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Hier, in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg traten die Rapper erstmalig nach dem "Echo"-Eklat vor 300 bis 400 Zuschauern auf.
Hier, in Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg traten die Rapper erstmalig nach dem "Echo"-Eklat vor 300 bis 400 Zuschauern auf.(Foto: dpa)
Dienstag, 15. Mai 2018

Weidel erwägt Klage gegen Bang: "Nazi-Bitch" vs. "asozialer Marokkaner"

Von Sabine Oelmann

Farid Bang und Alice Weidel - weghören oder genau hinschauen? Komplett ignorieren kann man diese Figuren des Zeitgeschehens gerade nicht. Vor allem nicht, wenn sie beginnen, sich gegenseitig zu zerfleischen.

Nachdem sich "unsere" Fußballer, Herr Özil und Herr Gündogan, nun schon komplett ins Abseits geschossen haben, bereiten die nächsten Mitbürger Deutschlands einem zusätzliche Kopfschmerzen. Sollte man das ignorieren? Oder sollte man besser nicht die Augen verschließen vor den Dingen, die da direkt vor denselbigen abgehen?

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Nach dem Eklat ist in diesem Fall vor dem Eklat: Kurz nach dem ganzen "Echo"-Stress wegen seiner Auszeichnung für das umstrittene Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" hat Herr Bang einen neuen Song aufgenommen. In diesem attackiert er die AfD-Politikerin Alice Weidel. Bang veröffentlichte auf Instagram einen rund 20 Sekunden langen Ausschnitt, in dem er Weidel unter anderem als "Nazi-Bitch" bezeichnet und droht, ihr das Nasenbein zu brechen. Weidel reagierte zunächst nicht auf den verbalen Angriff.

Was möchte der junge Mann damit nun erreichen? Sich reinwaschen vom Vorwurf antisemitischer Texte? Noch vor Kurzem waren er und sein "Kollegah" mit einem "Echo" ausgezeichnet worden, weil sie unheimlich viele Platten verkauft hatten. Und der "Echo" war nun einmal ein Preis, den man bekam, wenn man sehr viele Alben verkauft hatte. Dass die Texte antisemitisch waren, war sowohl der Plattenfirma als auch dem Ethik-Rat augenscheinlich mal eben so  - huch - durchgerutscht.  Viele hätten das danach gern als "Unfall" abgetan - ging aber nicht, und deswegen "Tschüss, Echo".

"Echo" weg, Probleme weg?

Dass mit der Abschaffung eines Musikpreises jedoch nicht die Probleme abgeschafft werden, hätte einem sofort klar sein können. Auch Frau Weidel ist für viele in Deutschland nicht mehr als ein "Unfall". Man fragt sich, wie es nur so weit kommen konnte - dabei wurde die AfD-Politikerin und ihre Partei doch von so vielen Deutschen gewählt, dass sie also gar kein Unfall sein kann.

Beim Echo noch siegessicher, jetzt ohne Plattenvertrag: die Herren Bang und Kollegah.
Beim Echo noch siegessicher, jetzt ohne Plattenvertrag: die Herren Bang und Kollegah.(Foto: dpa)

Dass sie nicht unbedingt die Frau der feinen Zwischentöne ist, hat sie bisher ebenfalls hinlänglich bewiesen: Als die Rapper mit dem "Echo" ausgezeichnet wurden, hatte die Politikerin getwittert, Bang sei "nichts weiter als ein asozialer Marokkaner" - was wiederum eine Anspielung auf dessen Song "Asozialer Marokkaner" ist (der Musiker hat marokkanische Wurzeln, wurde aber in Spanien geboren und lebt seit seiner Kindheit in Deutschland). So weit, so blöd. Und damit zurück zum Ausgangspunkt: Nach der Verbalattacke in seinem Song erwägt Alice Weidel nun doch rechtliche Schritte gegen den Rapper. Sie habe sich aber noch keine abschließende Meinung gebildet, so Weidels Pressereferent Daniel Tapp gegenüber der dpa.

Weidel hatte erst vor Kurzem durchgesetzt, dass Facebook einen Beitrag, in dem sie ähnlich wie jetzt von Farid Bang beschimpft wurde, nicht weiter verbreiten darf. Ein Nutzer hatte die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion unter anderem als "Nazi Drecksau" bezeichnet, weil sie sich laut einem Medienbericht angeblich gegen die Homosexuellen-Ehe ausgesprochen hatte (und das, obwohl Alice Weidel mit einer aus Sri Lanka stammenden Schweizer Film- und Fernsehproduzentin zusammenlebt, mit der sie gemeinsam zwei Söhne großzieht). In der mündlichen Verhandlung am Hamburger Landgericht wurde festgestellt, dass Weidels Rechte eindeutig verletzt worden sind. Es wurde untersagt, die Äußerungen in Deutschland zu verbreiten oder verbreiten zu lassen.

Einfach mal Fresse halten?

Was könnte man nun Gutes aus diesen allerseits unappetitlichen Äußerungen ziehen? Der Ratschlag Dieter Nuhrs - "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten" - reicht nicht mehr. Viel mehr ist eine Diskussion nötig. Darüber, wie schnell man heute "einfach mal was raushaut", sei es auf sozialen Netzwerken oder sonstwo. Bezeichnungen wie "Nazi-Schlampe" oder "asozialer Marokkaner" sind so schnell dahingesagt (oder geschrieben oder gesungen), so schnell verbreitet, so dermaßen für immer im Netz, dass sie nie wieder weggehen werden.

Warum nicht mal nachdenken, bevor man sich äußerst? Warum immer Gleiches mit Gleichem vergelten? Warum sich nicht mal an einen Tisch setzen?  Das wäre doch hübsch: Der deutsch-marrokanisch-spanische Farid Bang und die Alice Weidel aus Gütersloh mit Wohnsitz in der Schweiz beim Italiener mit einem deutschen Bier. Oder einem französischen Rotwein. Sie diskutieren darüber, was sie verbindet, nicht was sie voneinander abschreckt. Beide haben schließlich mehr gemeinsam, als sie denken: viele Fans. Viel vor. Und viele Freiheiten.

Quelle: n-tv.de