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"Es ist entsetzlich dünnes Eis" Iris Berben warnt vor #MeToo-Hysterie

Die Diskussion über sexuelle Übergriffe in der Filmbranche sei richtig und wichtig, sagt Schauspielerin Iris Berben beim n-tv Talk "Klamroths Konter". Dennoch ruft sie zur Vorsicht vor Vorverurteilungen auf. Aber auch zur Kanzlerschaft Merkels hat sie eine klare Meinung.

Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie, bezeichnet die #MeToo-Debatte als wichtige Diskussion. Im n-tv Talk "Klamroths Konter" spricht sie aber auch eine deutliche Warnung aus: "Wir müssen die Debatte führen, aber wir dürfen niemanden vorverurteilen", so Berben.

Die gesamte Sendung "Klamroths Konter" mit Iris Berben sehen Sie heute um 23.30 Uhr bei n-tv und vorab bei n-tv.de.

Die Schauspielerin hatte zuletzt Stellung zu den Missbrauchsvorwürfen gegen WDR-Filmchef Gebhard Henke bezogen. Sechs Frauen, darunter die Autorin Charlotte Roche, hatten Henke vorgeworfen, sie unsittlich berührt zu haben. Der freigestellte Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie bestreitet dies. Iris Berben hatte mit anderen Kolleginnen einen Brief verfasst, in dem sie sich für die Unterstützung Henkes stark machte.

Im n-tv Talk macht Berben deutlich, dass sie den Brief mit ihren Kolleginnen verfasst habe, bevor sich betroffene Frauen gemeldet hatten. "Ich habe mehrfach mit Henke zusammengearbeitet und ich konnte mir diese Vorwürfe einfach nicht vorstellen." Zwar bereue sie heute nicht, den Brief unterzeichnet zu haben. Aber: "Es war ein schlechtes Timing", gibt sie zu. Sie betont zudem, dass im Fall Henke noch nichts bewiesen sei und dass sich Diskussionen zu diesem Thema deshalb auf "entsetzlich dünnem Eis" bewegten.

Berben sagt in dem Gespräch mit Louis Klamroth, dass es sowohl früher als auch heute Männer im Filmbusiness mit "Machtgehabe" gebe, die ihre Position ausnützen würden. Sie selber sei aber nie in so eine Situation geraten. "Ich bin tatsächlich nicht davon überzeugt, dass es viele sexuelle Übergriffe gibt. Aber ich bin davon überzeugt, dass jemand seine Macht ausübt, indem er Versprechungen macht und das muss unterbunden werden." Zudem glaube sie, dass sich durch die andauernde MeToo-Debatte künftig kaum noch Männer trauen werden, gegenüber Frauen sexuell übergriffig zu werden.

Neben der MeToo-Debatte äußert sich Berben, die sich öffentlich für die SPD engagiert, auch zur deutschen Politik. Zur erneuten Kanzlerschaft von Angela Merkel sagt sie: "Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir jetzt einen Wechsel gehabt hätten." Aber auch mit der Politik der Sozialdemokraten geht die Schauspielerin hart ins Gericht. Auf Klamroths Frage, ob die SPD ein Paradebeispiel für ein super Drehbuch, aber für eine "scheiß Besetzung" sei, sagt Berben lächelnd: "Die SPD gibt gerade kein kraftvolles Bild nach Außen ab. Ich hätte es begrüßt, wenn die SPD in der Opposition geblieben wäre." Das Erstarken der AfD bezeichnet die Schauspielerin als eine Niederlage: Es sei traurig, dass es insbesondere in unserem Land keinen stärkeren Widerstand gegen die AfD gebe.

Quelle: n-tv.de, kpi

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