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Kritik an Monica Lierhaus Muss man fürs Leben dankbar sein?

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Lierhaus im August 2013.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die meisten Menschen sind erleichtert, wenn sie dem Tod von der Schippe springen. Nicht alle aber werden als Überlebende glücklich. Zu ihnen gehört Monica Lierhaus. Sie bereut heute die rettende Operation. Die Kritik, die sie trifft, ist berechtigt, aber nicht ganz fair.

Ein Aneurysma im Gehirn kann lebensbedrohlich werden. Deswegen lässt sich Monica Lierhaus ihres 2009 entfernen. Doch bei der Operation treten Komplikationen auf und die "Sportschau"-Moderatorin wird für vier Monate in ein künstliches Koma versetzt. Als sie wieder aufwacht, ist sie nicht mehr die Alte.

Zwar kann Lierhaus zwei Jahre später trotz Sprach- und Bewegungstherapie nicht wieder als Sportreporterin arbeiten, aber sie wird Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie. Glücklich wird sie nicht. Beruflich kann Lierhaus an alte Erfolge nicht anknüpfen, ihre Beziehung zerbricht.

Als sie vor wenigen Tagen andeutet, dass sie sich heute nicht mehr für die lebensrettende Operation entscheiden würde, kommt die Aussage zwar überraschend, der Gedanke aber ist es nicht. Nicht jeder Mensch möchte mit schweren oder jedenfalls mit als schwer empfundenen Einschränkungen leben.

Ein Menschenleben ist nie minderwertig

Lierhaus muss heute nach eigenen Angaben noch auf 15 Prozent ihres alten Könnens - körperlich wie geistig - verzichten. Das mag wenig klingen, doch für einen ehrgeizigen Menschen oder für einen, der einfach alles anders geplant hat und dem die Kraft zum Umdenken fehlt, können sie entscheidend sein.

Das Problem ist, dass Lierhaus als Person des öffentlichen Lebens eine ganz besondere Strahlkraft hat. Wenn sie spricht, wird sie gehört. Und weil sie gehört wird, steht ihre persönliche Geschichte plötzlich exemplarisch für andere - auch wenn sie das gar nicht hergibt. Es ist nicht tragisch, mit einer Behinderung zu leben. Nur fühlt es sich eben für einige so an.

Indem Lierhaus ihre Behinderung zum entscheidenden Faktor des eigenen Unglücks stilisiert, bestärkt sie Menschen in der Vorstellung, es gebe so etwas wie minderwertiges Leben - auch wenn das gar nicht ihre Absicht ist. Deswegen kritisieren Lierhaus für ihre Aussage diejenigen Menschen, die mit und ohne Behinderung seit langer Zeit gegen entsprechende Vorurteile ankämpfen. Wer sich gegen ein Hadern entscheidet, will nicht andauernd bemitleidet werden.

Privat betroffen, prominent gehört

Es gibt keine Regel dafür, was Existenz lebenswert macht. Es gibt nur eine gesellschaftliche Ästhetik, die alles Fremde ausschließt, und die es zu korrigieren gilt. Lierhaus' umstrittenes Interview jedoch ist nicht als Teil dieser generellen Debatte zu verstehen - auch wenn es Teilnehmer derselben gern als Aufhänger dafür begreifen wollen.

Die 45-Jährige ist betroffen und hat ein Recht darauf, nicht für eine Interessengruppe sprechen zu müssen. Dass sie mit ihrer Medienpräsenz eine schwierige Position einnimmt, ist unglücklich, aber nicht zu verurteilen. Das muss ganz unabhängig davon gelten, dass hinter Lierhaus' prominenter Schlagzeile für kurze Zeit vielleicht all diejenigen verschwinden, die auch mit Behinderung dankbar dafür sind, sein zu dürfen.

Quelle: ntv.de

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