Unterhaltung

Kein Porno, sondern Spielfilm Manta, Koks und Nutten - alles okay im Pott?

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Auf einem kleinen Parkplatz in Bochum-Querenburg spielen sich sonderbare Dinge ab.

(Foto: Tim Kramer)

Ohne Budget und ohne klassisches Drehbuch entsteht der Film "Pottoriginale - Roadmovie". Nicht nur wegen seiner Laiendarsteller, die VfL-Jesus, Tankwart a.D. oder Glocken-Horst heißen, spaltet er die Gemüter.

Bochum-Querenburg im Spätsommer 2017. Auf einem kleinen Parkplatz an einem Waldstück gelegen steht ein orangefarbener Opel-Manta. Sonderbare Dinge spielen sich am und auf dem Fahrzeug ab. Zwei Männer in VfL-Kluft lassen es sich ganz offensichtlich mit zwei leicht bekleideten Damen gutgehen. Doch sie sind nicht alleine. Um sie herum stehen weitere Männer. Einer hat sogar eine Kamera in der Hand und filmt das wilde Treiben rund um den Manta. Findet hier gerade in diesem Moment ein Gang-Bang statt - ohne Scham und ohne Skrupel mitten in der Öffentlichkeit?

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Das vermutet wenigstens eine Autofahrerin, die an dem ungewöhnlichen Spektakel vorbeifährt. Sie ruft die Polizei und berichtet verstört und empört von dem Gesehenen. Doch als die Beamten weniger später eintreffen, klärt sich die spezielle Szenerie schnell auf. Hier wird tatsächlich gedreht. Aber kein Porno, wie man vermuten könnte, sondern ein Spielfilm. Wahrscheinlich ohne Genehmigung zwar, aber das ist den Beamten egal. Man verabschiedet sich vergnügt mit dem Funkspruch an die Kollegen: "Alles okay im Pott!"

Ohne Budget und ohne Drehbuch

Gestern nun feierte dieser aufsehenerregende Spielfilm in einem Bochumer Kino Premiere. 1.200 Zuschauer ließen in fünf Sälen die Darsteller und Macher des Streifens "Pottoriginale - Roadmovie" hochleben. Das Besondere: Diesen Film hätte es unter normalen Umständen niemals geben dürfen. Ohne Budget, ohne klassisches Drehbuch und in einem Tempo abgedreht, dass es selbst dem Filmemacher Gerrit Starczewski in der Rückschau schwindelig wird.

Im Live-Interview mit dem WDR-Fernsehen am Premierenabend schaut sich die Moderatorin auf dem roten Teppich um und sagt: "Wenn man sich hier das so anguckt, das ist schon ziemlich schräg alles." Der Regisseur und Produzent in einer Art "One-man-Show", Gerrit Starczewski, hält kurz inne, um anschließend umso flotter zu antworten: "Ich würde nicht sagen schräg, es ist halt einfach anders. Ich bin kein Freund des ganzen Geleckten, wo man nur Filme macht, wenn man Millionen zur Verfügung hat, wo alles bis ins kleinste Detail geplant ist. Ich mag die Improvisation und ich mag auch das Einfache." Er schaut auf den Bauzaun am roten Teppich, an dem die Filmplakate die Hintergrundkulissen bilden und sagt grinsend: "Bauzaun passt ganz gut zu uns - ich mag es."

Echte "Charakterfressen"

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Die meisten Darsteller in Starczewskis (3.v.l.) Streifen spielen sich selbst.

(Foto: Tobias Herbst)

Die meisten Schauspieler in Starczewskis Streifen sind nicht einmal Laiendarsteller - sie spielen einzig und allein sich selbst. Und das sehr überzeugend. Die Pottoriginale, die der junge Filmemacher um sich versammelt hat, heißen VfL-Jesus, Tankwart a.D., Glocken-Horst oder Schalke-Johnny. Es sind allesamt "Charakterfressen", wie man diesen Schlag Mensch im Ruhrgebiet nennt. Dass der Film im Grunde keine stringente Story - im Kern geht es um einen gefundenen Geldkoffer und um Koks, das eigentlich Traubenzucker ist - erzählt, sondern vielmehr eine Ansammlung von skurrilen Szenen darstellt, ist auch der Tatsache geschuldet, dass es am Set häufig wie "im Zoo" zuging.

Menschen, die den Film mit der Erwartungshaltung anschauen, einen klassischen Spielfilm geboten zu bekommen, werden enttäuscht sein. Nicht umsonst ist die letzte Blende des Abspanns ein ganz besonderes Zitat. Starczewski geht ins Jahr 1962 zurück, um seine Art des Filmemachens zu legitimieren. Er zitiert den Kernsatz des "Oberhausener Manifests" der Kurzfilmtage: "Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen."

In den besten Momenten des Films fühlt man sich an die frühen Hörspiele von Helge Schneider erinnert. Improvisation pur. Dabei ragt eine Aufnahme heraus: Eigentlich ist der Mann, der mit Prostituierten am Straßenstrich in einer Allee redet, am Set nur als Fahrer dabei. Doch aus einer Laune heraus dreht das Filmteam mit ihm einige Gesprächspassagen, die in ihrer Skurrilität einen echten Höhepunkt des Films darstellen - stets eingeleitet durch die süßlich klingende Begrüßungsfloskel "Hallihallo". Die Worte kommen aus dem "Off". Der Fahrer ist nicht im Bild. Man hat schlicht und ergreifend vergessen, ihn mit einem "Gegenschuss" zu filmen. Eigentlich ein No-Go und ein Ausschlusskriterium. Nicht so bei diesem speziellen Film. Gut so.

Techno-Papst DJ Hell darf auch mitmachen

Einer der wenigen professionellen Darsteller, der Schauspieler Uwe Fellensiek, lobt den Filmemacher Starczewski nach der Premierenvorführung für seinen Mut, gegen alle Widerstände und Zweifler das Projekt durchgezogen zu haben: "Die alte Devise 'Do it', einfach machen, ist seit über 50 Jahren auch mein Motto. Dabei entstehen neue Welten, die nicht immer perfekt, aber gerade deshalb so besonders sind." Und auch der Techno-Papst, DJ Hell, der den coolen "Zechen-Hugo" spielt, sieht die positiven Seiten: "Es war ein wilder Ritt mit einem ganz eigenen Charme. Allerdings muss ich schon sagen: Ich komme aus Bayern, da herrscht ein anderer Humor."

DJ Hell wird am Ende des Films zum Mörder, zum "Totmacher", wie es heißt. Einer der vielen Verweise des Films. Denn Mitte der 1990er-Jahre steuerte DJ Hell einige Tracks zum preisgekrönten Film "Totmacher" mit Götz George bei. "Jetzt bin ich bei Pottoriginale gelandet - ein logischer Schritt, wie ich finde", stellt DJ Hell am Premierenabend fest. Natürlich grinst er bei diesem Satz: Denn logisch ist bei diesem Film eigentlich gar nichts. Aber das muss nichts heißen. Das echte Leben ist es schließlich auch nicht.

Mehr Informationen zum Film, seiner Geschichte und zu geplanten Vorführungen finden Sie auf der Seite: www.pottoriginale.de

Quelle: ntv.de