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Abschied der Herzschmerz-Königin Pilcher entführte ihre Leser in Traumwelten

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Manche sagen, niemand habe mehr für die Verbindung zwischen Deutschland und Großbritannien getan.

(Foto: picture alliance/dpa)

In ihren Büchern ist die Welt heil und rosig. Im wahren Leben ist Rosamunde Pilchner eher pragmatisch veranlagt. Nun ist die Herzschmerz-Königin im hohen Alter gestorben. Ein Rückblick auf eine verspätete Karriere mit ihrem Höhepunkt im deutschen Fernsehen.

Ihr Verlag nannte Rosamunde Pilcher die "Königin der Herzschmerz-Literatur". Doch die nun mit 94 Jahren verstorbene Bestsellerautorin zeigte in Gefühlsdingen im wahren Leben mehr Pragmatismus als Romantik. "Ich habe in meinem Leben mehr gebügelt als geliebt", sagte Pilcher der "Bild am Sonntag" zu ihrem 90. Geburtstag. Viele ihrer Äußerungen zeigen eine humorvolle, bodenständige Frau - deren Talent darin lag, ihre Leser in Traumwelten zu entführen. Zu der Bestsellerautorin mit weltweit mehr als 60 Millionen verkauften Büchern wurde Pilcher erst im reifen Alter. Das 1987 veröffentlichte "Die Muschelsucher" wurde ihr erster großer Erfolg.

Wie Pilcher in einem Interview erzählte, kam sie als Ergebnis eines gemeinsamen Abendessens mit ihren vier Kindern, ihrem Mann und ihrem US-Agenten dazu, "Die Muschelsucher" zu schreiben. Die Kinder hätten genörgelt, warum ihre Mutter noch immer nicht Erfolgsautorin sei. Der Agent habe gesagt, ihre Bücher seien schlicht zu kurz. "Ich will einen dicken, fetten Schmöker für Frauen." Damals habe sie nach dem Aufziehen der Kinder endlich die Zeit für ein langes Buch gehabt - "Die Muschelsucher" entstand. Allein in Deutschland verkaufte sich das Buch 1,7 Millionen Mal.

"Erst das Schreiben, dann die Familie"

Pilcher kam am 22. September 1924 in Lelant in der Grafschaft Cornwall zur Welt. Dort in der Nähe des malerisch an der Küste gelegenen St. Ives wuchs sie auf. St. Ives ist ein Künstlerstädtchen, alle Freunde der Familie seien damals Künstler gewesen, sagte Pilcher einmal. Besonders das Licht habe es ihr dort angetan.

Ihre Bücher spielten alle in den Grafschaften ihrer Jugend. Doch die längste Zeit ihres Lebens verbrachte Pilcher in Schottland. 1946 heiratete sie den Textilunternehmer Graham Pilcher, mit dem 2009 mit 92 Jahren verstorbenen Mann bekam sie fünf Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb.

Zwar waren bei Pilchers die Rollen klar verteilt - er arbeitete, sie erzog die Kinder. Doch Rosamunde Pilcher schrieb immer fort - und hatte auch eine klare Priorität für ihr Leben: "Erst kommt das Schreiben, dann die Familie, dann die Freundinnen", sagte sie dem ZDF einmal. "Ich wäre eine schlechte Mutter, wenn ich nicht schreiben würde, ich wäre nur frustriert und gelangweilt."

Dass ihre Bücher wie "Stürmische Begegnung" oder "Wilder Thymian" in den Feuilletons oft mit einem gewissen Hochmut besprochen wurden, störte sie. "Gewisse Literaten" hielten ihr gegenüber die Nase hoch - doch sie hielt daran fest, in ihren Büchern Drogen und Gewalt keinen Platz zu geben und damit eine eigene, heile Welt zu erschaffen.

Pilcher-Tourismus in der Region um Cornwall

Zu sehen ist das regelmäßig im deutschen Fernsehen. Das ZDF begann vor gut 25 Jahren mit der Verfilmung von Pilcher-Romanen. "Stürmische Begegnung" hieß 1993 das erste Werk, das mit acht Millionen Zuschauern ein Straßenfeger wurde. Mittlerweile ist der 150. Film abgedreht.

Der Publikumserfolg der Filme ist in Deutschland so groß, dass in der Folge ein regelrechter Pilcher-Tourismus vor allem in die Region um Cornwall einsetzte. Reiseunternehmen bieten Touren auf ihren Spuren an, die britische Tourismusbehörde zeichnete sie aus.

Manche sagen, niemand habe mehr für die Verbindung zwischen Deutschland und Großbritannien getan. Als Anerkennung für ihre Verdienste verlieh Prinz Charles Pilcher 2002 den Verdienstorden des britischen Königreichs. Bald darauf stellte sie das Veröffentlichen von Büchern ein. Den Lebensabend verbrachte sie in ihrem Haus, das wie die Häuser aus ihren Büchern von einem prächtigen Garten umgeben war - mit Wiesen, Blumen, alten Bäumen und einer herrlichen Aussicht.

Quelle: ntv.de, Ralf Isermann, AFP