"Wer wird Millionär?"Nächster Millionär? Berliner weiß 500.000-Euro-Frage aus dem Stand

Endlich! Erstmals seit zweieinhalb Jahren schafft es ein Kandidat bei Jauch zur Millionenfrage. Spektakulär holt Tom Wollnik die 500.000 Euro. Er weiß die Antwort aus dem Stegreif, riskiert den Sturz auf 500 Euro. Ist jetzt der Jackpot dran?
Beim "Wer wird Millionär?"-Sender mussten die Taschentücher gezückt werden. "Wenn das klappt, haben Sie die halbe Million. Dann brechen wir bei RTL in Tränen aus", verkündete Günther Jauch in der Sendung vom Montagabend. Eine letzte Chance zum Kneifen gab er dem Kandidaten noch. Aber Tom Wollnik aus Berlin blieb dabei: Er loggte seine Antwort auf die 500.000-Euro-Frage ohne jede Joker-Absicherung ein und hatte die Antwort sogar bereits gewusst, ehe die möglichen Antworten eingeblendet wurden. Fällt jetzt auch endlich wieder die Million?
Eine lange Durststrecke hat der ruhige 28-jährige Softwareentwickler zumindest schon mal beendet. Seit knapp zweieinhalb Jahren kann Jauch wieder die eine-Million-Euro-Frage stellen. Das hatte zuletzt im Special am Zweiten Weihnachtsfeiertag 2023 der Münchner Bahn-Ingenieur Jens-Peter Voigt zustande gebracht. Der hatte allerdings noch über einen Sonderjoker verfügt, während Wollnik am Ende ganz ohne Hilfestellung dastand. Wegen der Risikovariante drohte zudem der Absturz auf 500 Euro.
Durchmarsch bei "Wer wird Millionär?"
Doch kaum hatte Jauch die Frage für 500.000 Euro samt der Antwortmöglichkeiten vorgelesen, da legte sich der Kandidat auch schon (zumindest äußerlich) völlig ruhig fest. Souverän war Wollnik bereits zuvor durch die Runden gekommen. Auf einen derartigen Durchmarsch hatte zunächst allerdings nicht viel hingedeutet. Der 28-Jährige hatte in der ersten Auswahlrunde noch falsch gelegen und qualifizierte sich erst als dritter Gast des Abends für den heißen Stuhl.
Weil er nicht sicher war, dass Barbados als Geburtsort des Rums gilt, brauchte Wollnik den ersten Joker bereits bei der 2000-Euro-Frage. Den nächsten zog er in der 16.000-Euro-Runde. Jauch schwante da womöglich zum ersten Mal nichts Gutes. Wollniks Telefonjoker und ehemaliger Mitschüler Paul Reza Nemati hatte bei "Wer wird Millionär?" vor knapp vier Jahren selbst 64.000 Euro gewonnen und verriet, dass Wollnik ein 1,0-er Abi gemacht hat.
Der Telefonjoker konnte bei der Erkenntnis helfen, dass Alexander Ovechkin ein Eishockeyspieler ist und 2025 Wayne Gretzkys Rekord von 894 Liga-Toren geknackt hat. Auch anschließend brauchte Wollnik Hilfe. Das Publikum wusste zu 88 Prozent, dass das Enzym der Papaya als verdauungsfördernd und entzündungshemmend gilt. Die 64.000 Euro holte der Softwareentwickler dann ganz aus eigener Kraft. Er setzte darauf, dass das Kürzel RMS bei Schiffen wie der "Titanic" für Royal Mail Ship steht, sie also Post befördern. "Das war gut", lobte Jauch so viel Wagemut. "Danke für die Frage", erwiderte Wollnik bescheiden.
In einem RTL-Interview nach der Sendung würdigte der Kandidat auch die hervorragende Leistung seiner Joker. Ein Zuschauer verhalf ihm zu 125.000 Euro. Die Frage lautete: Welcher aus Asien eingeschleppte Hautpilz stellt hierzulande eine tödliche Bedrohung für die in seinem Namen genannten Tiere dar? Zur Auswahl standen: Wespenjäger, Rattenfänger, Taubentöter, Salamanderfresser. Der Herr im Publikum wusste, dass im Bielefelder Botanischen Garten viele Feuersalamander an einem Hautpilz gestorben sind.
