Unterhaltung

Prozessauftakt in New York Harvey Weinstein steht ab heute vor Gericht

Vor rund zwei Jahren werden die ersten Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen Harvey Weinstein laut. Nun startet in New York der mit Spannung erwartete Prozess gegen den gefallenen Hollywood-Produzenten. Bis ein Urteil fällt, könnte es aber noch dauern.

Harvey Weinstein muss sich ab heute wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung vor Gericht verantworten. Allerdings dauert es noch eine Weile, bis die ersten Zeugen gehört werden, denn zunächst muss Richter James Burke am Obersten Bundesgericht des Bundesstaates New York in Manhatten die Jury auswählen. 

Insgesamt werfen über 80 Schauspielerinnen, aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen Weinstein sexuelle Übergriffe vor, darunter zahlreiche Prominente wie Salma Hayek, Angelina Jolie, Uma Thurman und Ashley Judd. Vieles davon reicht bis in die 1990er-Jahre zurück und ist inzwischen verjährt. Im Prozess geht es nun nur noch um die Vorwürfe zweier Frauen. Eine von ihnen soll der Filmproduzent 2006 zum Oralverkehr gezwungen haben, die andere hat ihn wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung im Jahr 2013 angezeigt. Sollte der 67-Jährige tatsächlich dafür verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. 

Prozess nach Einigung

Die Anschuldigungen gegen Weinstein wurden im Herbst 2017 von der "New York Times" und dem Magazin "New Yorker" erstmals veröffentlicht und traten die #MeToo-Debatte überhaupt erst los. Den inzwischen mit einem Pulitzer-Preis bedachten Artikeln folgte eine Welle der Vorwürfe gegen den Filmmogul. Im Mai 2018 stellte er sich in Manhattan der Polizei und kam so seiner Festnahme zuvor.

Vor etwa einem Jahr sah es so aus, als könnte der Prozess gegen ihn platzen. Damals sollte über mutmaßliche Straftaten gegen drei Frauen verhandelt werden, doch Richter Burke ließ die Vorwürfe von einer der Frauen nicht zu. Und Mitte des vergangenen Monats berichtete die "New York Times", Weinstein habe eine Einigung mit rund 30 Frauen geschlossen, die einer finanziellen Kompensation zugestimmt hätten. Dieser Deal würde fast jeden Prozess gegen Weinstein und seine frühere Firma beenden, hieß es dort weiter, denn diese Frauen könnten nun nicht mehr rechtlich gegen ihn vorgehen. Die dafür benötigten rund 25 Millionen US-Dollar, umgerechnet 22 Millionen Euro, sollen von den Versicherungen seiner inzwischen insolventen Produktionsfirma Weinstein Company übernommen werden.

Zeugenaussage trotz Verjährung

Mit umso mehr Spannung wird also der nun startende Prozess in Manhattan beobachtet, bei dem es darum geht, ob die verhandelten Fälle auch vor dem Strafgericht bestehen. Die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass sich Weinstein der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat und diese wiederholt verübt wurden. Der Angeklagte selbst betont nach wie vor, sämtliche Handlungen hätten einvernehmlich stattgefunden. Allerdings wird auch "Sopranos"-Darstellerin Annabella Sciorra als Zeugin aussagen, obwohl ihr eigener Fall bereits verjährt ist. Sie hatte davon berichtet, wie Weinstein sie in ihrem Apartment vergewaltigt und sie noch jahrelang verfolgt und belästigt habe. 

Ähnlich war es beim Prozess gegen Bill Cosby im April 2018. Hier wurde lediglich der Fall von Andrea Constand aus dem Jahr 2004 verhandelt, wobei fünf weitere mutmaßliche Geschädigte gegen den Schauspieler aussagten. Insgesamt warfen dem Komiker aber noch viele weitere Frauen vor, er habe sie unter Drogen gesetzt und sexuell attackiert, auch hier war vieles davon jedoch verjährt. Der 81-Jährige sitzt inzwischen eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren ab, die Berufung gegen das Urteil wurde erst im Dezember abgelehnt. Das Urteil im Prozess gegen Weinstein könnte noch etwa zwei Monate auf sich warten lassen, so lange wird der Prozess aller Voraussicht nach dauern.

Quelle: ntv.de, nan