Unterhaltung

Gene Simmons, der Trump von Kiss "Ich brauche keine künstliche Hüfte"

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Der glücklichste Kerl der Welt: Gene Simmons.

(Foto: dpa)

Die Assistentin von Kiss-Bassist Gene Simmons hat auch keinen einfachen Job: Drei Mal ruft sie aus Amerika an, um das geplante Telefoninterview zu verschieben: Flug verpasst, Tornado-Warnung in Texas, einfach zu viele Termine - man kennt das ja. Als n-tv.de die berühmte Kiss-Zunge dann endlich an der Strippe hat, zeigt sich diese total entspannt. Es muss die Ruhe vor dem Sturm sein: Denn am 25. Mai ist Kiss-Tag! Die US-Hardrock-Legende (100 Millionen verkaufter Platten) bringt ihren Konzertfilm "Kiss Rocks Vegas" rund um den Globus für einen Tag in die Kinos. Da kann auch ein Musik-Schwergewicht wie Gene Simmons schon mal zur Ente werden.

Gene Simmons: Guten Tag, Katja!

n-tv.de: Oh, Sie sprechen deutsch, Mister Simmons?

Klar, sprechen Sie kein deutsch? Können Sie auch ungarisch sprechen? Ich habe ja ungarische Wurzeln. Katja ist doch ein ungarischer Name! Katja ist auf Ungarisch eine Duck.

Sie meinen Dog, einen Hund?

Nein, eine Duck, eine Ente. Quak Quak!

Achso. Danke für die Aufklärung! (Spätere Recherchen ergeben, dass Ente auf Ungarisch "kacsa" heißt, Anm. d. Red.) Wo erwische ich Sie denn gerade, Mister Simmons?

Ich bin in unserem Haus in Kalifornien und sitze neben meiner wunderbaren Frau Shannon. Das Wetter ist perfekt. Wir fühlen uns gesegnet.

Schön zu hören, dass Ihre Ehe wenigstens noch intakt ist. Aus anderen Familien gab es ja jüngst nicht so gute Nachrichten.

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Eine ganz normale Familie: Nick, Sophie, Gene und Shannon bei den Grammy Awards im Februar 2016

(Foto: Jordan Strauss/Invision/AP)

Oh ja, das mit Ozzy und Sharon (Osbourne, Anm. d. Red.) finde ich wirklich sehr sehr traurig. Ich kenne die beiden gut. Aber was mich betrifft, bin ich der glücklichste Kerl der Welt.

Neun Mal sind Sie mit Kiss in Las Vegas aufgetreten. Fühlt man sich da nicht wie Céline Dion?

(lacht) Nein, denn zum einen machen wir mehr Krach, zum anderen war es bei uns auch nicht so geplant. Wir wollten eigentlich nur neue Technologie in Vegas für unsere Shows austesten. Irgendwann sagten wir uns: Warum machen wir aus den Proben nicht richtige Konzerte?

Was haben Sie denn getestet?

Eine fliegende Untertasse zum Beispiel! Das war allerdings das Dümmste, was wir jemals ausprobiert haben. Denn da gibt es kein Netz - wenn du runterfällst, bist du tot! Nach zwei Shows habe ich es sein gelassen.

So ein Bühnentod wäre also nichts für Sie?

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Popcorn und Blutspucken

(Foto: AP)

Nein, wenn meine Zeit gekommen ist, möchte ich zu Hause im Kreise meiner Familie sterben.

Wenn man Kiss schon live gesehen hat: Warum sollte man dann am Mittwoch ins Kino gehen?

Weil wir nicht überall gleichzeitig auf der Welt touren können. Es gibt bestimmt eine Menge Fans, die uns länger oder noch gar nicht gesehen haben. Und so viel Feuerwerk und Flammen gab es bei Kiss noch nie! Wir dachten, die Halle fliegt uns um die Ohren! Außerdem ist es ein einmaliger, weltweiter Event. Das Tollste ist, wenn du dir das mit deinen besten Kumpels anschaust, so wie ich gestern mit der Band!

Haben Sie Popcorn gegessen, während Sie sich beim Blutspucken zugeguckt haben?

(lacht) Nein, Schokolade! Aber mich selbst auf der XL-Leinwand zu sehen, hatte etwas von einer außerkörperlichen Erfahrung. Denn wenn ich auf die Bühne gehe, ist das wie Jekyll & Hyde. Ich bin dann ein anderer und so fokussiert, dass ich das Publikum kaum mehr wahrnehme. Das ist wohl vergleichbar mit einem Boxer: In dem Moment, wo er in den Ring steigt, ist die einzige Sache, die er noch vor sich sieht, der Kampf.

Welche Gedanken gingen Ihnen im Kino durch den Kopf?

Ich empfand stolz, wie einzigartig Kiss sind. Vor über 40 Jahren entschieden wir uns, immer die zu sein, die wir sind, und nie andere Bands zu kopieren. Und so ist es bis heute - entgegen aller Moden. Keinen von uns könnte man in eine andere Band verpflanzen. Genauso wenig könnten Mick Jagger oder Jimmy Page Teil von Kiss sein. Unsere Kombination ist einmalig. Und egal, ob du Kiss nun liebst oder hasst - jeder kennt die Band. Erstaunlich ist auch, dass wir nie bewusst Singles geschrieben haben - denn außer "I Was Made For Lovin' You" war da nicht viel. Und trotzdem gibt es derzeit keine andere US-Band, die so viele Goldene Schallplatten überreicht bekam.

