Unterhaltung
Marian Gold erzählt Mary Roos (Mitte) und Mark Forster (r.) einen Schwank aus der Jugend.
Marian Gold erzählt Mary Roos (Mitte) und Mark Forster (r.) einen Schwank aus der Jugend.(Foto: MG RTL D/Markus Hertrich)
Dienstag, 22. Mai 2018

"Sing meinen Song" - Runde vier: Marian, erzähl doch mal …

Von Kai Butterweck

Von der Kaserne auf die große Pop-Bühne: Der vierte "Tauschkonzert"-Abend steht ganz im Zeichen von großen Geschichten rund um die Lichtgestalt Marian Gold. Und die Alphaville-Legende tischt ordentlich auf.

Mark liebt Judith, Rea liebt Mary und Leslie liebt Johannes: Auf dem "Tauschkonzert"-Sofa spielen die fliegenden Herzen Ping Pong. Kenner des beliebten, in Musik gegossenen Wie-du-mir-so-ich-dir-Formats kennen es nicht anders. In diesem Jahr machen aber auch die eingefleischtesten "Sing meinen Song"-Anhänger große Augen. Denn in Gestalt von Marian Gold sitzt diesmal ein Kandidat mit auf der Couch, den alle anderen am liebsten sofort in Geschenkpapier wickeln und mit zu sich nach Hause nehmen würden.

Wie einst Papa Schlumpf

Das kniffäugige Alphaville-Aushängeschild ist aber auch zum Knuddeln. Wie einst Papa Schlumpf hält er die knuffigen Arme schützend über sein Völkchen, das im schönen Südafrika aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommt.

Judith Holofernes singt "Jet Set".
Judith Holofernes singt "Jet Set".(Foto: MG RTL D/Markus Hertrich)

Mit viel Liebe und mit Herzblut verpackten Timetravel-Anekdoten aus Zeiten, in denen die Balz-Träume von orientierungslosen West-Berlinern noch von überdimensionalen "Big Sexyland"-Werbeplakaten befeuert wurden, mimt der Bud Spencer des Synth-Pop den warmherzigen Geschichtenerzähler. Und alle, aber auch wirklich alle, kleben dem Goldkehlchen an den Lippen. Selbst Gastgeber und Dauerquasselstrippe Mark Forster verschlägt es die Sprache, wenn Marian im Story-Archiv wühlt.

Auf diese Weise erfahren die Anwesenden beispielsweise, dass Marian eigentlich zur Marine wollte. Aber ein garstiger Unteroffizier und einige unfreiwillige Strafversetzungswochen im Kreise von zähneknirschenden "Wo ist der Feind?"-Pionieren machten dem gebürtigen Herforder einen dicken Strich durch die Rechnung. Im schnodderigen West-Berlin der 1970er-Jahre erfreute sich Marian dann am Gegenpol von einheitlichem Bundeswehr-Grün und eintönigem Futter aus der Biwak-Dose.

Von muffigen Schlafzimmern in den Pop-Olymp

Zwischen dem versifften Glanz vom Bahnhof Zoo und dem Survival-Charme des von "allerlei Gesindel" besetzten Adult-Wimmelbuch-Bezirks Kreuzberg fand Marian zu seiner Bestimmung. Mit zwei Gleichgesinnten (Alphaville-Gründungsmitglieder Bernhard Lloyd und Frank Mertens) und der sagenumwobenen "Dr. Rhythm"-Maschine im Gepäck ging es von muffigen Schlafzimmern über noch muffigere Treppenhäuser direkt in den Pop-Olymp. "Wir hatten damals von Tuten und Blasen keine Ahnung", verrät Marian seinen andächtig lauschenden Jüngern auf der "Tauschkonzert"-Couch.

Diese winken natürlich jeden Wortschnipsel des "ersten Weltstars auf der 'Sing meinen Song'-Bühne" (O-Ton Mark Forster) ohne Google-Überprüfung durch. Zu ergreifend und fesselnd präsentieren sich Geschichten über hässliche Norweger-Pullis, Videodrehs in stillgelegten Klapsen und Saus- und Braus-Jahre in weiten Bundfaltenhosen. Wer so viel von sich preisgibt, und das auch noch auf so charmante und liebenswerte Art und Weise, der muss natürlich gebührend geehrt und gefeiert werden. Und so geben sich Rea Garvey, Leslie Clio, Mary Roos, Judith Holofernes und Mark Forster diesmal besonders viel Mühe.

Musikalisch zwischen den Jahren 1985 und 2010 pendelnd, legen die bis dato eher blass gebliebenen Musikanten endlich alle Karten auf den Tisch. Rea Garvey macht mal wieder den Anfang und beeindruckt mit urbaner Heavyness ("Big In Japan"). Dem Iren folgt Schlager-Queen Mary Ross, die zu Ehren von Marian Gold ihren Bond-Pop-Trumpf aus dem Ärmel schüttelt ("I Die For You Tonight"). Auch nicht schlecht: Kermit-Double Judith Holofernes mit lupenreinem Veggie-Rock ("Jet Set"), Leslie Clio im groovenden Chill-Soul-Modus und Mark Forster in der Rolle des Jungen mit der Gitarre ("Flame").

Fehlt noch Johannes Strate. Und man mag es kaum glauben, aber selbst der König des deutschsprachigen Wartezimmer-Pops verdient sich an diesem Abend die "Kann man sich anhören"-Anstecknadel. So schließt sich der vierte "Tauschkonzert"-Kreis mit stadiontauglichem College-Rock ("Forever Young"), einem sichtlich gerührten Hauptdarsteller und einer schallend lachenden Grande Dame des Schlagers, die seit heute endlich weiß, wie eine Konfettikanone funktioniert. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Saubermachen, und danach nochmal alle zusammen: "Forever Young, I want to be …"

Quelle: n-tv.de