit Chris Norman und Nena, waren zunächst noch nicht abgesagt worden.
Doch schnell war klar: Anders als im Vorjahr, als Tyler Konzerte wegen einer Knieoperation verschieben musste, war jetzt nicht an eine rasche Rückkehr auf die Bühne zu denken. Die portugiesische Zeitung "Correio da Manhã" schrieb im Mai von einer "weiterhin sehr zurückhaltenden" Prognose. Die Ärzte seien jedoch "zuversichtlich", hieß es unter Berufung auf einen langjährigen Freund der Sängerin. "Tyler wird so lange im künstlichen Koma verbleiben, bis es den Ärzten im Krankenhaus von Faro gelingt, eine schwere Infektion unter Kontrolle zu bringen, die durch einen Darmdurchbruch verursacht wurde und eine Notoperation erforderlich machte", schrieb das Blatt. Die Patientin wurde demnach mit hochdosierten Antibiotika behandelt.
Laut dem Bericht hatte Tyler bereits Wochen vor der Not-OP noch in der britischen Heimat unter gesundheitlichen Komplikationen gelitten. Diese hätten sich nach einem Konzert verschlimmert. Die Sängerin sei trotzdem an die portugiesische Algarve gereist, wo sie und ihr Ehemann einen Zweitwohnsitz hatten. Tyler habe dort zwei Tage lang krank im Bett gelegen. Dann soll ihr besorgter Mann sie in ein privates Krankenhaus habe einliefern lassen.
"Gesundheit ist alles"
Anfang März hatte Tyler noch voller Vorfreude auf ihre bevorstehende Europatournee geblickt. "Ich bin im Augenblick fit genug - klopf auf Holz - und genieße die Auftritte wirklich", sagte die Sängerin im Interview mit der britischen Promizeitschrift "Hello!". Sie fügte hinzu: "Gesundheit ist alles."
Die Bühnenshows vor Fans in ganz Europa schien sich Tyler trotz der Strapazen nicht nehmen lassen zu wollen. "Ich bin nur in dieses Business gekommen, um live zu singen", sagte sie dem Magazin. "Für mich ist das purer Genuss und ich fühle mich dadurch jung und glücklich!" Tyler hatte Fans auch neue Musik mitgebracht. Ihr 18. Studioalbum "The Best is Yet to Come" war zwar schon 2021 erschienen. Am 21. März 2026 veröffentlichte Tyler aber ihre neue Single "Only Love".
"Ich nehme immer noch neues Material auf, weil meine Fans danach lechzen", erklärte sie. Anders als so manche Kollegen hatte die Britin allerdings keine Probleme damit, auch 40 Jahre später mit ihren größten Evergreens assoziiert zu werden. "Ich singe sie immer noch liebend gern", bestätigte Tyler. Die anhaltende Treue wurde von Fans zurückgegeben. Kürzlich durchbrach das Video zu "Total Eclipse of the Heart (Turn Around)" auf Youtube die Marke von einer Milliarde Klicks.
Die Anfänge
Die Zusammenarbeit mit dem legendären Komponisten Jim Steinman, der auch für "Total Eclipse Of The Heart" verantwortlich zeichnet, veränderte das Leben der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsenen Sängerin aus einer kleinen Ortschaft in Wales. Der Song habe sie beim ersten Mal umgehauen, erinnerte sich die Künstlerin. Das dazugehörige fünfte Studioalbum der Sängerin, "Faster than the Speed of Night", debütierte in ihrer britischen Heimat auf Platz eins der Charts und feierte auch in den USA Erfolge.
Tylers Status als Grenzgängerin zwischen den Genres wurde 1984 offiziell geadelt, als sie sowohl für den Grammy als beste Popsängerin als auch als beste Rocksängerin nominiert war. Im Folgejahr trat sie erneut in der Rockkategorie an. Die Niederlage gegen Tina Turner dürfte verschmerzbar gewesen sein, war Turner doch ihr Idol aus Kindertagen.