Jauch kann es nicht fassen
Trotz des drohenden Absturzes auf 500 Euro vertraute der mittlerweile jokerlose Wollnik seinem Helfer und konnte unter dem tosenden Applaus des Studiopublikums erleichtert aufatmen. "Kompliment", kommentierte Jauch. Dann kam die Frage für eine halbe Million Euro. Sie war nicht unlösbar. Doch Wollnik benötigte kaum eine Sekunde, um sich für eine Antwort zu entscheiden.
Er sollte für 500.000 Euro wissen, welches Unternehmen 2024 mit über zwei Millionen Angestellten der größte private Arbeitgeber der Welt war? Jauch gab zur Auswahl UPS, Walmart, Volkswagen und Amazon. "Walmart", sagte der Kandidat sofort. Jauch machte große Augen. Die Regie loggte trotz der definitiven Antwort erst nicht ein. Doch warum war sich Wollnik so sicher? Der Berliner hatte vor rund vier Jahren bei Amazon gearbeitet, wie er verriet. Damals habe er einen Vergleich mit anderen großen US-Unternehmen gelesen, erinnerte sich Wollnik, der sofort selbst an Walmart gedacht hatte.
"Die Vervierfachung ist mir das Risiko wert", sagte der Softwareentwickler, ohne sich groß zu winden. Auch seine Mutter im Publikum schien völlig cool zu sein und das nicht nur wegen der dunklen Sonnenbrille, die sie aufgrund eines Augenleidens trug. Möglicherweise ist sie Aktionen wie diese von ihrem Sohn gewöhnt. "Er hat vorher gesagt, dass er zocken möchte", sagte sie fast schon schulterzuckend.
Jauch gab dem 28-Jährigen eine letzte Chance für einen Rückzieher. Doch er blieb bei Walmart – und griff sich ans Herz, als Jauch ihn erlösen konnte. Amazon hatte laut dem Moderator 2024 knapp 1,6 Millionen Mitarbeiter gezählt, Walmart hingegen 2,1 Millionen. Mit dem Geld – so er es denn tatsächlich mit nach Hause nehmen kann – will Wollnik die Hypothek für seine Berliner Altbauwohnung (80 Quadratmeter, saniert) komplett tilgen.
Jauch erinnerte zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr an das letzte Mal, als er die Millionenfrage vorgelesen hatte. Auch der Name des letzten Millionengewinners schien ihm nicht spontan auf der Zunge zu liegen (Ronald Tenholte, 2020). Jauch schickte sich gerade an, die Frage vorzulesen, da ertönte die Schlusströte. "Leute, das ist seelische Grausamkeit", beschwerte sich der "Wer wird Millionär?"-Moderator. "Ist so. Wiederkommen, nur für die Eine-Million-Euro-Frage", eröffnet er Wollnik, der auch diese Nachricht gefasst aufnahm.
Jauch attestierte seinem Kandidaten dann aber doch schwitzige Hände und verordnete hinter den Kulissen ein kleines Beruhigungsprogramm. "Wir gehen noch einen trinken", verkündete der Moderator und geleitete Wollnik aus dem Studio. In der Sendung, die am nächsten Montag ausgestrahlt wird, gibt es also gleich zu Beginn die neue Millionenfrage.
Die Überhangkandidatin dieser Folge, Annabelle Robbins aus Köln, krönte ihre Rückkehr mit 32.000 Euro. Mit dem Wissensstand von jetzt hätte es locker für die doppelte Gewinnsumme gereicht. "Was ist in Österreich seit 2011 nur einmal am Tag möglich – und zwar um 12 Uhr mittags?", wollte Jauch wissen. Klar: Spritpreise erhöhen. RTL wies per Einblendung aber darauf hin: "Die Sendung wurde vor den Gesetzesänderungen in Deutschland und Österreich aufgezeichnet." So konnten selbst zwei Joker Robbins nicht helfen und sie stieg aus.
Anschließend holte die Hebammenstudentin Viktoria Dorantes Gomez aus Freche bei "Wer wird Millionär?" 16.000 Euro. Doppelt soviel waren es danach beim Studenten Bastian Mogel aus Hannover. Der angehende Ingenieur hatte ebenfalls Glück mit seinem Zusatzjoker. Er ließ sich von einem Zuschauer aufklären, dass es eine Junior-Variante des Eurovision Song Contests gibt und sicherte sich damit seine Endsumme. 10.000 Euro des Gewinns sollen als Startkapital in seinen Traum von einer Pilotenausbildung fließen.