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Lernen muss Spaß machen Meet your Master - Heiner Lauterbach

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Immer auf der Suche, immer am Lernen: Heiner Lauterbach.

(Foto: imago images/Future Image)

Heiner Lauterbach ist Professor an einer privaten Hochschule für Schauspiel, Film und Fernsehen und lehrt  - überwiegend junge Leute - die Schauspielerei. Das macht er mit Leidenschaft, und weil er anscheinend nicht genug bekommen kann davon, sein Wissen weiterzureichen, hat er, zusammen mit seiner Frau Viktoria, ein neues Format ins Leben gerufen. "Meet Your Master" heißt es und ist für jeden gemacht, der sich weiterentwickeln will, nicht nur für die, die Schauspieler werden wollen. Es gibt anregende und exklusive Einblicke in die unterschiedlichsten Branchen und Künste, egal, ob aus persönlichem Interesse oder zur beruflichen Wissenserweiterung. Mit dabei sind bis jetzt Buchautor Sebastian Fitzek, Opernsänger Jonas Kaufmann, Schauspieler Heiner Lauterbach, Filmemacher Til Schweiger, Koch Alfons Schuhbeck und Filmproduzent Nico Hofmann. Die filmisch und inhaltlich aufwendig produzierten Online-Kurse können inklusive eines umfangreichen, rund 100-seitigen Masterbooks erworben werden. "Wir sind fasziniert davon, ein Leben lang zu lernen und freuen uns, Inspiration und sonst unerreichbares Wissen über diesen Weg weitergeben zu können", sagt Viktoria Lauterbach, die an "Meet Your Master" nicht unwesentlich beteiligt ist. Mit Heiner Lauterbach sprechen wir über Lernen, Lehren, Liebe und Lebenslektionen.

n-tv.de: Wie ist das ganze Programm denn eigentlich entstanden, wer ist schuld an "Meet Your Master"?

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Bei den Lauterbachs läuft's.

(Foto: imago images/Future Image)

Heiner Lauterbach: Das ist durch die Initiative meiner Frau entstanden, ganz klar. Sie beobachtet mich seit Jahren dabei, wie ich E-Mails beantworte, in denen ich tatsächlich um Rat gefragt werde. Und sie fand, ich sollte das zusammenfassen, damit ich nicht immer wieder dasselbe schreiben muss an verschiedene Personen. In diesen schwierigen Zeiten in denen wir leben - Bankenkrise, Umweltverschmutzung, schleichende Inflation, Überbevölkerung mit gleichzeitig immer schlechter werdenden Ausbildungsmöglichkeiten - macht man es allen, die lernen wollen, echt schwer. Die Bereitschaft, wirklich zu lernen, nimmt aber auch ab.

Wegen der sozialen Medien, nehme ich mal an ...

Ja, jeder ist mit seinen Social-Media-Dingen beschäftigt, die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer und lernen muss heute anders funktionieren als früher, es muss Spaß machen! Man muss lernen von Leuten, die man anerkennt.

Was muss ein Lehrer denn heute haben, damit er anerkannt wird?

Er muss Autorität ausstrahlen und er muss wirklich wissen wovon er redet. Der Schüler muss überzeugt sein, von dieser Person etwas lernen zu können. Das ist dann Edutainment, also Education und Entertainment in einem. Und das haben wir jetzt angepackt.

Charisma, Lebenserfahrung, eine Aura sind natürlich von Vorteil für Lehrer oder Professoren. Das ist ansprechend. Zum Beispiel der Autor Sebastian Fitzek …

Ja, der ist unglaublich gut vorbereitet. Er gibt den längsten Kurs übrigens (lacht). Er ist sehr strukturiert und macht das irre spannend.

Gibt es ein festes Konzept?

Ja, ich erstelle mit unserem dramaturgischen Team das Regie-Konzept, das Gerüst für die Master während der Aufnahmen, damit man einen roten Faden hat, dem man folgen kann. Das wird mit dem jeweiligen Master dann noch verfeinert. Ich bin bei den Aufnahmen dabei und ich nehme den Rohschnitt ab. Dann kommt die Musik drauf, es wird abgemischt und dann verfasse ich mit der dramaturgischen Abteilung das Masterbook - das gibt es auch zum Kurs und da steht alles ganz ausführlich drin. Unglaublich viele Zusatzinformationen sind da drin, sodass man das gerne liest.