Tyler schreibt in ihrer 2023 erschienenen Autobiografie, wie sie als Jugendliche stundenlang vor dem Spiegel und in eine Haarbürste singend Turner und Janis Joplin imitiert hatte. Tyler kam am 8. Juni 1951 als Gaynor Hopkins zur Welt. Sie hatte fünf Geschwister. Von ihrem Vater, einem ehemaligen Bergarbeiter und Soldaten, erbte sie die strahlend blauen Augen, von ihrer Mutter, einer Hausfrau, die Liebe zur Musik.
Ihre Mutter war es auch, die die kleine Bonnie zu einer Musicalaufführung in der örtlichen Kirche mitnahm. "There's no Business like Show Business" von Irving Berlin hinterließ tiefen Eindruck bei der Siebenjährigen. In dem Moment sei wahrscheinlich ihre Sehnsucht geweckt worden, vor Publikum zu singen, schrieb Tyler 2023 in ihrer Autobiografie "Straight from the Heart". Später schaute sie die Hitparaden-Sendung "Top of the Pops" und dachte: "Das kann ich auch."
"Total Eclipse", "Footloose" - und Bohlen
Schon 1976, ein Jahr nach ihrem ersten Plattenvertrag, schaffte es Tyler tatsächlich in die Fernsehsendung. Kurz darauf musste sie wegen einer Operation an den Stimmbändern eine Zwangspause einlegen. Eines Tages schrie sie sich deswegen den Frust von der Seele, was angeblich zur dauerhaften Reibeisenstimme führte, Tylers Markenzeichen. Mit "It's a Heartache" gelang ihr einige Monate später der erste große Hit.
Endgültig zum Superstar avancierte Tyler 1983, mittlerweile bei einer neuen Plattenfirma unter Vertrag, dann aber eben mit "Total Eclipse of the Heart (Turn Around)". Föhnwelle und starke Schulterpolster im Gegenlicht – auch das Musikvideo zur Single, die im Februar 1983 Premiere feierte, war 80er-Rock vom Feinsten. Das Lied mit fast schon Wagnerischem Bombast verkaufte sich über sechs Millionen Mal und wurde zu einer der erfolgreichsten Singles aller Zeiten. Exakt zehn Jahre später wiederholte Komponist Steinman den Erfolg mit dem ähnlich klingenden Hit "I'd Do Anything for Love (But I Won't Do That)" von Meat Loaf.
Steinman produzierte auch den Tyler-Klassiker "Holding out for a Hero" (1984) der auf dem Soundtrack zum Film "Footloose" erschien. Hits dieses Kalibers gelangen Tyler in der Folge zwar nicht mehr, sie blieb aber konstant aktiv und im Gespräch, etwa durch die Zusammenarbeit mit Mike Oldfield oder als sie 2013 beim Eurovision Song Contest lediglich den 19. Platz für das Vereinigte Königreich holte. In Deutschland blieb Tyler besonders beliebt und arbeitete Anfang der 90er-Jahre mit Dieter Bohlen zusammen, der für sie den Charterfolg "Bitterblue" schrieb.
"Wenn man auf Stimmbänder steht, kommt man an einer nicht vorbei: Bonnie Tyler", lobte Bohlen später, attestierte der Sängerin - und ihrem Manager-Ehemann Robert Sullivan - jedoch mangelhafte künstlerische und kommerzielle Instinkte. Tyler fand ihr privates Glück bereits 1973, also noch vor ihrem ersten Plattenvertrag, mit dem ehemaligen Judoka, Olympioniken und Immobilienentwickler. Sullivan ist laut Medienberichten ein Großcousin der Schauspielerin Catherine Zeta-Jones. Tyler wartete ihrer Karriere zuliebe mit dem Kinderkriegen. Mit 39 wurde sie schwanger, verlor das Baby aber nach wenigen Monaten. Der Gedanke "Es hat nicht sollen sein" habe ihr sehr geholfen, sagte Tyler Jahrzehnte später.