Prince hatte kaputte Hüften vom High-Heels-Tragen. Kiss-Leadsänger Paul Stanley hat bereits künstliche Hüften. Wie ist das bei Ihnen?

Alles bestens. Ich bin in bester Verfassung. Ich gehe mit meiner Frau so oft es geht in den Bergen wandern. Das hält fit. Keith Richards von den Stones zieht nur Turnschuhe und ein T-Shirt an, wenn er auf die Bühne geht und seine Gitarre beackert. Ich trage 18 Zentimeter hohe Plateaus und allein mein Fluggeschirr wiegt 23 Kilo. Da musst du fit sein. Kiss sind nicht umsonst die am härtesten arbeitende Band des Showbiz.

Ihre Äußerungen zum Tod von Prince haben jüngst für einen Eklat auch innerhalb der Band gesorgt. Sie sollen gesagt haben, es sei erbärmlich, dass sich Prince mit Drogen umgebracht hat.

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Herrlich selbstironisch und kritisch, dieser Mister Simmons.

(Foto: Jordan Strauss/Invision/AP)

Ich wurde von diversen Medien zu Prince befragt und ich habe sein unglaubliches Talent betont. Später hat ein britischer Journalist mir dann generell zum Thema Drogen Fragen gestellt. Ich sagte ihm, dass es traurig sei, dass die Reichen und Berühmten an ihrem Drogenkonsum zu Grunde gingen, aber niemand mit dem Finger auf das Problem zeigen würde. Drogenmissbrauch ist erbärmlich und ich bin froh, nie das Problem gehabt zu haben. Jedenfalls hat der Schreiber diese allgemeinen Zitate dann auf Prince und Michael Jackson angewendet. Das habe ich aber so nie gesagt. Und wenn man dann darauf hinweist, dass man falsch zitiert wurde, glaubt einem eh keiner, weil das jeder behauptet. Aber so war’s.

Ihr Bandkumpel Paul Stanley hat Ihre Kommentare auf Twitter als "kaltherzig" und "ahnungslos" bezeichnet. Wie ist denn derzeit die Stimmung zwischen Ihnen?

Es gibt keinen Streit zwischen uns. Paul hat lediglich versucht, die Fans ein bisschen zu beruhigen. Aber Fans regen sich ja heutzutage wegen allem Möglichen auf. Da ist so viel Aggressivität. Es gibt nun mal Dinge, die man nicht kontrollieren kann.

Sie sind aber schon der Donald Trump von Kiss, der immer für eine Schlagzeile gut ist, ne?

Ich hab' nichts gegen Trump. Der lässt sich seine Reden jedenfalls nicht schreiben. Wenn man mir eine Frage stellt, sage ich, was ich denke. Manchmal gehe ich dann der Konfrontation nicht aus dem Weg und so passiert das dann. Aber im Leben gibt es wichtigere Dinge, über die man sich Sorgen machen kann: den Mittleren Osten und die Wirtschaft zum Beispiel. Wen kümmert's also, was Gene Simmons zu sagen hat?

Wie läuft’s denn mit dem Kiss-Football-Team, das Sie seit 2013 unterhalten?

Super, die Jungs von LA Kiss liefern auf dem Platz tolles Entertainment und 'ne gute Show. Unser Team spielt natürlich American Football. Ich liebe aber auch den europäischen Fußball. Wir gehören zur AFL (Arena Football League, Anm. d. Red.), unsere Spiele im Großbereich von Los Angeles und Anaheim werden im Fernsehen übertragen. Das ist super aufregend für mich.

In Las Vegas gibt es ja auch das Kiss-Minigolf.

Ja, wir sind damit jüngst umgezogen ins Hotelcasino Rio. Aber leider konnten wir bei unserem Besuch in Vegas nicht selbst einlochen. Wir haben jeden Tag bis 18 Uhr geprobt, dann das Make-up angelegt und die Shows gespielt. Es fehlte einfach die Zeit.

Haben Sie noch Visionen für die Marke Kiss?

Klar, Paul und ich haben gerade unser 15. "Rock & Brews"-Restaurant in Dallas eröffnet und möchten damit die ganze Welt bepflastern. Unsere Restaurant-Kette wächst viel schneller, als wir es uns anfangs ausgemalt hatten. Am Flughafen von Los Angeles sind wir bereits die Nummer eins! Außerdem wollen wir unbedingt den Kiss-Cruise nach Europa bringen. Wir stechen zu Halloween zum siebten Mal bei den Bahamas in See. Wir hoffen aber, demnächst auch in euren Gewässern zu schippern.

Mit Gene Simmons sprach Katja Schwemmers

"Kiss Rocks Vegas" Mittwoch, 25. Mai - teilnehmende Kinos, Infos und Tickets unter: kissmycinema.com

Quelle: ntv.de