Wie eine Prophezeiung"Jack Ryan"-Szene zu Venezuela geht viral

Zumeist liefert die Wirklichkeit den Stoff für Hollywood-Filme. Doch manchmal scheint es auch die Traumfabrik zu sein, die der Realität einen Schritt voraus ist. So wie nun die Serie "Jack Ryan", die schon vor Jahren eine mögliche US-Intervention in Venezuela thematisierte.
Nach der US-Militäraktion in Venezuela, bei der Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores festgenommen wurden, kursiert ein Clip aus der Amazon-Serie "Tom Clancy's Jack Ryan" im Netz. Darin mutet es an, als seien die Ereignisse bereits vor sieben Jahren vorhergesehen worden.
In der Szene aus der zweiten Staffel, die 2019 ausgestrahlt wurde, steht CIA-Analyst Jack Ryan, gespielt von John Krasinski, vor einer Gruppe von Studenten. Er stellt ihnen die Frage, welches Land die größte Bedrohung auf der Weltbühne darstelle. Als Antworten kommen Russland und China - doch Ryan lenkt die Aufmerksamkeit auf Venezuela.
"Venezuela ist wohl die größte Ressource für Öl und Mineralien auf dem Planeten", erklärt die Serienfigur in dem Clip, mehr als Saudi-Arabien oder der Iran. Dazu komme die strategische Nähe zu den Vereinigten Staaten. Ryan warnt in der Serie daher vor einem "gescheiterten Staat" vor der eigenen Haustür und zieht Vergleiche zum Jemen, zum Irak und zu Syrien.
Serien-Macher überrascht
Die Parallelen zur aktuellen Situation wirken frappierend: Am 3. Januar führten die USA Luftangriffe auf Venezuela durch und nahmen Maduro unter dem Vorwurf des Drogenterrorismus gefangen. US-Präsident Donald Trump erklärte von seinem Anwesen Mar-a-Lago aus, die USA würden Venezuela nun "führen" und "das Öl wieder zum Fließen bringen".
Carlton Cuse, der die Serie gemeinsam mit Graham Roland entwickelte, hat sich nun zu der entsprechenden Szene in dem Fiction-Format geäußert. Gegenüber dem US-Branchenmagazin "Deadline" erklärte er: "Was einen als Geschichtenerzähler immer wieder überrascht, ist, wie oft reale Ereignisse die Fiktion einholen." Das Ziel der zweiten Staffel sei nicht Prophezeiung gewesen, sondern Plausibilität. "Wenn man eine Geschichte in realen geopolitischen Dynamiken verankert, findet die Realität oft einen Weg, im Einklang zu sein."
Cuse betonte, er und Roland hätten keine politische Aussage treffen wollen. Sie hätten einen fiktiven, charaktergetriebenen Thriller erzählt, der in der langjährigen strategischen Bedeutung Venezuelas verwurzelt sei: "Unsere Aufgabe war es, die Situation glaubwürdig erscheinen zu lassen." In der Serie endet die Venezuela-Handlung damit, dass der fiktive korrupte Präsident Nicolas Reyes durch Wahlen abgesetzt wird.
Appell an die Besonnenheit
Cuse mahnte abschließend zur Besonnenheit: "Jedes Mal, wenn die Vereinigten Staaten im Ausland Gewalt anwenden, ist das ein Moment, der Reflexion verdient. Die Konsequenzen tragen vor allem Menschen, die sehr wenig Kontrolle über die Ereignisse haben. Ich kann nur hoffen, dass sich die Dinge in Richtung Stabilität und Frieden für die dort lebenden Menschen bewegen."
Maduro und seine Frau haben sich am Montag vor einem US-Bundesgericht für nicht schuldig erklärt. Die nächste Anhörung ist für den 17. März angesetzt.