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Ausraster und mieses Benehmen? König Charles III. steht mächtig unter Druck

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Noch keine Woche ist er im Amt, da wird öffentlich bereits das ungebührliche Verhalten von König Charles III. diskutiert. Offenbar liegen die Nerven bei dem 73-Jährigen immer mal wieder blank. Nachvollziehbare Gründe dafür gibt es aber auch wirklich genug.

Nach 70 Jahren als Thronfolger ist der einstige Prinz Charles aus der zweiten royalen Reihe in die erste vorgerückt und steht nach dem Tod von Queen Elizabeth II. am vergangenen Donnerstag plötzlich im Fokus der Berichterstattung. Es liegt in der Natur der Sache, dass ihn diese enorme Aufmerksamkeit in der Phase der tiefsten Trauer um seine Mutter erwischt. Dennoch dürften auch deswegen die Nerven des 73-Jährigen gerade so manches Mal blank liegen.

In den vergangenen Wochen besuchte Charles die Queen täglich, war in ihren letzten Tagen und Stunden an ihrer Seite und hat sicherlich noch so manche Wünsche und Anweisungen für die ihm bevorstehenden Aufgaben von ihr erhalten. Was genau Elizabeth ihrem Sohn für den Job als Oberhaupt der britischen Monarchie, den sie immerhin 70 Jahre lang bekleidete, konkret mit auf den Weg gab, bleibt sein Geheimnis. Doch der Druck, der seither auf ihm lastet, ist immens.

Von der Vergangenheit eingeholt

Bisher hatte die Presse über Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor alias einfach nur Charles eher am Rande berichtet. Zum Beispiel dann, wenn er mit seiner Ehefrau Camilla fremde Länder bereiste, sich beim Backen oder beim Bäumepflanzen fotografieren ließ oder als Stellvertreter seiner zuletzt geschwächten Mutter öffentliche Termine wahrnahm. Aktuell werden im Zuge der Berichterstattung aber auch gern wieder ältere Skandale des Ex-Prinzen ans Tageslicht gekramt, wie die gescheiterte Ehe mit Prinzessin Diana und das noch vor der Scheidung getätigte, äußerst schlüpfrige Telefonat mit seiner damaligen Geliebten Camilla.

Jetzt ist es Charles' Konterfei, das die Titelblätter ziert. Die Öffentlichkeit beobachtet den royalen Senior auf Schritt und Tritt, und aufgrund der aktuellen Situation macht er davon gerade ziemlich viele. Man darf dabei nicht vergessen, dass der neue König im November bereits seinen 74. Geburtstag feiern wird. Während er beruflich noch einmal ganz von vorn anfängt, sind die meisten anderen seines Alters längst in Rente.

Mit welchen körperlichen Einschränkungen der König womöglich bereits zu kämpfen hat, lässt sich nur vermuten. So regt der Anblick seiner Hände schon seit geraumer Zeit zu Spekulationen über seine Gesundheit an, denn diese sind ungewöhnlich stark angeschwollen und rot verfärbt. Schon während eines Besuchs in Australien scherzte Charles 2019 selbst über seine "Wurstfinger".

Gestresst wegen eines Füllers

Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht gab im Gespräch mit RTL allerdings Entwarnung. "Grundsätzlich könnte es eine Arthritis, eine Gelenkentzündung sein, die mit Schwellungen einhergeht. Aber dass auch der Handrücken geschwollen ist, ist Indiz für ein Ödem." Solche Wassereinlagerungen seien bei älteren Menschen nicht unüblich und kein Anlass zu echter Sorge. Nerven dürfte ihn das Ganze dennoch, was sein zuletzt stark kritisiertes Verhalten bei der Unterzeichnung etwaiger Papiere erklären könnte.

Zweimal innerhalb weniger Tage verlor er bei einem solchen Termin nämlich die Nerven. Bei der Unterzeichnung seiner Proklamation am Samstag ärgerte er sich über die Position eines Tintenfässchens und forderte seine Bediensteten mit herrischer Geste auf, das Utensil umzustellen. Nun kursiert ein neues Video, das bei seinem Besuch in Nordirland aufgenommen wurde. Darin schimpft er über einen offenbar auslaufenden Füllfederhalter, als er sich ins Gästebuch der königlichen Residenz eintragen will. "Ich kann dieses verdammte Ding nicht leiden." Ist er wirklich wütend auf Tintenfass und Füller oder lenkt er so lediglich davon ab, dass ihm das Greifen und Unterschreiben aufgrund seiner "Wurstfinger" schwerfällt?

Aber Charles ist kritische Berichterstattung durchaus gewohnt. Als Thronfolger widmete er sich der ökologischen Landwirtschaft und dem Naturschutz und erntete dafür immer wieder Spott, genauso wie für seine kritischen Äußerungen zu moderner Architektur. Und auch Stress und Ärger kennt er als ehemaliger Prinz gut. So führte er mal mit der Zeitung "The Guardian" einen Rechtsstreit wegen der sogenannten "Black Spider Memos". Darin soll der damalige Thronfolger 2004 und 2005 versucht haben, politischen Einfluss auf Politiker zu nehmen. Kürzlich erst wurde zudem bekannt, dass er als Prinz wohl mehrere Millionen Pfund von der Familie des getöteten Terroristen Osama bin Laden sowie auch Geld aus Katar angenommen hat.

Ungeliebter König?

Sicher auch deswegen wünschen sich laut britischer Medien viele Briten Prinz William als Oberhaupt des Königshauses. Das zu wissen, ist sicherlich kein schönes Gefühl für den neuen König. Überhaupt fällt der Beginn seiner Regentschaft in eine politisch und wirtschaftlich schwierige Zeit: Gerade erst hat Liz Truss den über seine Skandale gestürzten Boris Johnson als Premierministerin abgelöst, die britische Bevölkerung leidet unter der hohen Inflation und wachsender Armut. Dazu kommt dann noch dicke Luft innerhalb der eigenen Familie. Charles' Verhältnis zu seinem jüngsten Sohn Harry und dessen Ehefrau Meghan ist seit deren Abkehr vom Königshaus gestört. All das kann auch einen Mann seines Standes schon mal nervös und miesepetrig machen.

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In den vergangenen 20 Jahren dürfte es zudem öfter an seinem Selbstbewusstsein gekratzt haben, immer im Schatten seiner Mutter zu stehen. Die Queen dachte zeit ihres Lebens gar nicht daran, den Thron zu räumen und ihn ihrem Sprössling zu überlassen. Traute sie ihm die Regentschaft womöglich bis zuletzt nicht zu und zweifelt nun auch er an sich? Nicht selten wurde - wenn auch scherzhaft - gemutmaßt, dass Elizabeth ihren ältesten Sohn noch überleben und er den Posten des Königs niemals bekleiden würde. Ob Charles diese Befürchtung teilte, ist nicht bekannt.

Bei all dem Stress hilft es der Laune auch nicht, Erbe der Millionen seiner Mutter zu sein. Reich war Charles schließlich schon vorher, mit dem sprichwörtlichen "goldenen Löffel" im Mund geboren. Um seine finanzielle Situation musste er sich - im Gegensatz zu seinem in Ungnade gefallenen Bruder Andrew - noch nie Sorgen machen. Auch musste er vermutlich nie im Haushalt mit anpacken, ist es gewohnt, alles nachgetragen zu bekommen. Dass er sich jetzt in den Ohren Außenstehender seinen Bediensteten gegenüber im Ton vergreift, ist für die Betroffenen selbst vermutlich nicht einmal eine Besonderheit.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 14. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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