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"Im Netz der Versuchung" Mainstream-Trash ohne Sinn und Verstand

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Eigentlich könnte Baker Dills Leben so entspannt sein, wären da nicht der Thunfisch und seine Ex-Frau.

(Foto: Universum Film)

Matthew McConaughey, Anne Hathaway und Diane Lane - der Cast des neuen Thrillers von Autor und Regisseur Steven Knight kann sich sehen lassen. Der Film "Im Netz der Versuchung" selbst dagegen leider nicht.

Steven Knight hat sich über die Jahre vor allem einen Namen als Drehbuchautor gemacht. Er gehört zu den Entwicklern und Autoren der Erfolgsserien "Peaky Blinders" und "Taboo" und schrieb unter anderem die Scripts zu "Tödliches Versprechen" und "Allied - Vertraute Fremde".

Leider kennen die wenigsten Menschen die Namen der Drehbuchautoren, deren Geschichten sie in Kino und TV verfolgen. Vielleicht ging genau das auch Knight gegen den Strich, und er beschloss deshalb, selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Wie schon bei "Redemption - Stunde der Vergeltung" und "No Turning Back" in 2013 kam bei "Im Netz der Versuchung" nun wieder beides zusammen: Knight schrieb das Buch und führte Regie. Dass hier ein entsprechendes Regulativ fehlte, wird schon nach wenigen Filmminuten klar.

Hinterhältiger Plan

Matthew McConaughey spielt Baker Dill, Kriegsveteran und Kapitän eines für Hochsee-Angeltouren mietbaren Fischerbootes auf der schönen Insel Plymouth. Ein Mann mit nebulöser Vergangenheit und einer zweifelhaften Besessenheit. Ausgerechnet ein Thunfisch hat es ihm angetan, dem er den Namen "Justice" (Gerechtigkeit) verpasst hat und dessen Fang sein einziges Lebensziel zu sein scheint. Abwechslung versprechen nur die gelegentlichen Schäferstündchen mit seiner Geliebten Constance, einer der wenigen anderen Bewohner des Eilands. Constances Part übernimmt Diane Lane, die in fast jeder Einstellung nicht mehr als ihren Morgenmantel trägt - allerdings auch nicht weniger.

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Bei Constance hat Dill es auch mal nett.

(Foto: Universum Film)

Und dann ist da noch Dills Ex-Frau Karen, mit der Anne Hathaway ins Spiel kommt. Die taucht zehn Jahre nach der Trennung plötzlich in Dills scheinbarer Idylle auf und bittet ihn um Hilfe. Er soll ihren psychisch wie physisch gewalttätigen Ehemann im Meer bei den Haien entsorgen. Ausgerechnet den unsympathischen Kerl, wegen dem sie ihn einst sitzen ließ und der nun den gemeinsamen Teenager-Sohn großzieht. Die zehn Millionen Dollar Schwarzgeld aus den illegalen Machenschaften ihres Mannes, die sie ihrem Ex dafür anbietet, lassen den nicht so kalt, wie er es sich wünschen würde. Er sieht sich der Frage gegenüber, was richtig und was falsch ist.

Plottwist des Grauens

So weit, so okay, doch dann wird es schlecht. Richtig schlecht. Der Stoff muss nicht einfach nur als platter Plot für einen Thriller herhalten, sondern ist auch Plattform einer philosophischen Metaebene. Dafür setzt Knight auf einen Twist, der so hanebüchen ist, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Anstatt an dieser Stelle dem Ganzen endlich eine vernünftige Wendung zu geben, wird alles nur noch schlimmer. Was Kollege M. Night Shyamalan in Filmen wie "The Sixth Sense" und "The Village" hervorragend gelungen ist, geht bei Knight und "Im Netz der Versuchung" grandios schief. So schief, dass dieser Film ein guter Anwärter für eine "Goldene Himbeere" wäre. Das liegt zum einen an der kruden Geschichte und den fragwürdigen Figuren, die eben diese nicht auch nur ein Stück voranbringen. So bleibt der Vertreter für Fischereizubehör, der Dill nachstellt, eine unbrauchbare Randnotiz. Zum anderen lassen der trashige 80er-Look sowie gewollt unnatürliche Kamerafahrten "Im Netz der Versuchung" wie die überambitionierte Abschlussarbeit eines gut betuchten Filmstudenten wirken. 

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Immer Ärger mit der Ex.

(Foto: Universum Film)

Als Zuschauer schießt einem natürlich direkt die Frage in den Kopf, warum Stars wie McConaughey, Hathaway und Lane einem solchen Dreh überhaupt zugestimmt haben. Das Buch jedenfalls kann sie nicht überzeugt haben. Vermutlich war es die Aussicht darauf, ein paar Wochen auf einer Karibikinsel einen Stoff zu drehen, der sie selbst nicht allzu sehr fordert und ihnen genug Raum für Erholung am weißen Sandstrand lässt. Der Gefallen, den sie sich damit getan haben, war nur von kurzer Dauer, denn an den US-Kinokassen erreichten sie mit diesem Film ihren absoluten Karrieretiefpunkt.

McConaughey und Anne Hathaway sehen dafür den Fehler allerdings beim Verleih, der die geplante Marketing-Kampagne absagte und die zwei nicht auf Promo-Tour schickte. Zu schlecht waren die Reaktionen und Kritiken nach den Testvorführungen. Der Verleih wollte schlicht den Verlust begrenzen. In einem Interview mit dem Magazin "Stella" soll Hathaway über "Im Netz der Versuchung" gesagt haben: "Ich liebe den Film, aber ich glaube nicht, dass jeder es tut. Es ist ein ziemlich toxischer Cocktail, und ohne euch der Gefahr von Spoilern auszusetzen, das Ende wird den meisten Menschen nicht so gut gefallen." Ach Anne, wenn es mal nur das peinliche Ende wäre.

Quelle: n-tv.de, nan

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