Kein Ende des RockerlebensKlaus Meine wird 60
Für Scorpions-Sänger Klaus Meine ist das Rockstar-Leben immer noch ein großes Abenteuer. Ans Aufhören denkt der bald 60-Jährige noch lange nicht.
Für Scorpions-Sänger Klaus Meine ist das Rockstar-Leben immer noch ein großes Abenteuer. Mit leuchtenden Augen erzählt er von der jüngsten Welttournee: von der Schwüle des brasilianischen Regenwaldes, den jungen Indern vor der Bühne am Himalaya und vom Konzert in Sibirien - im Open-Air-Stadion bei minus 15 Grad. "Wir wollten die Leute nicht enttäuschen, die da fast eingefroren in ihren Pelzmänteln saßen. Also wurde gerockt", berichtet der Frontmann einer der erfolgreichsten deutschen Bands aller Zeiten mit Welthits wie "Wind of Change" oder "Still loving you".
Am 25. Mai feiert Meine seinen 60. Geburtstag mit einer großen Party in seiner Heimatstadt Hannover. Ob prominente Freunde wie Altkanzler Gerhard Schröder kommen, will der Scorpions- Frontmann aber nicht verraten. Ans Aufhören denkt Meine noch lange nicht. "Solange die Rolling Stones weiter so gut dabei sind, machen wir auf jeden Fall weiter", betont der Mann mit der Mütze als Markenzeichen: "Wir sehen das sportlich."
Die "völkerverbindende Kraft der Musik"
Trotz jahrzehntelangen Erfolgs im Musikgeschäft: Star-Allüren legt Klaus Meine nicht an den Tag. Von sich selbst redet er ungern, lieber von seiner Band und der "völkerverbindenden Kraft der Musik". "Ich bin Sternzeichen Zwilling und war immer eher zurückhaltend, nicht der Typ, der sich in den Mittelpunkt gedrängt hätte", sagt der Sänger und Komponist. Auf der Bühne verflog jedoch die Schüchternheit. "Egal ob da 1000 Leute oder 300 000 Leute waren - das war nie ein Problem."
1965 gründete Gitarrist Rudolf Schenker die Scorpions in Hannover, 1970 stieß Klaus Meine, der zuvor in einer anderen Band gespielt hatte, hinzu. Er trug lange Haare, Vollbart und hochhackige Stiefel. "Das war die Zeit des Generation Clash." Für Meine war immer klar, dass er Profisänger werden wollte, eine Ausbildung zum Dekorateur absolvierte er trotzdem seinem Vater zuliebe, der als Gärtner in den Herrenhäuser Gärten in Hannover arbeitete. "Meine Mutter hat mich aber schon damals sehr unterstützt." Heute noch besucht die fast 88-Jährige Konzerte ihres Sohnes.
Ehrgeiz ungebrochen
Zum "Batterieaufladen" kehrt Meine wie seine Bandkollegen stets zur Familie nach Hannover zurück. Seit 1977 ist er mit Ehefrau Gabi verheiratet, sein 22-jähriger Sohn studiert inzwischen in Hamburg. Das Erfolgsgeheimnis der langjährigen glücklichen Beziehung trotz des wilden Rock 'n' Roll-Lebens? "Das Geheimnis ist einfach, dass man zur richtigen Zeit den richtigen Partner trifft, wo die Chemie stimmt und der vor allem dann da war, wenn das große Spotlight ausgeschaltet war", sagt Meine.
Seine Frau habe ihm in der "größten Bewährungsprobe" seines Lebens beigestanden. "Anfang der 80er Jahre hatte ich meine Stimme verloren und zwei Stimmbandoperationen. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt wieder singen kann. In solchen Zeiten beweist sich eine Partnerschaft." Komplett abgestürzt sei er aber nie. "Niedersachsen sind eben sturmfest und erdverwachsen." Er sei immer kämpferisch eingestellt gewesen.
Wenn man ihn nach Wünschen für die Zukunft fragt, ist das vor allem Gesundheit. "Angst vor gesundheitlichen Schicksalsschlägen bei sich oder Angehörigen hat ja jeder." Die weiteren Wünsche betreffen dann schon wieder die Musikkarriere, denn trotz mehr als 75 Millionen verkaufter Scorpions-Alben hat die Band noch Ehrgeiz. "Ich hatte nie das Gefühl, musikalisch angekommen zu sein. Den einen oder anderen Hit würde ich gern noch schreiben", verrät Meine.
Von Christina Sticht, dpa