Unterhaltung
Den Schwestern bleiben sechs Tage, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.
Den Schwestern bleiben sechs Tage, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.(Foto: picture alliance / Jürgen Olczyk)
Donnerstag, 24. Mai 2018

Trotz Hummer und Champagner: "Euphoria" - Familiendrama im Endstadium

Von Linn Rietze

Emilie hat nur noch wenige Tage zu leben. Ines fällt es schwer, das zu begreifen. Ein letzter gemeinsamer Urlaub soll den beiden Schwestern helfen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Ein Versuch, sich mit Sterbehilfe auseinanderzusetzen.

Ines und Emilie führen zwei Leben, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während sich Emilie (Eva Green) über Jahre um ihre depressive Mutter kümmert, verlässt Ines (Alicia Vikander) ihre Familie, um in der internationalen Künstlerszene aufzusteigen. Und während Emilie die Beerdigung der Mutter plant, hat Ines einen heißen Dreier in einem Hotelzimmer in Spanien. Viele Jahre ohne Kontakt vergehen, bis sich die beiden Schwestern für einen gemeinsamen Urlaub wiedersehen.

Emilie möchte mit ihrer entfremdeten Schwester an den "schönsten Ort der Welt", den sie bis zur letzten Sekunde geheim hält. Bei dem angespannten Wiedersehen am Flughafen und der Weiterfahrt in die Schweiz in einer Limousine wird deutlich: Beide begeben sich mit gemischten Gefühlen und unterschiedlichen Erwartungen in das Abenteuer, das sie erwartet. Emilies aufgesetzte Freude und vergebliche Versuche mit Champagner und Hummer, sich im Urlaub wieder näherzukommen, funktionieren bei der kühlen Ines offensichtlich nicht.

Schwieriges Verhältnis: Ines und Emilie im "Urlaub".
Schwieriges Verhältnis: Ines und Emilie im "Urlaub".(Foto: picture alliance / Jürgen Olczyk)

Der "schönste Ort der Welt" entpuppt sich nach anfänglichem Rätseln als Schweizer Luxus-Hospiz mit aktiver Sterbehilfe. Denn Emilie ist todkrank und möchte nur noch sechs Tage leben. Die ihr verbleibende Zeit will sie auf dem idyllischen Anwesen nutzen, um mit ihrer Schwester ins Reine zu kommen, die mit der Offenbarung nicht umzugehen weiß. Im Wettlauf mit der Zeit geraten sie in eine Situation, die sie zwingt, sich ihrer Realität zu stellen und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, die Ines verdrängen wollte und Emilie nie loslassen konnte.

Das Schwesterndrama "Euphoria" ist ein zaghaftes Experiment der schwedischen Regisseurin Lisa Langseth, sich mit dem komplexen Thema Sterbehilfe auseinanderzusetzen. Leider scheitert ihr Ansatz schon zu Beginn des Films und zieht sich qualvoll durch die gesamte Handlung. Langseth kratzt an der Oberfläche schwer verdaulicher Lebensumstände, statt an nötigen Stellen in die Tiefe zu gehen und eine runde Geschichte zu erzählen. Ihr Versuch, Spannung aufzubauen, wo keine hingehört, ist irreführend und lässt den Film für ein paar Szenen in skurrile Genres - "Psycho" lässt grüßen - abdriften, die mit dem eigentlichen Geschehen nichts zu tun haben.

Die Schicksale der Charaktere und die Last, die sie auf den Schultern tragen, würden ausreichen, um die Handlung zu tragen, werden jedoch nicht genutzt. Übrig bleiben aufgesetzte, platte Konflikte und  klischeehafte Protagonisten. Daran können leider auch die - dennoch überzeugenden - schauspielerischen Leistungen von Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander ("The Danish Girl") und Eva Green ("James Bond 007: Casino Royale") wenig ändern. Schön anzusehen ist der Film dank der farbenfrohen Kulisse, musikalischen Einspielungen und Lichteffekten trotzdem.

"Euphoria" startet am 24. Mai in den deutschen Kinos.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de