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"Es gab keinen Schweigedeal"Fall Ofarim: Jetzt meldet sich der Hotelmitarbeiter W. zu Wort

09.02.2026, 21:34 Uhr
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Gil Ofarim bei dem Prozess im Jahr 2023. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Gil Ofarim warf dem Hotelmitarbeiter Markus W. Antisemitismus vor und gestand dann später ein, die Vorwürfe fabriziert zu haben. Der zu Unrecht Beschuldigte äußerte sich bislang nicht öffentlich. Nach Ofarims Dschungelcamp-Sieg scheint die öffentliche Stimmung zu kippen, weswegen W. sein Schweigen bricht.

Der Hotelmitarbeiter, dem der Sänger Gil Ofarim fälschlicherweise Antisemitismus vorgeworfen hatte, hat sich das erste Mal öffentlich zu der Situation geäußert. Der Fall war durch Ofarims Auftritt im RTL-Dschungelcamp wieder in die Öffentlichkeit gerückt. Zur Erinnerung: Ofarim gestand im Jahr 2023 bei einem Verleumdungsprozess gegen sich ein, Markus W. fälschlicherweise beschuldigt zu haben, ihn wegen seiner Davidstern-Kette beim Hotel-Check-in diskriminiert zu haben. Er entschuldigte sich und das Verfahren wurde eingestellt. Dem Hotelmitarbeiter musste er ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zahlen, sowie 10.000 Euro je zur Hälfte an die Jüdische Gemeinde zu Leipzig und an den Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz.

In dem aktuellen Interview mit der "Zeit" schilderte der Hotelmitarbeiter nun, dass Ofarim vor der fraglichen Situation im Oktober 2021 im Hotel wegen einer technisch bedingten 20-minütigen Wartezeit aufgebracht gewesen sei und gedroht hätte, seinem Ärger im Internet Luft zu machen. "Als er an der Reihe war und seine Karte bekommen sollte, da sprach er mich an. Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte", beschrieb der Hotelmitarbeiter Markus W. die Szene. "Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. Ofarim klatschte dabei in die Hände und sagte: Bäm, bäm, bäm."

Daraufhin habe er Ofarim den Meldeschein weggezogen und gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht Gast im Hotel sein könne. Ofarim verließ im Anschluss das Hotel und nahm auf einem Bordstein sitzend ein Video auf, in dem er Markus W. Antisemitismus vorwarf. Am nächsten Tag postete er es auf Instagram.

Von dem Video erfuhr W. laut Interview auf dem Weg zur Arbeit. Er habe es nicht glauben können. "Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. Sämtliche Mitarbeiter hatten es schwer, mit dieser Situation umzugehen, weil einen darauf auch niemand vorbereiten kann", beschrieb er. Aus Sicherheitsgründen sei er daraufhin nach Hause geschickt worden. Seine Social-Media-Konten seien "übergelaufen", auch von einer Morddrohung per E-Mail berichtet er. Sein damaliger Chef habe am Abend angerufen, um ihm anzubieten, ihn für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen. "15 Minuten später holte mich eine Limousine ab. Es war wie in einem Film", erinnerte sich W.

Er zog sich daraufhin vollkommen zurück und mied in den Wochen nach dem Video auch Familienfeiern, "aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin". Er habe gewusst, dass die Situation sein berufliches Ende bedeuten könnte. Der 37-Jährige arbeitet heute weiterhin in der Hotelbranche, jedoch nicht mehr im selben Hotel.

"Ist es denn nie vorbei?"

Im Dschungelcamp hatte Ofarim zunächst viele Fragen seiner RTL-Mitcamper zu dem Fall unbeantwortet gelassen und sich auf eine angebliche Verschwiegenheitserklärung berufen. Im Gespräch mit Mitcamperin Simone Ballack äußerte sich der Musiker dann doch noch zu dem Fall. Mit nebulösen Aussagen schien Ofarim in der Sendung etwa nahezulegen, mit den für den Prozess ausgewerteten Kameraaufnahmen des Hotels habe womöglich etwas nicht gestimmt. Die Andeutungen des Musikers im Dschungelcamp wirkten auf ihn "sehr befremdlich" und würden ihn massiv ärgern, so W. Er habe sich auf die Einstellung des Verfahrens eingelassen, weil er "die Sache endlich abschließen wollte". Nun frage er sich: "Ist es denn nie vorbei?"

"Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen - ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen", stellte W. klar. Es gäbe auch keinen Schweigedeal oder eine Verschwiegenheitsverpflichtung, wie es Ofarim in der Sendung immer wieder betont hatte. Das Einzige, was der Musiker nicht wiederholen dürfe, sei die Unwahrheit über W. - also dass der ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette nicht ins Hotel gelassen habe. Die 20.000 Euro Schadensersatz, die er von Ofarim bekommen soll, habe er noch nicht erhalten.

W. habe ursprünglich keine Interviews gegeben, da er darauf vertraut habe, "dass in unserem Rechtsstaat die Wahrheit herauskommt". Nun habe er jedoch das Gefühl, dass die öffentliche Wahrnehmung des Falles wieder kippe. "Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich", sagte er.

Quelle: ntv.de, toh

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