Muss ich chronologisch vorgehen oder kann ich Kapitel überspringen?

Das geht natürlich, Sie können hinspringen, wo Sie wollen. Wenn Sie sich also in meinem Kurs befinden und sich gerade besonders für die Requisite interessieren, dann springen Sie dann hin, und dann werden Sie hören, dass ich Ihnen rate, darauf selbst Einfluss zu nehmen. Denn das ist durchaus möglich, ich muss nicht darauf warten, dass jemand alles für mich zurechtlegt.

Zum Beispiel?

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Alfons Schuhbeck (Koch), Sebastian Fitzek (Autor), Jonas Kaufmann (Tenor), Nico Hofmann (Produzent & Regisseur), Til Schweiger (Filmemacher) und Heiner Lauterbach.

(Foto: imago images/Future Image)

Wenn Sie einen reichen Mann spielen sollen, dann legt Ihnen ein normaler Requisiteur einen goldenen Füller hin. Ich persönlich würde den austauschen gegen einen kleinen, schon oft benutzten Bleistift. Denn das zeigt auch, dass jemand, der steinreich sein kann weil er sparsam ist, keinen goldenen Füller benutzt. Die eigene Fantasie ist auschlaggebend.

Schön ist ja auch immer mal wieder, das Gehirn einzuschalten.

Das ist immer gut (lacht)! Da kommen wir zu einem Thema, das mir ganz wichtig ist. Ich sage immer: Für mich muss jeder Film, den wir herstellen, für jeden Menschen eine Relevanz haben. Die Parameter sind für Landschaftsgärtner oder Opernsänger ähnlich: gewisse Dinge müssen eingehalten werden, um Erfolg zu haben. Sie brauchen einen Plan, eine Struktur und die besten Lehrer, die sie kriegen können. Dann muss man richtig trainieren und letztendlich führen diese Dinge dann zum Erfolg, egal, in welchem Metier.

Was ist Erfolg für Sie?

Für mich bedeutet Erfolg nicht immer nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch glücklich zu sein mit dem, was man macht. Dass man gerne arbeitet - das kann man nämlich auch erlernen bis zu einem gewissen Grad. 

Was ist Ihr Ziel?

Dass "meine Schüler" den Laptop schließen und danach sagen: "So, jetzt mache ich etwas! Jetzt bin ich bereit." Ich würde gerne diesen Impuls vermitteln.

Wie arbeiten Sie jetzt weiter?

Ich höre mir immer gern Kritik an, wenn sie fundiert ist, und dann versuchen wir ständig, unser Angebot zu verbessern, auch indem unsere Master noch vielfältiger werden. Man kann alles verbessern, das ist klar. Und um das gleich vorweg zu nehmen: Demnächst sind auch mehr Frauen als Master bei uns vertreten! Ich liebe Frauen, das ist ja hinlänglich bekannt (lacht).

Besonders aber eine - Viktoria. Wird es bald einen "Meet Your Master"-Kurs geben zum Thema: "So führen Sie eine glückliche Beziehung"?

(lacht) Naja, da ist wohl auch einfach Glück im Spiel. Es treffen sich diese zwei Personen zur richtigen Zeit am richtigen Ort - ich weiß gar nicht, ob man das lernen kann. Ich denke, die allgemeinen Tipps sind bekannt: Jeden Tag etwas für die Beziehung tun, daran "arbeiten", nichts selbstverständlich nehmen, Respekt und so weiter - ich weiß ja nicht, ob das einer sehen wollen würde.

Wenn darüber steht: "Wie mache ich aus einem schwer erziehbaren, nicht mehr ganz jungen Mann einen knackigen Gatten", dann gehe ich von hohen Verkaufszahlen aus.

(lacht) Wir können ja mal drüber nachdenken …

Hätten Sie früher gedacht, dass Lernen und Lehren so viel Spaß machen kann?

Niemals, im Gegenteil! Ich habe das ja auch lange vermieden. Aber: es macht Spaß, sich Ziele zu setzen, und es macht noch mehr Spaß, diese zu erreichen! Das habe ich recht spät erkannt, aber besser spät als nie!

Mit Heiner Lauterbach sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de