Krebs, Trennung, Job-Flaute"Lola rennt"-Star Franka Potente packt aus

Berühmt wird Franka Potente im Dauerlauf und mit knallroten Haaren. So berühmt, dass ihr nach "Lola rennt" auch Hollywood-Rollen neben Johnny Depp und Matt Damon zufallen. Heute ist nicht mehr alles so rosig, wie sie unumwunden einräumt.
"Lola rennt" war 1998 schon ein ziemlicher Brüller, auch wenn zumindest jeder Berliner weiß: Die Strecke, die Franka Potente in dem Film mit knallroten Haaren im Sprint zurücklegt, ist Kokolores. Da wurden Szenen aus weit voneinander entfernten Orten im Stadtgebiet wild aneinander geschnitten, die so in Wahrheit gar nicht abgelaufen werden können.
Dem Erfolg des Streifens tat dies aber keinen Abbruch. So befeuerte "Lola rennt" die Karriere von Moritz Bleibtreu, der nur kurz zuvor seinen Durchbruch in "Knockin' on Heaven's Door" gefeiert hatte, weiter. Für Tom Tykwer begann mit dem Film der Aufstieg zum Star-Regisseur. Und auch "Lola"-Darstellerin Franka Potente stand danach erst einmal eine rosige Zukunft bevor.
Die führte sie alsbald sogar nach Hollywood. Dort drehte sie etwa 2001 an der Seite von Johnny Depp das Drogen-Drama "Blow" oder aber 2002 und 2004 zwei Streifen der "Bourne"-Reihe zusammen mit Matt Damon.
Teures Leben in Los Angeles
In den USA und in ihrer Wahlheimat Los Angeles ist Potente seither auch geblieben. Doch nach rund einem Vierteljahrhundert in Übersee fällt ihre Bilanz in einem Interview, das sie nun mit der Wochenzeitung "Die Zeit" geführt hat, dann doch eher ernüchternd aus.
So werde heutzutage insgesamt weniger gedreht, konstatiert die 51-Jährige. Wegen des gestiegenen Kostendrucks versuchten die Produktionsfirmen zudem immer stärker bei Gagen und Arbeitsbedingungen zu sparen. Allerdings könne sie es sich inzwischen nicht immer leisten, ungünstige Angebote abzulehnen. "Wenn's geht, klar. Wenn ich aber ewig nicht gearbeitet habe und mal wieder etwas machen muss, sage ich eben doch zu", räumt sie ein.
Schließlich sei das Leben in Los Angeles "wahnsinnig teuer". Zum Beispiel besuchten ihre beiden 15 beziehungsweise 13 Jahre alten Töchter eine katholische Privatschule, da die öffentlichen Schulen "nicht so doll" seien. "Die war noch am billigsten, aber das Geld muss ja trotzdem irgendwie reinkommen", erklärt Potente, die sich jedoch glücklich schätzt, überhaupt noch über die Runden zu kommen. "Viele meiner Schauspieler-Freunde hier sind arbeitslos", verrät sie und ergänzt: "Einige sind sogar mit 40 zurück zu ihren Eltern gezogen, weil sie sich L.A. nicht mehr leisten können."
"Ich mach' doch kein Fernsehen"
Mit "Home" hatte Potente 2020 ihr Langfilmdebüt als Regisseurin gefeiert. Die Pandemie habe jedoch weitere Projekte hinter der Kamera ausgebremst, weshalb sie sich inzwischen vor allem wieder aufs Schauspielen verlege, erläutert sie zudem.
Rückblickend bereue sie, einst Rollen in TV-Serien wie "Ally McBeal" oder "Alias" ausgeschlagen zu haben, gibt Potente zu. Damals sei sie womöglich zu überheblich gewesen, nach dem Motto: "Ich bin ein Movie-Star, ich mach' doch kein Fernsehen." Allerdings habe sie auch negative Erfahrungen gemacht, als ihr bei Gesprächen über eine mögliche TV-Rolle nicht einmal Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten worden sei. Da habe sie die Konsequenz gezogen: "Okay, fuck you, I'm out."
Mit den Streamingdiensten habe sich die Situation für Schauspieler und Schauspielerinnen nicht verbessert, sagt Potente - eher im Gegenteil. "Die Streamer zahlen auch nicht gut", so ihr Urteil. Sei man früher noch durch Tantiemen an Wiederholungen finanziell beteiligt gewesen, würden die großen Plattformen die Darstellerinnen und Darsteller mittlerweile meist mit Einmalzahlungen abspeisen.
Seit drei Jahren getrennt
Nicht nur über ihre Arbeit in Hollywood spricht Potente mit der "Zeit", sondern auch über ihr Privatleben. So plaudert sie aus, dass sie und der Schauspieler Derek Richardson, den sie 2012 geheiratet hatte, inzwischen in aller Freundschaft getrennt seien. Um die beiden gemeinsamen Töchter würden sie sich gemeinschaftlich kümmern.
Auch einen Einblick in ihre gesundheitliche Situation gewährt die Schauspielerin, nachdem sie vor drei Jahren an Brustkrebs erkrankt war. Die Diagnose habe ihr vor Augen geführt, wie wichtig Gesundheit sei und ihr zudem "neue Brüste" beschert, stellt Potente mit trockenem Humor fest.
Summa summarum fällt Potentes Fazit dann aber doch positiv aus. "Es gibt natürlich eine Million Rollen, die ich gerne gespielt hätte. Aber es ist ja müßig, damit seine Zeit zu verbringen. Dafür ist mein Leben drumherum einfach zu gut", sagt sie im "Zeit"-Gespräch. Sie mache ihren Beruf nach wie vor "total gerne", es gebe aber auch Wichtigeres für sie. "Wenn ich ein, zwei große Projekte im Jahr habe, meine Rechnungen zahlen und mit den Kids in den Urlaub fahren kann: wonderful", erklärt sie und fügt hinzu: "Aber wenn mir einer genug Geld geben würde, könnte ich auch ohne entspannt leben."