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VIP VIP, Hurra!"Ohne dich war es still"

10.04.2026, 17:12 Uhr Bildschirmfoto 2026-02-21 um 21.32.44Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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"She's back": Schauspielerin Simone Thomalla. (Foto: picture alliance / ZB)

Ein Hacker hat mit Simone Thomalla miese Spielchen getrieben, Markus Mörl wird dringend gebraucht und Pietro Lombardi zofft sich mit seinem "Bruder" Milano. Bei unseren Promis dreht sich in dieser Woche alles um Wut und Hilflosigkeit. Und um die deutsche Rechtschreibung, die sich aus dem Staub gemacht hat.

Carolin Kebekus sagt dieser Tage, man solle wütender werden. Ja, Hilfe, denke ich mir da: Wo soll man da anfangen? Und sollte Wut wirklich der Motor sein, der uns als Gesellschaft antreibt? Ich habe da so meine Zweifel. Aber Wut kanalisiert sich ja prima, schaukelt sich hoch und soll, so munkelt man, ein super Algorithmus-Ankurbler sein. Möglicherweise habe ich den falschen Job. Wut und Empörung liegen in der Luft. Vielleicht sollte ich mich besser mit meinem Handy schnellstmöglich an die nächste Tanke begeben und live gehen. Was erlaube Ölkonzerne? Die Spritpreise gehen durch die Decke. Ich könnte sogar wütend auf Markus Mörl sein, der 1982 in seinem NDW-Nummer-1-Hit sang: "Und kost' Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, es wird schon geh'n."

Mensch, Markus, wir brauchen dich! Bitte schreib uns eine neue, umweltbewusste Hymne! So lange gehe ich "auf Insta" jeden Tag live und empöre mich. Mein Algorithmus wird glühen, das Thema ist ja unerschöpflich. Lieber Leser, lassen Sie mir gern umfangreiches Empörungsmaterial zukommen, mal gucken, vielleicht beteilige ich Sie bei meiner Geschäftsidee als Gesellschafter.

Für die Wut der Woche sorgen diesmal auch die Experten, die Simone Thomalla angeraten haben, einen Hacker, der ihren Instagram-Account in Beschlag genommen hat und sie erpresst, zu bezahlen. Die Schauspielerin ist, wie Sie sicherlich schon gelesen haben, auf eine Phishing-Mail reingefallen und sollte 1400 Euro berappen. Der Hacker, der sich selbst "Ali" nennt, habe Simone noch geschrieben, er sei "kein schlechter Mensch". Sie wandte sich an Meta - vergebens. Sie wandte sich an IT-Experten, auch die konnten ihren Account nicht zurückholen, und am Ende ging sie auf "Alis" Forderungen ein - und zahlte. Doch auch das half nichts.

Werkzeug oder Maßstab?

Inzwischen hat Simone Thomalla, wohl auch dank einer tollen Community, ihren Account wieder zurückbekommen. Ende gut, alles gut also? Nicht ganz. Denn der Fall zeigt vor allem eines: wie abhängig wir uns von diesen Plattformen gemacht haben. Zwischenzeitlich funktionierte nichts mehr, niemand schien helfen zu können. Verständlich, dass sich da Verzweiflung und Wut breitmachen. Anzeige hat sie dennoch erstattet. Zurecht. Ihr Insta-Comeback wird gebührend gefeiert, auch wenn die Kommentare an der einen oder anderen Stelle ziemlich melodramatisch sind und in etwa klingen, als habe die Schauspielerin eine lebensbedrohliche Nachricht erhalten: "Schön, dass du wieder da bist. Ohne dich war es still. Wir, die Community, haben dich nicht aufgegeben. Das werden wir auch nie tun."

Ich verstehe wirklich, dass das alles enorm ärgerlich sein muss, aber zeigt dieser Fall nicht auch, wie schnell sich so etwas größer anfühlt, als es eigentlich ist? Es wirkt, als ließe sich das alles einfach abschalten. Ein paar Klicks, und weg. Und dabei ist es am Ende eben doch nur ein Account. Hätten Sie das "Lösegeld" gezahlt?

