Unterhaltung

Der mit dem Herzblut George Michael, you have been loved

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Von vielen angehimmelt: George Michael

(Foto: dpa)

Hatte man damit gerechnet? Man hat es zumindest befürchtet, und gebetet, dass es nicht passieren würde, doch nun ist George Michael gestorben. Ein weiterer, großer Verlust in einem Jahr, das so tragisch endet wie es anfing.

Friedlich eingeschlafen? Das soll ein Witz sein, aber ein schlechter, oder? Mit 53 schläft man nicht friedlich ein. Mit 53 will man leben! Aber so heißt es - George Michael sei friedlich eingeschlafen. Dabei wollte er doch ein neues Album aufnehmen - er wirkte im vergangenen Sommer eigentlich recht fit. Wenn man einen Wunsch frei hätte, wen man noch hätte interviewen wollen, dann hätte man gesagt: George Michael, den würde ich gerne interviewen. Denn George Michael wirkte so friedlich, lässig, freundlich, ein Vollblutmusiker, der hinter dem steht, was er produziert. Jemand eben, der gerne über seine Kunst, seinen Beruf spricht. Der nicht einfach nur Promotion machen würde, sondern einer, der auch immer ein bisschen sein Herzblut verkauft.

Dieser George Michael, der Mann, der es schaffte, auch die härtesten Männer zum "Blues" auf die Tanzfläche zu bekommen, wenn "Careless Whisper" oder "Praying For Time" erklang, ist nun in England gestorben. Ausgerechnet zu Weihnachten. Damit ist dann ein Jahr fast beendet, das damit begann, dass David Bowie starb.

"Ich steh' nicht auf euch, Mädels"

Viele Menschen werden nun sagen: "George Michael hat den Soundtrack meines Leben geliefert." Was haben wir ihn damals in den 80-ern angeschwärmt, als er mit "Wham", der Band, die er mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley gegründet hatte, glatt und bubimäßig auf die Bühne trat. Ein Sonnyboy, der die Frauen verrückt machte, während in ihm alles schrie: "Ich steh' aber nicht auf euch, Mädels, ich steh' auf die Boys!" Sein Outing – ein komplizierter Prozess, vor allem deswegen, weil man ihm jahrelang einredete, dass das keine gute Idee sei.

Es stellte sich jedoch heraus, dass das den musikalischen Erfolgen und auch den Schwärmereien aus der Damenwelt nichts anhaben konnte: Songs wie "Wake Me Up Before You Go Go", "Last Christmas" und "I'm Your Man" gingen durch die Decke. Auf der einen Seite - also von Anfang an - der Erfolg, auf der anderen immer wieder private Skandale und Gesundheitsprobleme. Selbst der Wechsel zum Solokünstler gelang ihm scheinbar mühelos.

Als Fan war man häufig in großer Sorge um ihn - momentan aber, ehrlich gesagt, nicht. Da sitzt man nun, fett und bräsig von all dem Weihnachtsessen, dem Alkohol, die Geschenke verstreut, die Freunde gegangen, und blöderweise liegt irgendein Handy doch in der Nähe, auf das man schaut - und man liest die "Breaking News": "George Michael ist tot". Was genau passiert ist, wissen wir noch nicht.

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Mit Lebensfreude: George Michael singt gemeinsam mit Stevie Wonder im Jahr 1997.

(Foto: AP)

Was wir wissen ist, dass eine Lungenentzündung den Superstar bereits 2011 in Wien fast umgebracht hätte. Seine Tournee musste er damals abbrechen, und wenn damals die Nachricht gekommen wäre, dass er, der mit dem wunderschönen Namen Georgios Kyriakos Panagiotou als Sohn griechisch-zypriotischer und englischer Eltern in Municipial Borough of Finchley 1963 (ab 1965 zu London gehörend) zur Welt kam, gestorben wäre, dann hätte man es eher geglaubt.

Angeblich hatte er sich wieder erholt, und er verarbeitete seine Erfahrungen im Song "White Light", 2012 sah man ihn bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London. Dann jedoch wieder ein Schock: Der Sänger "fiel" aus einem fahrenden Auto auf die Autobahn. Was genau passiert war, wurde nie richtig geklärt. George Michael war aber schon immer jemand, bei dem man sich alles vorstellen konnte: Er war ein Superstar, und obendrein noch jemand, der es liebte, in Extremen zu leben. Michael war schon mehrfach mit Drogen im Blut hinter dem Steuer erwischt worden, musste deshalb seinen Führerschein abgeben, Sozialstunden ableisten und 2010 sogar acht Wochen ins Gefängnis. Dennoch schaffte er es - für den äußeren Betrachter - immer wieder halbwegs unbeschadet da herauszukommen.

Michael war ein wunderbarer Mensch, einer, der andere mit seiner Stimme zum Weinen bringen konnte, mit dieser Stimme, aus der so viel Gefühl und Stärke klang. Die, die ihn kannten, sagen, er sei ein lieber, ein herzlicher Mensch gewesen, ein normaler Freund ohne Allüren und einer, der anpacke, ohne viele Worte drum zu machen. Elton John (mit dem er "Don't Let The Sun Go Down On Me" sang) sagt, er sei am Boden zerstört, und das ehemalige Spice-Girl Geri Horner verliere "eine Art Bruder", wie die "DailyMail" sie zitiert. Die Menschen fühlten sich berührt von ihm, besonders, wenn sie ihn in einem Konzert gesehen hatten, oder ihn persönlich erleben durften.

"Es war fast bizarr"

Nach den großen "Wham"-Erfolgen erlebte er in den 90er-Jahren viele persönliche Schicksalsschläge - vor allem der Tod seiner Mutter und seines Lebensgefährten stürzten ihn in tiefe Krisen, wie er damals offen zugab: "So vielen Menschen, die ich liebte, passierten schreckliche Sachen. Es war fast bizarr." Seine eigene Biografie auf seiner Internetseite jedenfalls eröffnete Michael mit äußerst symbolträchtigen Worten: "Alle wissen, wer George Michael ist. Oder zumindest denken sie, sie wissen es." Dass man ihn jetzt nicht mehr besser oder überhaupt kennenlernen kann, ihn nicht mehr hören wird, dass es keine neue Musik mehr geben wird, versetzt die Musikwelt in tiefe Trauer.

Wo auch immer er jetzt sein mag, er hat hoffentlich seinen "Freedom", sein "Faith" und seinen Frieden gefunden und tanzt mit den Super-Models Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Naomi Campbell, Christy Turlington und Cindy Crawford zu einem seiner größten Erfolge. Er wird nun eine Menge Leute, die dieses Jahr ebenfalls von uns gegangen sind, im Himmel treffen, und sie werden die beste Band der Welt gründen. George Michael, you have been loved.

Quelle: ntv.de, mit dpa