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Sänger äußert sich erneut Hotel-Mitarbeiter widerspricht und zeigt Gil Ofarim an

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Gil Ofarim freut sich über den Zuspruch, wünscht sicher aber vor allem, dass sich in Zukunft etwas ändert.

(Foto: imago images/Future Image)

Seit Dienstag schlägt ein vermeintlich antisemitischer Vorfall in einem Hotel in Leipzig hohe Wellen. Öffentlich gemacht hat ihn Gil Ofarim. Inzwischen hat ein Hotelmitarbeiter den Musiker wegen Verleumdung angezeigt. In einem RTL-Interview spricht Ofarim nun noch einmal über die Ereignisse.

Am Montagabend wollte Gil Ofarim in dem Hotel "The Westin Leipzig" einchecken und wurde dort offenbar abgewiesen, weil er eine Kette mit einem Davidstern um den Hals trug. Darüber berichtete der Sänger mit den jüdischen Wurzeln am folgenden Tag bei Instagram und zeigte sich sichtlich bewegt. Das Video hat mittlerweile mehrere Millionen Aufrufe, wurde vielfach in den sozialen Medien geteilt.

Seither erfährt Gil Ofarim von vielen Seiten Zuspruch. Nicht nur im Internet äußerte sich unter anderem der Zentralrat der Juden zu dem Vorfall. Auch demonstrierten Hunderte Menschen am gestrigen Abend vor dem Hotel gegen Antisemitismus.

Einige der Hotelmitarbeiter wurden laut "The Westin Leipzig" vorerst beurlaubt. Einer von ihnen wirft Ofarim nun Verleumdung und Bedrohung vor und hat Anzeige gegen ihn erstattet. Der Mann schildere den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers", so ein Sprecher der Leipziger Polizei.

Ofarim überrascht von der Resonanz

Nun spricht Gil Ofarim in einem Interview mit RTL noch einmal über die Ereignisse seit Montag. Inzwischen ginge es ihm besser, so der 39-Jährige, die vergangenen zwei Tage seien "verrückt" gewesen. "Ich bin froh und dankbar, dass doch so viele Menschen ein Zeichen gesetzt haben und gegen Antisemitismus sind." Zwar habe er sich das gewünscht, so Ofarim weiter, doch "dass das Lauffeuer so groß wird, hätte ich nicht gedacht".

Nachdem er von dem Mitarbeiter an der Rezeption aufgefordert worden sei, den Stern "wegzupacken", um einchecken zu können, habe er das Hotel sofort verlassen, so Ofarim weiter. "Ich wollte dort nicht mehr sein", erklärt er. Der Versuch, direkt mit der Geschichte bei Instagram live zu gehen, scheiterte, weil die App am Montagabend down war. So nahm er erstmal nur das Video auf.

Dann hätten ihn die Verantwortlichen der Fernsehshow, an der er zuvor teilgenommen hatte, am Hotel abgeholt, erklärt Ofarim weiter. Wie schon in seinem Instagram-Post richtet er seinen Dank an sie sowie die Kollegen Jeanette Biedermann und Gregor Meyle, die ihm anschließend zur Seite gestanden hätten.

"Es passiert jeden Tag"

Am nächsten Morgen habe er lange überlegt, ob er den Clip vom Vorabend überhaupt posten solle. "Letztendlich habe ich es getan, weil Antisemitismus in Deutschland nie wirklich weg gewesen ist. Das Problem ist, es ist mittlerweile salonfähig, dass man solche Sprüche in einem Hotel bekommt. Was mich traurig macht: Es passiert erst etwas, wenn eine Person des öffentlichen Lebens so etwas postet, aber es passiert jeden Tag auf deutschen Straßen."

Solidarität sei großartig, fährt Ofarim fort. "Aber wird auch wirklich was passieren danach? Ein Repost ist schnell gemacht. Aber wird sich etwas ändern in der Zukunft? Das würde ich mir nämlich wünschen." Ein Rezept, wie das Problem Antisemitismus zu lösen sei, habe er nicht. "Das Einzige, was wir machen können, ist den Mund aufzumachen, Zivilcourage zeigen, denn ich war da allein. Mir hat da keiner geholfen oder sich an meine Seite gestellt. Bildung ist das Wichtigste, man muss schon früh aufklären, zu Hause, in den Schulen. Ich glaube, das ist der einzige Weg."

Nicht der erste Vorfall in dem Hotel?

Gil Ofarim ist übrigens nicht der Erste, der in "The Westin Leipzig" eine diskriminierende Behandlung erfahren haben soll. Auf den aktuellen Vorfall hin meldete sich Piero Vecchioli, Manager von Patricia Kelly, zu Wort.

Er erklärt in einem Statement, das RTL vorliegt, im vergangenen Jahr von einem Mitarbeiter des Hotels homophob beleidigt worden zu sein. Vecchioli habe sich damals über das nicht gut gereinigte Zimmer beschwert. Der Manager des Hotels sei daraufhin hochgekommen und habe "an die Türe gepoltert". Als Vecchioli ihm öffnete, habe er ihn von oben bis unten angeschaut und gesagt: "Wegen dir, du Drecksschwuchtel, bin ich jetzt hier raufgekommen?'" Vecchioli, ein gebürtiger Schweizer, solle "so schnell wie möglich in das Scheißland zurückreisen", wo er herkomme.

Das Hotel habe Piero Vecchioli nach einer entsprechenden Beschwerde dann auch noch Hausverbot erteilt. In einer Mail an Patricia Kellys Label Universal Music heißt es seitens des Hotels, er habe "gegen alle Regeln der Hausordnung" verstoßen und man sei ab jetzt "nicht mehr das richtige Hotel für ihn".

Quelle: ntv.de, nan/RTL

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