Ich muss gestehen, dass in diesem Moment eine neue Wut in mir hochkocht. Allgemeine Frage: Wann haben wir eigentlich beschlossen, uns über Instagram zu definieren? Sollte Social Media nicht eher Werkzeug anstatt Maßstab sein? Stattdessen wandert das Auge automatisch auf die Anzahl der Follower, als würde das unseren Wert als Mensch bestimmen. Ein Hoch auf alle, die diesem Druck entsagen und den Plattformen ganz freundlich den Stinkefinger zeigen - vor allem, wenn man den Ausführungen eines Lehrers lauscht, der erzählt, Kinder säßen sieben bis elf Stunden am Tag vor ihren Bildschirmen, und ihr Gehirn werde zu Mus. Klingt drastisch, ist aber vermutlich näher an der Realität als alles, was man sich sonst so schönredet.

Wann wurden Punkt und Komma abgeschafft?

Und wir brauchen Instagram auch nicht mehr, um den Flurtratsch zu verpassen. Denn dafür sind die Boulevardmedien und auch diese Kolumne hier da. Neuester Aufhänger: Zwischen Pietro Lombardi und Milano gibt es Knatsch. Sie wissen nicht, wer Milano ist? Dann schauen Sie aber ganz schnell die aktuelle "Lets Dance"-Staffel, denn dort tanzt der französische Musiker mit. Einer der Gründe für den Zoff, halten Sie sich fest: Milano ist Pietro entfolgt. Okay, man könnte an dieser Stelle argumentieren: "Hauptsache, Alessio geht's gut!", aber der Witz ist im Social-Media-Zeitalter schon wieder so alt, dass er nicht mehr zündet. Pietro könnte Milano auch bei der nächstbesten Veranstaltung einfach ansprechen und ihn fragen, warum er entfolgt ist, aber er schreibt lieber eine private Nachricht. So weit, so belanglos.

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Milano macht aktuell bei "Let's Dance" mit. (Foto: picture alliance/dpa)

Aber was macht Milano? Er veröffentlicht sie. Ob das rechtlich klug ist, darf man zumindest bezweifeln. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht ist kein Vorschlag, und auch private Kommunikation ist nicht dafür gedacht, als Content recycelt zu werden. Weiß Milano vielleicht nicht. Oder es ist ihm egal.

Was allerdings fast mehr ins Auge springt als die Frage der Zulässigkeit, ist die Nachricht selbst. Oder genauer gesagt: die Art, wie sie geschrieben ist. Man liest das und fragt sich unwillkürlich, ob Punkt und Komma irgendwann abgeschafft wurden, ohne dass es jemand mitbekommen hat. Wenn sich die Rechtschreibung aus dem Staub gemacht hat, liest sich das so: "Den mach dein lets Dance stell direkt RTL weis das du versuchst Leute auf mich zu schicke wegen Frage Runde sei erwachsen Frage Runde war einfach eine Wahrheit das heißt nicht das ich gegen dich was habe also mein Bruder gib Gas und lass diese Filme sinnlos !"

Wütend auf die Welt

Natürlich kann man jetzt sagen: egal. Der Mann ist erfolgreich, der muss keine Diktate mehr schreiben. Aber beängstigend ist es allemal und leider auch ein Spiegel der heutigen Gesellschaft, dass wir nicht nur verlernen, wie man korrekt schreibt, sondern unsere Hirne mit Tiktok statt mit Wissen fluten. Nie waren die Möglichkeiten, sich zu bilden, so mannigfaltig - und selten wurde so wenig daraus gemacht. Stattdessen machen wir uns abhängig von Konzernen und Algorithmen.

Zusätzlich haben wir uns in einer Welt eingerichtet, in der alles sofort öffentlich und bewertet wird. Und dabei geht so vieles verloren. Was aber mit Sicherheit bleibt, ist die Empörung und jetzt eben auch die Wut: auf alles und jeden. Auf alle Männer, auf die Politik, auf den Feminismus, auf Hacker, aufs Wetter und die Spritpreise. Die ganze Welt scheint dieser Tage wütend zu sein, aber manchmal genügt es schon, einfach mal das Handy auszuschalten, die Gedanken zu sortieren oder wenigstens ein Komma zu setzen.

Quelle: ntv.de

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